Weinende Fünftklässler

Räder weg: Präventive Aktion der Polizei löst Diskussionen aus

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Diese Räder sind abgeschlossen – das ist laut der Polizei aber nicht selbstverständlich.

Brinkum - Von Katharina Schmidt. Ein Fahrrad, das nicht abgeschlossen ist, kann ohne Weiteres mitgenommen werden. Das haben Schüler der KGS Brinkum am Dienstag auf die harte Tour erfahren. Als sie nach dem Unterricht die Fahrradständer ansteuerten, waren bei einigen die Gefährte weg. Am Werk waren nicht Diebe, sondern die Polizei.

Laut Polizeisprecherin Sandra Franke handelt es sich um eine Präventionsaktion an mehreren Schulen in Stuhr und Weyhe. Ihre Kollegen hätten in Absprache mit den Schulen gezielt nach nicht abgeschlossenen Fahrrädern geschaut, diese gesammelt und anschließend zum Kommissariat nach Leeste gebracht. „Aus Eigentumssicherungsgründen“, erklärt sie. Dort konnten Eltern die Räder zusammen mit ihren Kindern abholen.

Polizei wartete zur Erklärung des Sachverhalts vor Ort

Die Polizei habe bei dem Fahrradstellplatz an der KGS auf die Schüler gewartet, um ihnen die Situation zu erklären und Fragen zu beantworten, betont Franke. Auf nicht ausreichend gesicherte Räder klebte die Polizei warnende Sticker.

Die Aktion hat Diskussionen entfacht. Kaum ein Schüler hat den Besuch der Polizisten nicht mitbekommen – das zeigt eine Umfrage auf dem Schulhof. Die Siebtklässlerin Anna steht dem Vorfall kritisch gegenüber. „Wenn man zum Beispiel in Moordeich wohnt und kein Handy dabei hat – was soll man dann machen?“, fragt sie. Fünftklässler haben ihr zufolge geweint, weil sie nicht wussten, wie sie nach Hause kommen sollten. „Die Polizei hat die Lage erklärt, viele haben das aber nicht mitbekommen.“

„Das macht die Polizei für die Schüler, nicht gegen sie“

„Die Jüngeren haben angefangen zu weinen“, bestätigt Cem aus dem gleichen Jahrgang. „Das ist keine gute Art der Prävention“, findet er. Die Polizei solle besser auf herkömmliche Weise das Gespräch mit Schülern suchen.

Jasper, ebenfalls Siebtklässler, ist anderer Meinung. „Ich finde es richtig“, sagt er. „Das macht die Polizei für die Schüler, nicht gegen sie.“ Sein Klassenkamerad Justus stimmte dem zu: „Besser die Polizei nimmt das Fahrrad mit, als wenn es Diebe tun.“

Eine der Schülerinnen, deren Fahrrad von der Polizei mitgenommen wurde, ist Laura. Sie habe vergessen, es abzuschließen, erklärt sie. „Es war schon blöd“, meint sie. Sie habe ihre Mutter angerufen. In Lauras Fall ging alles gut – aber Eltern können auch mal keine Zeit haben. Dieses Argument teilten viele auf dem Schulhof. Ebenso waren sich die meisten Jugendlichen einig, dass die Polizei solche Aktionen künftig lieber ankündigen oder die Fahrräder an Ort und Stelle zurückgeben sollte.

Ziel ist eine Sensibilisierung

Polizeisprecherin Sandra Franke bestätigt, dass manche Schüler verunsichert und eingeschüchtert gewesen seien. „Natürlich ist uns bewusst, dass Eltern und Schüler verärgert und erst hilflos sind und die Sinnhaftigkeit dieser Aktion bezweifeln“, sagt sie. Die Polizei würde eine hohe Anzahl an Fahrraddiebstählen registrieren – und durch die entsprechenden Verfahren massiv belastet. „Viele Fahrräder werden gar nicht abgeschlossen“, berichtet sie.

Ziel sei es, die Leute zu sensibilisieren. Es bringe nur bedingt etwas, die Schüler nur anzusprechen. Manche würden es zuhause verschweigen. Viele Eltern reagieren Franke zufolge verständnisvoll, wenn sie das Rad ihrer Kinder beim Kommissariat abholen. Sie hätte schon Sätze gehört wie: „Jetzt kann ich mir vorstellen, warum wir drei Fahrräder neu kaufen mussten.“ Andere Eltern ärgerten sich laut Schülerauskünften hingegen sehr.

„Es werden ganz viele Räder gestohlen“, erklärt Schulleiter Michael Triebs zum Hintergrund der Aktion. Eltern würden sich über die Verluste beschweren – die Fahrradständer per Video zu überwachsen sei aber aufgrund von Persönlichkeitsrechten nicht erlaubt. Wie viele Räder genau abtransportiert worden sind, kann die Polizei noch nicht sagen.

Lesen Sie dazu auch unser Pro & Kontra: Was darf die Polizei?

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