Vernissage am 11. November

Die Schönheit des Rostes: Fotografien von Ulrich Breitsprecher im Rathaus Stuhr

Künstler Ulrich Breitsprecher mit Fotografie von einem verrosteten Schiff.
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Auch das verrostete Schiff in Dublin ist Bestandteil der Ausstellung von Ulrich Breitsprecher.

40 Fotografien zum Thema Rost, davon 30 großformatige Werke, stellt Ulrich Breitsprecher ab Donnerstag, 11. November, im Rathaus aus. Seine Motive hat der ehemalige Kunstlehrer der KGS Brinkum in der ganzen Welt gefunden, etwa in Namibia und Sibirien. „Es gibt ja überall Rost“, sagt er. 

Stuhr – Als Ulrich Breitsprecher bei der Gemeinde wegen eines Termins für seine Ausstellung anklopfte, war von Corona und seinen Auswirkungen auf die Veranstaltungsbranche noch gar nicht die Rede. Rund eineinhalb Jahre ist das her. Wegen vieler geplanter Events sei ihm schon damals der Herbst 2021 als Termin angeboten worden. „Was das angeht, hat sich für mich nichts geändert“, sagt Breitsprecher.

„Nahtlos“ gehe die Ausstellung mit Bildern von Gerlinde Koschade am Donnerstag, 11. November, in die Präsentation mit Fotografien von Ulrich Breitsprecher über, stellt Andrea Mehlhop vom Team Stuhr Kultur fest.

Seine Werkschau hat der 66-Jährige mit „ . . . der rostet“ überschrieben. Veränderung und Zugriff der Zeit auf Dinge hätten ihn schon immer interessiert, erzählt Breitsprecher. „Das ist bei Rost wunderschön zu beobachten. Es kommen auch kräftige Farben zustande.“ Diese Farbigkeit möchte Breitsprecher einfangen.

Keine Aufnahmen mit dem Smartphone

Er sei immer auf der Suche nach Motiven, die diesem Hintergrund genügten. Dafür ziehe er bewusst mit der Kamera los. „Wenn ich fotografiere, dann fotografiere ich. Ich mache keine Aufnahmen mit dem Smartphone.“

Sein Blick auf das Motiv kann eingeengt sein. „Um was es sich handelt, ist dann nicht sofort zu erkennen“, sagt Breitsprecher über seine Detailaufnahmen. Eine Serie beschäftige sich mit kreisförmigen Motiven: das Bullauge, die Klingel. „Durch die fotografische Herauslösung ergibt sich eine neue Ästhetik. Ich kann mich in der Schönheit der Dinge verlieren.“

Dann wiederum befasste er sich mit der Frage, wie sich Dinge in der Landschaft präsentieren. Er nennt ein verrostetes Schiff in Dublin als Beispiel. Der Künstler findet auch Gefallen an verlassenen Orten, an sogenannten „lost places“, wie die alte Luftmunitionsanstalt in Dünsen bei Harpstedt. „Oder die Situation zwischen Abriss und Neubau. So etwas gibt es auch in Stuhr.“

Motive aus der ganzen Welt

Seine Motive hat Breitsprecher in der ganzen Welt entdeckt, etwa in Namibia und Sibirien. „Es gibt ja überall Rost“, sagt er und fügt hinzu: „Sehenswürdigkeiten bilden die Fotos nicht ab. Es ist nichts Landschaftliches oder Touristisches zu sehen.“ Eines zeige ein Autowrack nach einem Brand in der namibischen Wüste.

Die Ausstellung umfasst Fotografien von 1977 bis heute. Digitale Aufnahmen, rund 30 an der Zahl, sind großformatig auf Aluminium gebannt. Die zehn analogen Fotografien, darunter eine Bahnschiene auf den Färöer Inseln, habe er nicht „hochziehen“ wollen. Für sie hat er ein kleineres Format gewählt, hinter Glas und teilweise auf Metall. „Da rostet der Rahmen auch.“ Bildbearbeitung mit Photoshop lehnt Breitsprecher ab.

Dem ehemaligen Kunstlehrer kommt die Ausstellung im Rathaus wie ein Heimspiel vor. Mehrfach hatten seine Schüler von der KGS Brinkum ihre Werke dort gezeigt. „Ich habe das Rathaus als offenes Haus kennengelernt“, sagt er. Und auch für ihn als Fotograf bedeutet „ . . . der rostet“ keine Premiere. Breitsprecher stellte bereits Aufnahmen von einer Arktisreise mit dem Forschungsschiff Polarstern aus. „Wir haben als Expo-Schule mit mehreren außerschulischen Partnern zusammengearbeitet, so auch mit dem Alfred-Wegener-Institut“, erklärt Breitsprecher. Dies habe ihm zwei Ausflüge mit der Polarstern beschert.

Fotos des Vaters für die Nachwelt digitalisiert

Seine ersten Fotos hat Breitsprecher mit 18, 19 Jahren gemacht. Schon sein Vater habe das Fotografieren als Hobby für sich entdeckt, doch das sei nicht der Grund gewesen, erzählt er. Eher im Gegenteil: „Als Sohn habe ich gegen alles eine Abwehrhaltung entwickelt, für das sich meine Eltern interessiert haben.“ Das Fotografieren habe erst „mit der Loslösung von zuhause begonnen“.

Erst vor eineinhalb Jahren, als es nach dem Tod seiner Mutter um die Wohnungsauflösung ging, seien ihm die Bilder seines Vaters in die Hände gefallen. Dieser habe schon in den 1920er-Jahren Stillleben abgelichtet und ungewöhnliche Perspektiven gewählt. Aufnahmen vom Russland-Feldzug im Zweiten Weltkrieg – laut Breitsprecher „wohl heimlich gemacht“ – seien ebenfalls dabei gewesen. Er habe die Negative mithilfe eines Diascanners digitalisiert, um sie für die Nachwelt zu erhalten.

„Ich sehe meinen Vater nicht als kleines Licht. Ich war sehr überrascht von seinen Ergebnissen“, sagt der Künstler. „Leider konnte ich ihm das nicht mehr sagen.“

Information

Für die Vernissage am Donnerstag, 11. Dezember, 18 Uhr, im oberen Foyer des Rathauses gilt die 2G-Regel: Die Teilnahme ist nur mit einem Nachweis der vollständigen Corona-Schutzimpfung oder der Genesung möglich. Kinder und Jugendliche bis einschließlich 18 Jahren sind davon ausgenommen. Die Ausnahme gilt auch für Personen, die sich nicht impfen lassen dürfen – sie benötigen einen PoC-Antigen-Test (Schnelltest mit Bescheinigung) und ein ärztliches Attest. Die Maskenpflicht gilt nur bis zur Einlasskontrolle. Nach der Vernissage ist die Werkschau noch bis 10. Dezember zu den Öffnungszeiten des Rathauses zu sehen.

Von Andreas Hapke

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