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Selbstversuch beim Männer-Yoga in Stuhr

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Von: Marcel Prigge

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Marcel Prigge bei einer Yoga-Übung
Mit angezogenen Beinen rollen sich die Schüler auf den Rücken, um sich zwischen den Übungen zu entspannen. © Jantje Ehlers

Kreiszeitungs-Reporter Marcel Prigge hat an einem Männer-Yogakurs der VHS Stuhr teilgenommen. Unter der Leitung von Yogalehrerin Antje Weseloh erfand er seinen Körper neu.

Stuhr – Die Arbeit bei der Zeitung kann manchmal anstrengend sein. Man ist viel unterwegs, hat häufig Zeitdruck und trinkt gerne mal einen Kaffee zu viel. Zumindest geht es mir so. Umso schöner, als mich vor Kurzem ein Kollege fragte, ob ich für einen Selbstversuch bei einem Yogakurs für Männer bereit wäre. „Bitte mitbringen: bequeme Kleidung, eine Unterlage, ein Kissen, eine Decke und eine Flasche Wasser“, ist in der Kursbeschreibung der VHS Diepholz zu lesen. Eine Decke und ein Kissen? Natürlich, ich bin dabei!

Ich finde mich in einem Kursraum der VHS Stuhr mit acht anderen Männern jedwedes Alters wieder. „Jeder wird da abgeholt, wo er gerade ist“, erzählte mir Yogalehrerin Antje Weseloh. „Niemand wird alleine gelassen. Es geht nicht um Leistung oder darum, besonders gelenkig zu sein.“

Es sei ein Vorurteil von vielen, das Männer dazu bringt, sich nicht in regulären Kursen anzumelden. „Das Interesse der Männer für Yoga ist schon länger da gewesen“, so Weseloh. Viele würden sich nur nicht trauen, da in den meisten Kursen zu 90 Prozent Frauen seien. Ein reiner Männerkurs werde jedoch gut besucht.

Es geht nicht um Leistung oder darum, besonders gelenkig zu sein.

Antje Weseloh, Yogalehrerin

Es ertönt Musik aus einer Bluetoothbox in der Mitte des Raumes. Das sind Mantras, erklärt Weseloh, während ich Gesänge und ruhige Melodien höre, die ich nicht einordnen kann und so noch nie gehört habe. Wir setzen uns alle in den Schneidersitz, nehmen ein paar tiefe Atemzüge und pressen unsere Hände vor der eigenen Brust aneinander. „Wer möchte, kann jederzeit die Augen schließen“, werden wir instruiert. Das helfe der Entspannung. Am Anfang komme es erst einmal darauf an, anzukommen.

Marcel Prigge bei einer Bauchmuskelübung
Anstrengender, als es aussieht: Yoga für die Bauchmuskulatur. © Jantje Ehlers

Wir kreisen im Sitzen mit den Hüften, um das Becken zu lockern, stehen auf und strecken die Arme in die Luft, um uns groß zu machen und die Schultermuskulatur zu lösen und kriechen auf allen vieren, damit sich die Wirbelsäule dehnt. Vereinzelt unterbrechen knackende Knochen die Musik.

Es fühlt sich gut an, sich auf der Matte mit den anderen zu bewegen, und ich beginne zu begreifen, was Weseloh meinte, als sie sagte, es gehe beim Yoga um das Körpergefühl. Nicht verstanden habe ich die Worte: „Heute werden wir unseren Nabel stärken, denn ein starker Nabel bedeutet Mut und Selbstbewusstsein“. Das sollte sich aber noch ändern.

Das Yoga-Set beinhaltet zehn Übungen

Dann beginnt das Yoga-Set, bestehend aus zehn Übungen. Eine Position wird für zwei bis drei Minuten ausgeführt. Danach gibt es dieselbe Zeit noch einmal zur Entspannung, um die Übung im Körper wirken lassen.

Der Anfang fällt noch relativ leicht. Unsere aufgelockerten Gelenke und Sehnen funktionieren. Doch dann beginnt der anstrengende Teil des Yogas: das Halten schwieriger Positionen.

Auf dem Rücken liegend versuche ich, meinen Oberkörper über den Boden schweben zu lassen und meine Beine dabei zu halten. Meine Bauchmuskeln brennen. „Das halten wir jetzt für eine Minute.“ Oh, da bin ich mir nicht so sicher. Ich versuche es, doch nach etwa der Hälfte der Zeit muss ich eine Pause machen. Yoga ist wesentlich anstrengender als gedacht. „Sanfte Dehnungen, kraftvolle und dynamische Yoga- und Atemübungen bringen Körper, Geist und Seele in Einklang“, schießt mir die Kursbeschreibung durch den Kopf. Habe ich den Kurs unterschätzt?

Yogalehrerin Antje Weseloh zieht ihre Beine an und hält sie fest
Yogalehrerin Antje Weseloh macht es vor, die Kursteilnehmer machen es nach © Jantje Ehlers

Auch bei der nächsten Übung sollen die Bauchmuskeln gestärkt werden: Ich liege auf dem Bauch und hebe meine ausgestreckten Beine und Arme an. Das ist also mit dem „starken Nabel“ gemeint! Ich fange an zu schwitzen und versuche, die Position so lange zu halten, wie es mir irgendwie möglich ist. Letztendlich muss ich absetzen. Ich habe wohl keinen starken Nabel, denke ich. Oder verfalle ich in ein Leistungsdenken? Genau das sei ja schädlich beim Yoga, erinnere ich mich an die Worte von Weseloh. So nehme ich mir vor, es in den nächsten Übungen ruhiger angehen zu lassen. Und siehe da: Mit einigen Pausen schaffe ich es in den nächsten Übungen, mich etwas mehr auf meine eigene Körperposition und die richtige Ausführung der Positionen zu konzentrieren.

„Jetzt legen wir uns auf den Rücken und entspannen. Wer möchte, kann sich jetzt seine Decke schnappen.“ Endlich! Der Lohn nach dieser anstrengenden Session: die achtminütige Ruhepause. Ich schnappe mir meine Decke, an die ich während der Übungen so oft gedacht habe und lege mich auf meine Matte. Die Musik wird ausgestellt, das Licht des Kursraumes gedimmt. Ich schließe die Augen und spüre meine Schultern, meinen Bauch, meine Muskeln. Es wird schnell sehr warm, aber nicht unangenehm heiß. Im Vorhinein erzählte mir Weseloh, dass es beim Yoga in allgemeinen viel darum geht, vom Alltag loszulassen. Und es funktioniert: Ich schalte ab und denke an gar nichts mehr.

Das gibt einen ordentlichen Muskelkater

„So und jetzt kommt erst einmal wieder in diesem Raum an.“ Was? Jetzt schon? Das waren acht Minuten? Niemals! Ich versuche, mich aufzurichten, und merke, wie mein Bauch seinen Dienst quittiert. Oje, das wird einen ordentlichen Muskelkater geben, denke ich. Beim Yoga geht es darum, den Körper zu spüren. Ab diesem Moment weiß ich, dass ich meinen Körper auch die nächsten Tage spüren werde.

Zum Schluss geht es für uns Teilnehmer in eine kurze Meditation. Wie zu Anfang setzen wir uns wieder in den Schneidersitz. „Und bitte aufrecht, sodass die Wirbelsäule gerade ist.“ Okay, nur, Moment Mal: Wieso zittern meine Beine so? Ein andauerndes, durchdringendes Zucken durchströmt meine Oberschenkel. Ist das normal? Ich öffne kurz meine Augen und schiele zur Seite. Ob es den anderen genau so geht? Sieht nicht so aus. An meine innere Ruhe kann ich so auf jeden Fall nicht denken. Meditation sei aber auch eine Sache der Übung, wird Antje Weseloh später zu mir sagen.

Und dann ist das Yoga-Set vorbei. Wir Teilnehmer klatschen für unsere Kursleiterin und machen uns langsam daran aufzubrechen. Während wir unsere Matten einrollen und Kissen samt Decke einpacken, horche ich in meinen Körper. Wie geht es mir? Obwohl mir fast jede Bewegung schwerer fällt, als vor eineinhalb Stunden, muss ich gestehen: Ja, ich fühle mich anders. Mein Rücken fühlt sich aufgelockert an und auch meine Arme und Beine sind entspannt.

Fast beiläufig erklärt Weseloh am Ende des Kurses, dass das „Nabel-Set“ eigentlich schon etwas für Fortgeschrittene sei. „Aber ich dachte, wir können das heute einmal gut machen.“ Ein paar Teilnehmer lachen erleichtert auf. Es ging ihnen anscheinend doch so wie mir.

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