Ehrung in Bremen

Morena Preuß ist Preisträgerin des Wettbewerbs „Azubi des Nordens“

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Morena Preuß an ihrem Arbeitsplatz bei der Firma Hellmut Springer an der Carl-Zeiss-Straße, einem von insgesamt neun Standorten des Unternehmens. Mit auf dem Bild: Oliver Glatz, stellvertretender Verkaufshausleiter.

Brinkum - Von Andreas Hapke. Frauen und Ahnung von Autos – für manch einen Mann passt das immer noch nicht so recht zusammen. Morena Preuß hat gelernt, damit umzugehen. Überhaupt hat sie einiges gelernt während ihrer dreijährigen Ausbildung zur Kauffrau im Groß- und Außenhandel bei der Firma Hellmut Springer, die unter anderem Kfz-Ersatzteile vertreibt. Für ihre Leistungen ist die 23-jährige Stuhrerin  während einer Gala in Bremen als regionale Preisträgerin des Wettbewerbs „Azubi des Nordens“ ausgezeichnet worden. Sie gewann in der Kategorie Großhandel.

Morena Preuß hatte ihre Abschlussprüfung mit 94 Prozent der möglichen Punktzahl abgeschlossen. „Nur in Rechnungswesen, eigentlich mein Lieblingsfach, war ich in der Prüfung leicht nervös“, berichtet sie. Alles andere – Wirtschaft- und Sozialkunde, Großhandelsgeschäft und die mündliche Prüfung – sei „sehr gut“ gelaufen. Klar, dass die Firma Springer sie übernahm. Schon am Tag nach der Prüfung, am 17. Juni, trat sie ihre Stelle an.

Preuß: Vertrauen der Männer zu gewinnen war anfangs schwierig

Für den Wettbewerb des AGA Unternehmensverbands hatte sich Morena Preuß mit einem Fotobuch beworben. Der Verband ehrte zum 18. Mal die besten Auszubildenden aus dem Groß- und dem Außenhandel sowie aus dem Dienstleistungsbereich, und zwar aus allen fünf Küstenländern. „Ich habe von Anfang bis Ende meine Ausbildung dokumentiert“, sagt Morena Preuß. „Wie habe ich mich gefühlt? Was war schwierig?“ – unter anderem auf solche Fragen sei sie in dem Büchlein eingegangen. In Kombination mit der Prüfungsnote hat die kreative Bewerbung die Jury überzeugt. Laut Verband hat sich Morena Preuß gegen rund 100 Kandidaten durchgesetzt.

In ihrem beruflichen Alltag führt die Stuhrerin viele Kundengespräche: „Ich nehme Anfragen zu Ersatzteilen entgegen und schicke diese entweder auf die nächste Tour oder bestelle sie.“ Im Verkauf sei es anfangs schwierig gewesen, das Vertrauen der Männer zu gewinnen. Doch nicht nur was das angeht, traut sie sich jetzt viel mehr zu. „Ich bin generell offener Menschen gegenüber, gehe auf sie zu“, erzählt sie. Aus dem „früher sehr schüchternen“ Mädchen (Preuß über Preuß) ist eine selbstbewusste Dame geworden.

Eigentlich hatte die Kauffrau eine andere Vorstellung von ihrer beruflichen Karriere. Nach der Realschule begann sie eine Lehre zur Damenmaßschneiderin, „weil ich meine Leidenschaft zum Beruf machen wollte“. Die damals 16-Jährige ergatterte einen von drei Ausbildungsplätzen in Bremen, kam aber nach und nach zu dem Schluss: „Maßschneiderei kann sich niemand mehr leisten, und in einer Änderungsschneiderei möchte ich nicht landen. Ich möchte etwas mit Zukunftschancen lernen.“ Also musste eine zweite Lehre her. Der Groß- und Außenhandel mit seinen Facetten wie Lager, Verkauf, Einkauf und Buchhaltung sprach sie an. Es war ein Tipp ihrer Freundin. „Auto fahre ich außerdem auch. Da dachte ich, es könnte nicht schlecht sein, mehr darüber zu wissen.“

Von einer Frauen- in eine Männerdomäne

So kam es, dass sie von einer typischen Frauen- in eine typische Männerdomäne wechselte. Bereut hat sie das nicht. Im Gegenteil: „Es ist schön hier. Jede Abteilung hat ihr eigenes Büro, Springer ist eine große und bekannte Firma (neun Standorte mit insgesamt 270 Mitarbeitern, die Red.), und die Kollegen haben stets hinter mir gestanden. Ich kann sie auch jetzt immer wieder fragen.“ Ihr Ausbilder Bernd Krüger gibt das Lob zurück: „Sie hat sich in einer leicht männerdominierten Branche sehr gut etabliert und steht in herausfordernden Situationen immer ihren ,Mann’.“

An ihrem Beruf liebt Morena Preuß besonders den Kontakt zu den Kunden und die Abwechslung, die sie dadurch hat. „Ich freue mich auf jeden Arbeitstag. Jedes Kundengespräch ist anders. Außerdem gibt es immer wieder mal Produkte, die ich noch nicht kenne. Autos verändern sich auch. Ich lerne ständig dazu.“

Ganz so unbedarft sei sie aber auch vor Beginn ihrer Ausbildung nicht gewesen, erzählt Morena Preuß. „Mein Vater hat mir nach meinem Führerschein sofort gesagt, dass ich Reifen entweder selbst wechseln oder die Werkstatt selbst bezahlen muss“, sagt sie und lacht.

Auch wenn sie die Ausbildung für eine Anstellung in Unternehmen vieler Branchen qualifiziert, strebt sie sie eine langfristige Beschäftigung bei Springer an. Im kommenden Jahr möchte sie ein Teilzeitstudium zur Wirtschaftsfachwirtin beginnen. Die Bewerbung für eine Begabtenförderung durch die Kammer fertige sie gerade an. „Das baut auf meine Ausbildung auf“, erklärt Morena Preuß und fügt hinzu: „Mal sehen, ob ich noch beruflich aufsteigen kann.“

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