Oliver Müller gründet Gruppe für Andersliebende im MGH

„Outright“: Sicherer Hafen für Schwule, Lesben und Bisexuelle

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Oliver Müller präsentiert das Plakat zu seinem Angebot im Brinkumer MGH.

Brinkum - Von Andreas Hapke. „Jetzt wird das Leben noch komplizierter“ – das war Oliver Müllers erster Gedanke, als er sich mit 14, 15 Jahren seiner Homosexualität bewusst wurde. Als ob die Pubertät nicht problematisch genug wäre. Heute ist er 31 Jahre alt und möchte Gleichfühlenden einen sicheren Ort bieten, um sich in entspannter Atmosphäre treffen und austauschen zu können. Müller hat einen Gesprächskreis für Andersliebende ins Leben gerufen. „Outright“ heißt das Angebot, dass er ehrenamtlich im Brinkumer Mehrgenerationenhaus (MGH) betreut.

Jeden zweiten und vierten Mittwoch im Monat möchte Müller schwule, lesbische und bisexuelle Menschen begrüßen. Wer noch unentschlossen, das heißt, auf der Suche nach seiner sexuellen Identität ist, kann ebenso kommen wie neugierige Heterosexuelle. „Vielleicht sind ja auch Angehörige von Andersliebenden interessiert“, sagt Müller, der auch die Flüchtlinge mit einschließt. „Sie haben in Deutschland leichter die Möglichkeit, sie selbst zu sein, als in ihrer Heimat.“ Das Treffen geht an jedem zweiten und vierten Mittwoch im Monat von 18.30 bis 20 Uhr im Backhaus des MGH über die Bühne. Der Startschuss fällt am 14. Juni.

Müller spricht von Andersliebenden, „weil sie von dem, was die Gesellschaft als Norm empfindet, abweichen“. Doch selbst in der eher konservativen Schwarzwaldidylle Donaueschingen hat Müller seinerzeit keine schlechten Erfahrungen mit seinem Bekenntnis zum Schwulsein gemacht. „Vielleicht liegt es auch daran, dass ich ein netter Mensch bin“, sagt er.

Gutes Gefühl nach dem Coming-out

Die Reaktionen auf sein Coming-out reichten von „cool“ über „habe ich mir gedacht“ bis zu einem ungläubigen „Was? Nein!“ – letzteres vorwiegend von den männlichen Eingeweihten. Weder damals noch später im Berufsleben habe er sich unwohl gefühlt mit seiner Entscheidung.

Vor zweieinhalb Jahren hat es Müller nach Brinkum verschlagen. Er hatte Lust auf eine Veränderung gehabt und zog in die Nähe seiner heterosexuellen Freunde, die in Delmenhorst wohnen. Während seiner ehrenamtlichen Tätigkeit für das MGH dachte er sich: Hier gibt es Veranstaltungen für alle möglichen gesellschaftlichen Gruppen, nur nicht für Schwule, Lesben und Bisexuelle. „Ich möchte, dass Menschen wie ich einen Treff haben“, schlug er MGH-Leiterin Daniela Gräf vor. Diese sei sofort begeistert gewesen. Der Gruppenname „Outright“ bedeutet im Englischen unter anderem offen – wie das Angebot – und vollkommen, denn niemand sei aufgrund seiner sexuellen Vorlieben weniger wert als andere.

Gruppe bietet Hilfestellung

Zusammenkommen und nett quatschen sei die eine Sache. Die Gruppe könne aber auch Hilfestellung geben bei Problemen, sei es mit Eltern, in der Schule oder am Arbeitsplatz. Er wolle auch Aufklärung für junge Andersliebende leisten und für „Teenies, die sich noch nicht festgelegt haben in ihrer Sexualität“, sagt Müller. Eigens dafür hat er Broschüren und Flyer über Safer Sex, sexuelle Orientierung und Coming-out bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung geordert. Vorgeben möchte der 31-Jährige bei den Treffen aber nichts. „Mir ist wichtig, dass die Themen aus der Gruppe kommen, ich bin offen für Vorschläge“, sagt er. Denkbar seien auch Vorträge, Diskussionsrunden und Ausflüge. Die Gruppe sei nicht aufs MGH festgelegt, sondern könne sich auch mal in einer Kneipe treffen. Nur eins schließt Müller für das Angebot kategorisch aus: „Es ist keine Single-Börse, keine Dating-Plattform für Andersliebende.“

Je nach Zulauf könnte es Untergruppen für Jungen und Mädchen oder für jüngere und ältere Teilnehmer geben. Doch das ist noch Zukunftsmusik. Zunächst ist Müller gespannt, ob überhaupt jemand bei der Premiere auftauchen wird. „Ich kenne in Brinkum niemanden wie mich“, sagt er. Sollte es diesmal nichts werden mit der Gruppe, wolle er im kommenden Jahr einen neuen Anfang wagen.

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