Von der Arbeit im Hähnchenwagen

Eine hitzige Liebe

Kayaoglu Cumhur hat im April Verantwortung für den Hähnchenwagen in Seckenhausen übernommen. - Foto: Schmidt

Seckenhausen - An der Seckenhauser Kreuzung, an der die Bundesstraßen 51 und 322 aufeinandertreffen, rollen jeden Tag unzählige Fahrzeuge über den Asphalt. Die meisten halten maximal eine Ampelphase lang. Ein Kleinlaster verweilt hingegen seit fast zehn Jahren inmitten des Gewusels am selben Platz: ein Hähnchenwagen. Dort kommen nicht nur Pommes und gegrillte Gockel zusammen, sondern auch die verschiedensten Menschen.

Manche tragen Schlips und Krawatte, andere kommen im Blaumann. Kayaoglu Cumhur begrüßt sie im schlichten schwarzen Hemd und serviert ihnen Essen. Der 34-jährige Bremer hat erst im April die Verantwortung für den Verkaufswagen von seinem Onkel übernommen. Damit hat er die richtige Entscheidung getroffen – dessen ist er sich schon jetzt sicher.

Vorher hat er rund zehn Jahre lang in der Verpackungsindustrie gearbeitet. In manchen Monaten habe es genügend Arbeit für ihn gegeben, in anderen nicht. „Das hat mich sehr gestresst“, erinnert er sich. Sein jetziger Job gefällt ihm ausgezeichnet. Er bezeichnet ihn sogar als eine „Liebe“ – und in diese Liebe investiert er viel Zeit.

Hähnchen verkauft er von Montag bis Samstag. Doch das bedeutet nicht, dass er am Sonntag nichts zu tun hat. Vor zwei Tagen hat er zum Beispiel seinen Wagen penibel gereinigt.

Das Arbeitskaufkommen bewältigt Cumhur nicht alleine. Seine Mitarbeiterin Gül Güney, ebenfalls 34 Jahre alt und seit April mit im Geschäft, hilft ihm. Sie ist gelernte Friseurmeisterin – probiert in ihrem Leben aber gerne mal etwas Neues aus.

„... Sonst fällt aus Versehen ein Bein ab“

Der Tag für das Duo beginnt um 10 Uhr, eine Stunde vor Verkaufsstart. Vorbereitung muss sein – und letztlich braucht ein Gockel die 60 Minuten, um zu garen. Güney betont, dass zu einem knusprigen Hähnchen mehr gehört, als viele vielleicht vermuten. Erst brauche man „volle Pulle“ Hitze, später müsse man den Grill herunterschalten, damit das Fleisch nicht austrocknet. „Nicht nur auf den Spieß drauf und fertig“, fasst sie zusammen und lacht. Auch beim Zerlegen sei Vorsicht geboten. „Sonst fällt aus Versehen ein Bein ab.“

Der Wagen Cumhur ist nur einer von mehreren Hähnchenbuden entlang der hiesigen Bundesstraßen. Mal verkauft das Duo 15 Hähnchen, mal mehr als 25. Cumhur und seine Mitarbeiterin beziehen die Tiere von einem Handelspartner in Achim.

Auch wenn der rege Verkehr an der Kreuzung es anderes vermuten lässt: die Laufkundschaft hält sich in Grenzen. Die meisten Käufer sind Stammkunden. „Man kommuniziert viel mit ihnen, viele sind gesprächig. Viele sind auch älter“, erzählt Güney. Gesprächsstoff bietet nicht zuletzt der Standort: Mal können die Verkäufer und ihre Kunden Hochzeiten in der gegenüberliegenden Gaststätte beobachten, mal erleben sie Unfälle auf der Kreuzung mit. - ks

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