„Der emotionale Verlust ist nicht mit Geld aufzuwiegen“

Unbekannte stehlen Schafe – Züchter Horst Klucken gibt nun sein Hobby auf

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Solche Bilder sind nur noch Geschichte: Horst Klucken gibt seine Zucht von Rauhwolligen Pommerschen Landschafen auf. 

Über mehrere Jahrzehnte hat Horst Klucken aus Brinkum Rauhwollige Pommersche Landschafe gezüchtet, die laut Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen als gefährdet gelten. Sein Hobby hat der 57-Jährige an diesem Wochenende aufgegeben, weil er nach eigener Auskunft emotional nicht mehr über die jüngsten Vorfälle hinwegkommt.

  • Horst Klucken aus Brinkum ist traurig demoralisiert
  • Erneut wurden dem Hobbyschäfer Tiere gestohlen
  • Der 57-Jährige gibt nach den jüngsten Vorfällen sein Hobby auf

Brinkum - In der Nacht zu Samstag hatten Unbekannte die drei Mutterschafe Knete, Krinke und Mara von der Weide an der Straße Am Röwekamp gestohlen. Die Polizei gibt den Wert mit rund 1. 000 Euro an und sucht unter der Telefonnummer 0421 / 80 66 0 Zeugen, die Hinweise zur Aufklärung der Tat geben können.

„Ich bin total traurig und demoralisiert“, sagt Horst Klucken. Die Tiere seien trächtig gewesen. Der Brinkumer berichtet zudem von besonderen Begleitumständen. Klucken entdeckte auf der Weide „sehr viel Blut“. Somit sei für ihn klar gewesen: Die Unbekannten hatten die Tiere tödlich verletzt. Die restlichen Schafe fand er am Samstag verängstigt vor.

Bereits Heiligabend wurden Schafe gestohlen

Das sei aber nicht der einzige Vorfall, sondern der letzte in einer Reihe gewesen. Bereits in der Nacht zu Heiligabend hatten Unbekannte seine beiden Zuchtböcke Manke und Sultan gestohlen. Auch diese Tiere sind nach Kluckens Schilderung mitgenommen worden. Damals hatte der Brinkumer ebenfalls sofort die Polizei eingeschaltet. „Die Böcke wurden bereits geschlachtet. Die Überreste wurden vor zwei Tagen in Brinkum gefunden. Auch das haben wir der Polizei gemeldet.“ Und Klucken fügt hinzu: In den vergangenen fünf Jahren seien ihm mehrere Zuchtböcke und Muttertiere gestohlen worden. Sie wurden zum Teil damals vor Ort getötet.

Horst Klucken hatte starke Bindung zu den Schafen

Weshalb die jüngsten Ereignisse Horst Klucken besonders nahegehen? Er habe starke Bindungen zu den Tieren aufgebaut, sagt er. Klucken war zum Beispiel nicht nur bei der Geburt von Manke dabei, sondern er hatte das Tier selbst aus dem Muttertier gezogen. Der Schäfer sah den Zuchtbock aufwachsen und verbrachte ebenfalls viel Zeit mit den anderen Tieren. Deshalb habe er Mankes Klaue auch sofort erkannt, als vor wenigen Tagen ein Foto aufgetaucht war.

Er habe zwar niemanden als Täter in Verdacht, doch er glaubt, dass die Selbstbedienungsmentalität zunehmen werde, so der Brinkumer. „Wenn wir nicht aufpassen, wird die ganze Weidentierhaltung enden“, sagt er noch unter dem Eindruck der getöteten Schafe.

Rauhwollige Pommersche sind für Horst Klucken „bildhübsche Tiere“. Foto: Klucken

Wie die Kreiszeitung vor knapp einem Jahr berichtete, hatte ein 60-jähriger Mann aus Syke zwar kein Schaf, aber einen Bullen des Westflügels im Herbst 2018 illegal geschlachtet. Diese und ähnliche Nachrichten und die eigenen Vorfälle führten offenbar dazu, dass bei Klucken der Entschluss reifte, sein Hobby an den Nagel zu hängen. Deshalb brachten Klucken und seine Familie am Wochenende die auf der Brinkumer Weide verbliebenen Muttertiere an einen wie der Schäfer sagt „weit entfernten Ort“, an dem sichergestellt sei, dass dort keine unbefugten Menschen hinkommen werden. „Der neue Besitzer hat vielleicht nur Probleme mit dem Wolf.“

Schweren Herzens musste Klucken sich auch von Daisy und Dolly, den zwölf Jahre alten Muttertieren, verabschieden, denen der Brinkumer „gerne das Gnadenbrot“ gegeben hätte.

Klucken seit Anfang der 1990er-Jahre Schäfer

Obgleich er eine Beziehung zu denTieren habe, habe er immer wieder Schafe zu einem regionalen Schlachter gebracht. Der habe das Fleisch fachgerecht abgehangen und es verarbeitet, betonte er. Das Fleisch war nur für den Eigenbedarf bestimmt und habe eine sehr hohe Qualität gehabt. Würste seien stets willkommene Präsente gewesen.

Seit Anfang der 1990er-Jahre war Klucken Schäfer. Er nahm an Meisterschaften teil, um das Zusammenspiel zwischen seinen Hütehunden und den Herdentieren zu zeigen. Für Klucken sind die Rauhwolligen Pommerschen Landschafe „bildhübsche Tiere“. Klucken mag die dunklen Köpfe und Klauen sehr.

Dabei wäre die Rasse fast ausgestorben: Gab es nach einem Kreiszeitungsbericht 1936 noch rund 70 .000 Tiere, wurden Anfang der 1980er-Jahre lediglich 1 .200 rauwollige Pommersche Landschaft gezählt. Die Universität Rostock hatte deshalb ein Zuchtprogramm aufgelegt, um die Population zu steigern.

Gestohlene Schafer: Viele Brinkumer nehmen Anteil

Der Brinkumer hatte sich damals für diese Rasse nicht nur wegen der Optik entschieden, sondern auch wegen der Robustheit der Tiere. Sie seien anspruchslos, benötigten lediglich Klauenpflege, einen Unterstand und Auslauf. Auch im Winter fühlen sie sich laut Klucken auf „schneebedeckter Wiese“ wohl. Der Außendienstmitarbeiter für Heimtierbedarf sah die Schafzucht als Ausgleich zu seiner Arbeit an.

Auch viele Brinkumer nahmen Anteil – das zeigte sich in den sozialen Medien. Kein Wunder: Klucken hatte in den vergangenen Jahren Interessierten immer wieder Fragen rund um die Schafzucht beantwortet. Wenn Spaziergänger mit ihren Kindern an seiner Weide vorbeikamen, reichte er schon mal Lämmer über den Zaun, damit die Kinder erleben, wie sich diese Lebewesen anfühlen.

Familie Klucken kündigt Ende via Facebook an

Mit einem Facebook-Post am Wochenende kündigte die Familie Klucken also die Aufgabe des Hobbys an. Einige Bürger wollten dem Schäfer und seiner Familie Geld zum Beispiel für Stacheldraht und Elektrozäune schenken. Sein Hobby habe er nicht wegen des Schadens aufgegeben. „Der emotionale Verlust ist nicht mit Geld aufzuwiegen“, so Klucken.

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