Seckenhausen: Strom von Solarzellen auf Kirchendach / Festakt mit Klaus Töpfer

Lob für Pionierarbeit

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Der ehemalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer war am Freitag zu Gast in Seckenhausen und lobte das Projekt.

Seckenhausen - Von Rainer Jysch. Seit dem Erntedankfest im Oktober 2005 liefern 400 Quadratmeter Sonnenmodule Strom vom Dach der Martin-Luther-Kirche in Seckenhausen. In den Folgejahren wurde die Kapazität auf fast 600 Quadratmeter erweitert. Am Freitag feierte die Kirchengemeinde den zehnten Jahrestag der Inbetriebnahme der Solarzellen. Dazu hatte sie zahlreiche Gäste eingeladen, darunter auch den früheren Bundesumweltminister Professor Dr. Klaus Töpfer.

Als Überraschungsgast stellte Kirchenvorstandsvorsitzender Lüder Lammers den ehemaligen Gemeindepastor Dirk Jutrczenka vor, der von 1994 bis 2008 in Seckenhausen tätig war. Er leitete die Andacht. Jutrczenka hatte in seiner Amtszeit bereits zwei Jahre vor der Inbetriebnahme der Sonnenmodule damit begonnen, die ohnehin notwendige Dachsanierung voranzutreiben sowie die Mitfinanzierung durch den Kirchenkreis Syke-Hoya und durch private Geldgeber auf die Beine zu stellen.

Großes Lob ernteten die damaligen „Pioniere“ von Gastredner Töpfer: „In einer Zeit, in der die Nutzung von erneuerbaren Energien noch belächelt und als Spinnerei abgetan wurde, haben Sie Mut bewiesen und mit dem Bau dieser Anlage eine sehr kluge Entscheidung getroffen“, zollte der ehemalige Umweltminister den „umtriebigen“ Initiatoren seinen Respekt.

Nach seinem Regierungsamt war Töpfer bis 2006 als Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen in Kenias Hauptstadt Nairobi tätig. In seinem Vortrag plädierte er dafür, auch in Entwicklungsländern in Technologie zu investieren, die Sonnenkraft in Energie umwandelt. Dies sei für den wirtschaftlichen Fortschritt solcher Regionen enorm wichtig. „Viele sagen, ich habe da keine Zukunft mehr, wo ich lebe. Ich sehe keine Perspektive für meine Kinder“, sprach er die Flüchtlingssituation an. „Aber niemand verlässt leichtfertig seine Heimat“, so Töpfer. „Anders denken, neu denken“ sei die Herausforderung, um allen eine Zukunft zu schaffen. Die stellvertretende Bürgermeisterin Gudrun Klomburg lobte in ihrem Grußwort ebenfalls den Pioniergeist. „Sie haben damit einen Beitrag zum Klima-schutz geleistet und so den christlichen Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung in die Tat umgesetzt“, sagte Klomburg. Sie hoffe, dass dieses größte Kirchen-Solardach Deutschlands und das gelungene Beispiel für gesellschaftliches Engagement weltweit viele Nachahmer findet. Für die Kirchengemeinde Seckenhausen könne man sagen: „Es hat sich gelohnt, es war die beste Entscheidung“, sagte die stellvertretende Gemeindevorsteherin.

Die Erlöse aus den Stromeinspeisungen verwendet die Kirchengemeinde für die Rückzahlung der Investitionskosten. Daneben unterstützte sie in den vergangenen zehn Jahren soziale Projekte. Auf einer Anzeigetafel neben der Kirche ist stets die aktuelle Watt-Leistung der Solarzellen zu sehen. Der Gesamtertrag seit Inbetriebnahme liegt bei mehr als 300000 Kilowattstunden. In der selben Zeit hat die Kirchengemeinde mehr als 200 Tonnen Kohlenstoffdioxid eingespart.

Eine Ausstellung zum Thema Fotovoltaik und Elektromobilität rundeten die Veranstaltung ab. Der Posaunenchor Brinkum-Seckenhausen sorgte zudem für die musikalische Begleitung.

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