„Es sieht wirklich manchmal verheerend aus“

Sportfischer kämpfen gegen Vermüllung der Gewässer und Uferlandschaften

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Ein Suchspiel der unschönen Art: Wer genau hinguckt, zählt viele Bälle und noch mehr Flaschen.

Stuhr - Von Andreas Hapke. Der Sportfischerverein Bremen-Stuhr beklagt die zunehmende Vermüllung an den Ufern und auf den Grünflächen seiner Pachtgewässer. „Es sieht wirklich manchmal verheerend aus“, berichtet Pressewart Thomas Schöntaube. Gefüllte Mülltüten hingen zum Teil in den Bäumen, Abfallbehälter seien überfüllt, Unrat werde sorglos in der Natur zurückgelassen. Auf Stuhrer Gebiet sei das besonders am Hohorster See und in den Uferbereichen der Ochtum auffällig.

„Eigentlich ist es jedes Jahr dasselbe – oder auch nicht, denn die Tendenz ist steigend“, sagt Schöntaube. Da der Gewässerschutz des Vereins ständig neue Verschmutzungen entdecke, befasse sich der Vorstand beinahe wöchentlich mit dem Thema.

Immer wieder zeige sich die Verwahrlosung von Landschaft und Gewässern „an den schönsten Stellen unserer Gemeinde Stuhr und den Nachbargemeinden“. Gerade die Sommermonate würden dazu einladen, um am Wochenende im Grünen und möglichst am Wasser Feten sowie Gruppen- und Familienpicknicks zu veranstalten. 

Bei ihren Kontrollgängen stellten die Ehrenamtlichen danach fest, dass die Plätze „nicht naturgemäß“ zurückgelassen wurden. Nicht zuletzt wegen der vielen „To-go“-Angebote an Speisen und Getränken scheint das Problem laut Schöntaube eher größer als kleiner zu werden.

Schöntaube fordert Eingreifen der Politik

Wichtig sei, die Verursacher für das Problem zu sensibilisieren. Doch das fruchte leider nicht, stellt Schöntaube fest und nennt als Beispiel „Stuhr räumt auf“. Rund 20 Kubikmeter Müll hätten die Bürger in den vergangenen Jahren jeweils gesammelt. Der Sportfischer spricht von einer „ehrenwerten“ Aktion. „Es scheint aber so, als ob man leider nicht die Verursacher einer Vermüllung erreicht.“ Deshalb sollte der Gesetzgeber „entsprechende Maßnahmen“ ergreifen.

Die Sammlung der Fischer am Tag der Aktion „Stuhr räumt auf“.

Viele Freiwillige des Vereins opferten sehr viel Zeit, um mit Pflege und Bestandserhalt der Fischreviere und der angrenzenden Uferlandschaften allen ein Naturerlebnis zu ermöglichen. Für die Wiesen und Plätze sei die Kommune zuständig. Der macht Schöntaube keinen Vorwurf: „Sie ist bemüht, immer wieder den Müll zu beseitigen. Doch der Menge, vor allen Dingen an den Wochenenden, ist auch sie nicht gewachsen.“

Neben zurückgelassenen Lebensmitteln, Papierabfällen und Grillrückständen hätten Plastikverpackungen und Plastiktüten fatale Auswirkungen für Mensch und Tier. Das Nahrungsmittel Fisch sei bereits mit Plastik sowie mit den Plastikinhaltsstoffen wie Weichmacher, Stabilisatoren, Farbbestandteilen und weiteren Zusatzstoffe kontaminiert. 

Auch in den Binnengewässern ist Plastik ein Problem

„Plastik verschwindet nicht, es baut sich auch nicht ab, sondern zerfällt über die Zeit in Mikroplastikteile, die kleiner als fünf Millimeter sind.“ Eine Plastiktüte zum Beispiel benötige rund 400 Jahre bis zum Zerfall, sie sei dann aber immer noch nicht verschwunden. Diese Teilchen setzten sich auf dem Meeresboden ab, werden von den Fischen als Nahrung aufgenommen und somit über die Nahrungsmittelkette auch an den Verbraucher weitergeleitet.

„Selbst in unseren Binnengewässern wurden bereits Mikroplastikteile mit steigender Tendenz festgestellt“, berichtet Schöntaube. „Welche Folgen sich für uns Menschen ergeben, ist bisher noch unklar und nicht erforscht.“

Darüber hinaus gelange auch der Plastikmüll aus hiesigen Gewässern ins Meer und trage damit zur globalen Umweltbelastung bei.

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