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Schöne Fahrradsaison? Händler aus Stuhr berichten über Probleme

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Roger Fratzscher steht mit Scootern vor seinem Geschäft.
Roller statt Fahrrad: Inhaber Roger Fratzscher will umsatteln. © Gregor Hühne

Fahrradhändler aus Stuhr berichten über Lieferschwierigkeiten von Rädern und Ersatzteilen. Einer von ihnen, Roger Fratzscher, hat nach eigener Auskunft „innerlich schon mit Fahrrädern abgeschlossen“.

Stuhr – Keine Ersatzteile bis Ende 2023 für Zweiräder und Fahrräder nur für Abnehmer größerer Mengen. Wie entwickeln sich die Preise bei Fahrrädern, und geht der Trend hin zu Elektro-Rollern? Kurz vor der Fahrradsaison sprechen Stuhrer Fahrradhändlern über ihre Herausforderungen und Erfahrungen.

Die Rollerstube-Farradstube in Stuhr soll schon bald mit verändertem Logo nur noch Rollerstube heißen, sagt der Inhaber Roger Fratzscher. Der Grund? Weder könne der Laden neue Fahrräder von Händlern erwerben noch die Ersatzteile für Reparaturen kaufen. Hersteller wie Kettler verlangten eine Mindestabnahme und verkauften hauptsächlich an größere Abnehmer. Nicht nur der Fahrrad-, sondern auch der Ersatzteile-Markt wird laut Fratscher durch Großhändler aufgekauft.

Bei Shimano, einem der größten Hersteller für Fahrradkomponenten und -zubehör, seien Standardersatzteile bis Ende 2023 nicht lieferbar, erklärt Fratzscher. Eine Entspannung der Lage sieht er derzeit noch nicht: „Ich habe innerlich schon mit Fahrrädern abgeschlossen“, sagt der Fahrradladeninhaber.

Im Jahr 2021 nur zwei Fahrräder verkauft

Im vergangenen Jahr habe er lediglich zwei Fahrräder verkaufen können. Wenn Läden wie seiner nicht mehr existieren sollten, werde es Probleme mit Reparaturen geben. Dann könnten schon bald zwei Monate Wartezeit für eine Wartung des eigenen Fahrrades fällig werden, prognostiziert Fratzscher. Urgesteine des Fahrradgeschäfts wie Olaf Bösche von Zweirad Bösche in Weyhe hätten sich bereits gänzlich aus dem Geschäft zurückgezogen.

Fratzscher berichtet auch, wie ein Anstieg von Versandkosten die Preise für Fahrräder während der Corona-Pandemie in die Höhe getrieben habe. Containerpreise seien zudem in den letzten zwei Jahren auf das Zehnfache gestiegen. Während der Preis für einen Container früher zwischen 1 000 und 2 000 Euro üblich war, kostet dieser nun zwischen 10 000 und 15 000 Euro, weiß Fratzscher.

Fahrradhersteller hätten es in der Hand, ihre Ware fair zu verteilen und an verschiedene Abnehmer zu verkaufen. Das würden sie aber bis dato nicht tun, sagt Fratzscher. Er berichtet, dass manchmal die Sympathie zwischen Außendienstlern und Händlern eine Rolle spiele.

Positive Erfahrungen sammelte Fratzscher hingegen mit E-Scooter-Herstellern und ihren Außendienstlern. Er sagt, dass diese sich über seine Dienstleistungen im Hinblick auf Reparaturarbeiten an E-Scootern freuen und seinem Laden viel Wertschätzung entgegenbringen würden.

Verkauf von E-Scootern gestartet

Der Startschuss für den Verkauf von E-Scootern fiel in Fratzschers Rollerstube-Fahrradstube in diesem Jahr. Er arbeite mit einer Handvoll E-Scooter-Herstellern zusammen. Bislang konnte er 15 der elektrischen Flitzer verkaufen, die mitunter eine Reichweite von bis zu 78 Kilometern haben. Die Sommersaison steht noch vor der Tür. Schon jetzt ist Fratzscher mit der Bilanz mehr als zufrieden. Durch Senioren und „Fahrradmuffel, die keine Lust zu treten haben“, sieht Fratzscher einen E-Scooter-Markt, der schneller wachse als der Fahrrad-Markt.

Der Verkaufsleiter von B.O.C. im Ochtum-Park in Brinkum berichtet ähnlich wie Fratscher von einer Verknappung von Ersatzteilen seit nunmehr fast zwei Jahren. Die Nachfrage nach Fahrrädern und Ersatzteilen übersteige das Angebot, begründet er den scheinbaren Mangel. Im Gegensatz zur Rollerstube-Fahrradstube machte B.O.C. weniger gute Erfahrungen mit E-Scootern. Diese seien nur kurzzeitig ins Angebot aufgenommen worden. Elektro-Fahrräder hingegen gibt es weiterhin zu kaufen.

Bei der Zweirad-Lounge Garmhausen in Stuhr weiß man ebenfalls um das Problem der nicht verfügbaren Ersatzteile. Inhaber Frank Garmhausen wurde darüber in Kenntnis gesetzt, dass die Lieferanten jetzt schon mit Bestellungen für das Jahr 2024 planen. Die Ersatzteile dürften nach seiner Prognose demnächst rar werden.

Auch für neuwertige Fahrräder sieht es seiner Meinung nach düster aus: Es gebe weltweit immer weniger Stahl. Die Liefer-, Transport- und Energiekosten stiegen und damit auch die Preise für Fahrräder.

Garmhausen nimmt es dennoch gelassen: Ändern könne er die Versorgungslage nicht, und andere Branchen wie die Kraftfahrzeugindustrie seien von ähnlichen Problemen betroffen.

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