13. Stuhrer Wirtschaftsforum 

Siegreicher Unternehmer und schimpfender Bürgermeister

Stuhr - Von Andreas Hapke. Lutz Hollmann ist der Stuhrer Unternehmer-Millionär. Bis das feststand, musste der Chef des gleichnamigen Baugeschäfts beim 13. Wirtschaftsforum als alleiniger Kandidat zehn Fragen beantworten – gestellt vom Mittelstandsexperten und Hochschuldozenten Lutz Penzel. Penzel gab am Donnerstagabend den Günther Jauch, denn als abendfüllendes Programm hatte sich die Gemeinde ein Quiz nach Vorbild des Formats „Wer wird Millionär“ überlegt. Hollmann ging mit einem 12,5 Kilogramm schweren Goldbarren nach Hause, der – wäre er echt gewesen – einen Wert von 458.000 Euro gehabt hätte.

Die Eine-Million-Euro-Frage: geschenkt. „Wer ist Stuhrs Bürgermeister?“, wollte Penzel am Ende von Hollmann wissen. Letzterer konnte Thomas Nielsen, Heiner Tamsen und Kord Bockhop mit gutem Gewissen ausschließen.

Bis dahin hatte es Hollmann mit Fragen zu tun, die sich im Wesentlichen um eine erfolgreiche Geschäftsführung drehten. Was motiviert uns am meisten? Richtige Antwort: Wertschätzung, denn die funktioniere auf Augenhöhe, während Lob von oben herab komme, erklärte Penzel. Immer dann, wenn der Kandidat den Publikumsjoker einschaltete, wurde deutlich: Nicht alle der rund 150 Gäste hatten dieselben Vorstellungen von der Führung eines Unternehmens. Insofern dürfte der eine oder andere sogar mit einem guten Ratschlag nach Hause gegangen sein.

Meistens lag Hollmann bereits richtig, bevor er sich an die Besucher wandte. Muss die Führung eines Unternehmens von oben nach unten (A), von innen nach außen (B), von links nach rechts (C) oder von außen nach innen (D) erfolgen? Hollmann entschied sich sofort für B. „Man kann bei anderen nur das hervorrufen, was man selbst in sich trägt“, pflichtete ihm Penzel bei.

Eine mehrheitliche Entscheidung des Publikums war kein Garant für eine richtige Antwort. Beispiel: Wieviel Prozent aller 3,6 Millionen Unternehmen in Deutschland gehören dem Mittelstand an? Da war schon der „Landrat-Joker“ Cord Bockhop gefragt, der auf 99,5 Prozent tippte und damit richtig lag. Das Publikum wollte Hollmann zu 80 Prozent „überreden“.

Penzel unterlegte die Antworten mit Ergebnissen repräsentativer Befragungen. Was ist der größere Erfolgsverhinderer für Unternehmer? Hollmann schwankte bei der 64 000-Euro-Frage zwischen „C: keine Zeit“ und „D: Mitarbeit im Tagesgeschäft“. Schließlich führe auch letzteres dazu, dass die Zeit fehle. „Mitarbeitergespräche“ und „kein Geld“ schloss er aus. Laut Penzel hat das Tagesgeschäft einen großen Anteil an jenen Managementfehlern, die zur Insolvenz führen. Hollmann hatte sich zurecht für Antwort D entschieden, „auch wenn Theorie und Praxis in dem Punkt auseinandergehen“.

Am Ende lobte Penzel den Kandidaten als „typischen Unternehmer“, der nicht lange fackele und auch mal ins Risiko gehe.

Eingangs hatte Bürgermeister Niels Thomsen in seinem Grußwort auf ein Jahr mit vielen Problemen zurückgeblickt, und das in bislang selten gehörter Deutlichkeit, zum Beispiel in Sachen Verkehrschaos: „Die Bundesstraße 6neu ist im vordringlichen Bedarf, ich kann es nicht mehr hören. Ich will, dass sie gebaut wird.“ Er kritisierte den Entscheidungsprozess in Bremen: „Mit der dort geplanten Untertunnelung wird das nichts, die ist zu teuer.“ Die Straßenbahn als Alternative für Pendler gebe es nicht, denn: „Leider haben wir vor Gericht eine drastische Klatsche bekommen.“ Dass Stuhr trotz der Elternbeiträge von 2,5 Millionen Euro bis zu acht Millionen Euro an Steuergeldern in die Betreuung der Ein- bis Sechsjährigen stecken muss, nennt Thomsen „systembedingt“. „Warum ist das Sache der Kommune? Das muss deutschlandweit neu angepackt werden.“

Rubriklistenbild: © dpa

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