Nicht zum ersten Mal

Schlachtabfälle im Kiekutsee: Unbekannte entsorgen illegal Abfall

Detlef Roß ärgert sich über den Müll im Kiekutsee.
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Detlef Roß ärgert sich über den Müll im Kiekutsee.
  • Katharina Schmidt
    vonKatharina Schmidt
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Stuhr – Es ist ein Fund mit Ekelfaktor: Im Kiekutsee an der Grenze zu Harpstedt hat eine Anglerin des Fischereivereins Delmenhorst am Donnerstagmorgen mit Schlachtabfällen gefüllte Müllsäcke entdeckt.

Wer die Säcke ins Wasser geworfen hat, ist unklar. Der Verein geht davon aus, dass die Abfälle mehrere Tage lang im See lagen und schließlich durch Gase, die beim Verwesen entstehen, an die Wasseroberfläche gelangt sind. Der Gestank, der am Donnerstag von den Säcken ausging, spricht für diese Theorie.

Der mehr als zehn Meter tiefe See befindet sich in Privatbesitz. Er gehört seit etwa 20 Jahren dem Fischereiverein Delmenhorst. Dessen Mitglieder sind sauer. „Mir fehlen einfach die Worte“, kommentiert der Vorsitzende Detlef Roß den Vorfall. „Ich kann nicht verstehen, wie man seine nahe Umgebung so versauen kann. Das ist hier ein Naherholungsgebiet!“

Kiekutsee ist Einzugsgebiet für Trinkwasser

Und nicht nur das: Das Gewässer liegt laut dem Vorsitzenden in einem Trinkwassereinzugsgebiet. In der Nähe gebe es Brunnen der Stadtwerkegruppe Delmenhorst. Die Stadtwerkegruppe bestätigt das auf Anfrage. „Auswirkungen gibt es allerdings keine, weil es keine direkte Verbindung mit dem See gibt“, sagt Pressesprecherin Britta Fengler.

Auch Fischereiaufseher Stephan Schiller kann angesichts dieser Umweltverschmutzung nur den Kopf schütteln. Bis Donnerstagabend sind ihm zufolge acht Müllsäcke mit Schlachtabfällen aufgetaucht. „Und es liegen wahrscheinlich noch mehr auf dem Grund“, befürchtet er. „Das ist kein Kavaliersdelikt, das ist eine Straftat!“

Polizei fagt: Wer hat etwas gesehen?

Der Polizei bleibt in dem Fall laut Pressesprecher Thomas Gissing nicht viel mehr zu tun, als wegen des Verstoßes gegen das Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz eine Ordnungswidrigkeitenanzeige gegen Unbekannt in Gang zu bringen – und zu hoffen, dass vielleicht ein Zeuge etwas Auffälliges gesehen hat. Wer Hinweise geben kann, kann sich an das Kommissariat Weyhe wenden (Telefon: 0421 / 806 60). Die Polizei geht davon aus, dass der Täter mit Auto zum See gefahren ist.

Nicht zuletzt angesichts der hohen Temperaturen drängte am Donnerstag die Frage: Wohin mit den stinkenden Schlachtabfällen? Der Verein konnte sich mit dem Landkreis darauf einigen, dass die Behörde einen Behälter stellt, in dem die Vereinsmitglieder die Müllsäcke samt Inhalt schmeißen können. Der Kreis kümmert sich dann um die Entsorgung – allerdings auf Kosten des Fischereivereins. Diesem obliegt als Besitzer des Sees die Entsorgungspflicht. Die Angler finden es gut, dass der Landkreis ihnen entgegenkommt, fühlen sich aber insgesamt mit dem Problem etwas alleine gelassen.

Nicht der erste Vorfall im Kiekutsee

Es ist nicht das erste Mal, dass der Kiekutsee als Müllhalde missbraucht wird. Letztes Jahr hat laut dem Verein offenbar jemand sein Güllefass dort ausgewaschen. Und in der Nähe des Kiekutsees ist Stephan Schiller auch schon mal auf illegal entsorgte Schweinepfoten und Meeresfische gestoßen.

Dabei gibt sich der Verein laut seinem Vorsitzenden viel Mühe bei der Pflege der Natur in und um den See. „Als wir das Gewässer vor rund 20 Jahren gekauft haben, war hier kaum ein Baum“, sagt Roß. Ein flüchtiger Blick über den üppig begrünten Uferrand genügt, um festzustellen, dass sich das geändert hat. Aktuell zählt der Verein rund 1 000 Mitglieder.

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