Seckenhauser Projekt mit 14 Haltestellen ist angelaufen

Schulexpress soll den Autoverkehr reduzieren

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Gemeinsam werben Eltern, Schüler, Sponsoren, Lehrer sowie Vertreter von Polizei und Verwaltung für das Verkehrsprojekt „Seckenhauser Schulexpress“. 

seckenhausen - Von Andreas Hapke. Ein Hauch Romantik schwingt mit, wenn sich Seckenhauser Kinder künftig an der „Laterne am Blumenstand“ oder an der „Laterne vor Haus 26b“ treffen. Allerdings geht es ausschließlich darum, dass sie sicher – und ohne von den Eltern gebracht zu werden – in die Grundschule kommen. „Seckenhauser Schulexpress“ nennt sich das Projekt, für das Leiterin Andrea Rahn gestern in der Schulaula den Startschuss gab.

Ab sofort sollen sich die Mädchen und Jungen an einer „Haltestelle“ in der Nähe ihrer Wohnung treffen, um gemeinsam zur Schule zu gehen. 14 solcher Stationen haben das Kollegium und engagierte Eltern insgesamt eingerichtet. „Wir haben ein Rieseneinzugsgebiet“, stellte Andrea Rahn fest. Für die erste Woche ist die Gruppeneinteilung vorgegeben. „Wenn sich herauskristallisiert, dass einige Schüler lieber mit anderen unterwegs sein wollen, ist das auch okay“, sagte Andrea Rahn. Hauptsache, das Verkehrsprojekt läuft, damit es nicht mehr zu gefährlichen Situationen beim elterlichen Bring- und Abholdienst kommt, insbesondere morgens in der dunklen Jahreszeit. Teilweise würden Mütter und Väter ihre Kinder „kreuz und quer“ an der Schule aussteigen lassen. „Dafür ist unser Parkplatz überhaupt nicht ausgelegt.“

Nachdem Ansprachen und Projektwochen nicht gefruchtet hatten, kam mit Julia Riesenkönig ein Elternteil auf die Idee mit dem Schulexpress. Sie stellte den Kontakt zu Verena Nölle her, die 2004 als eine von drei Müttern das erste Projekt dieser Art im Bremer Ortsteil Borgfeld verwirklicht hatte. „Inzwischen bin ich der Schulexpress“, sagt Verena Nölle und lacht. In anderen Landkreis-Kommunen wie Leeste und Kirchweyhe hat sie ebenfalls mitgeholfen, das Konzept umzusetzen.

„Ihr werdet schneller zu großen und selbstständigen Schülern“

Bürgermeister Niels Thomsen, der persönlich nicht an der Auftaktveranstaltung teilnehmen konnte, ließ ausrichten, dass er das Projekt „toll“ finde. Der Schulexpress werde schnell Fahrt aufnehmen. „Das stimmt. Ihr werdet schneller zu großen und selbstständigen Schülern“, sagte Andrea Rahn und nannte weitere Vorteile: „Für eure Eltern ist es viel entspannter, wenn sie das Auto stehen lassen können. Und wenn ihr mit euren Freunden geht, kommt ihr schon fröhlich in die Schule und seit fit fürs Lernen.“ Außerdem leiste die Schule auf diese Weise einen Beitrag zum Umweltschutz. Damit der Schulexpress sofort richtig ins Rollen kommt, hat das Kollegium gleich eine autofreie Woche ausgerufen.

Die Kinder haben das Konzept schon verinnerlicht, wie in einem der drei Lieder des Schulchors zum Ausdruck kam: „Autofrei, wir sind dabei“ und „Papas Auto bleibt im Schuppen, denn die Kinder kommen in Gruppen“, schallte es durch die Aula. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel: Eltern, deren Sprösslinge einen weiten Schulweg haben, bringen diese mit dem Auto zu einer Haltestelle in der Nähe ihrer Wohnung. So können die Kinder von dort aus den Schulexpress nehmen.

Die Gemeinde als Schulträger unterstütze dieses Projekt ausdrücklich, sagte Hartmut Martens, Fachbereichsleiter Bürgerservice, Verkehr und Feuerwehr. Nicht nur, indem sie den Schulexpress legitimiere. Der Baubetriebshof habe beim Aufstellen der Haltestellenschilder geholfen. Dass sich Eltern engagierten, sei das Beste, was passieren könne.

Aus Gründen der Verkehrssicherheit hatte sich die Polizei vor Ort die Haltestellen angesehen. Zu beanstanden hatten die Beamten jedoch wenig, wie Thomas Gissing von der Polizeiinspektion Diepholz berichtete. „Man kann immer noch nachbessern“, sagte Gissing.

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