„Sailing Conductors“ präsentieren Ergebnisse ihrer viereinhalbjährigen Reise

In einem Segelboot um die Welt – für die Musik

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Die auf ihrer Reise aufgenommenen Lieder begleiten die Weltenbummler Benjamin Schaschek (r.) und Hannes Koch im Rathaus mit Cello und Gitarre.

Stuhr - Von Tobias Kortas. Eine südafrikanische Frau auf der Video-Leinwand, die mit exotischer Stimme singt. Dazu die beiden Weltenbummler Hannes Koch (27) und Benjamin Schaschek (29), die das Lied im Rathaus mit Gitarre und Cello begleiten. Den Auftakt ihrer Multimedia-Show gestalten die „Sailing Conductors“, die segelnden Dirigenten, lebhaft. Viereinhalb Jahre lang sind sie in einem Segelboot um die Welt gefahren.

Um die 70 Gäste wollen sich die irrwitzigen Berichte und die Musik der Hamburger nicht entgehen lassen. „Wir haben in 30 Ländern circa 250 Stücke aufgenommen“, erzählt Schaschek. Die Lieder haben die beiden Freunde zusammen mit lokalen Künstlern eingespielt. Die Idee der ehemaligen Tontechnik-Studenten war es, rund um die Welt regionale Klänge einzufangen, um einen einmaligen Tonträger zu kreieren. Die CD soll Ende des Monats fertig sein.

Musikalische Höhepunkte der Reise sind der „Thai-Blues“ sowie die Songs „Traveling Man“ und „Slow Boat to Africa“: Lieder, hinter denen viele Geschichten und Erlebnisse stecken. „Slow Boat to Africa“ etwa haben Koch und Schaschek in Trinidad & Tobago mit der lokalen Berühmtheit Natasha Joseph als Sängerin aufgenommen. Das Lied erzählt von dem Segel-Erlebnis eines Mannes, dem die beiden begegnet sind. „Das hat uns sehr an unser eigenes langsames Boot erinnert.“

Doch was bewegt zwei frische Hochschulabsolventen ohne jegliche Segelerfahrung dazu, sich in einer Jolle auf Weltreise zu begeben? Die Erklärung von Benjamin Schaschek hört sich schon fast grotesk an. „Ich hatte nach einem Studienaufenthalt von 18 Monaten in Sydney kein Geld mehr für den Rückflug. Da bin ich auf die Idee gekommen, einfach zurück nach Deutschland zu segeln.“ Koch, der zu diesem Zeitpunkt gerade seinen Studienabschluss in Berlin erworben hatte, stieß dazu. „Ich hatte Zukunftsängste und wusste nicht, was ich mit meinem Abschluss anfangen sollte“, begründet er.

Das günstigste Boot fanden die beiden jungen Männer schließlich auf den Salomon-Inseln. Den Flug von Sydney aus haben sie sich mit dem Verkauf von vier gesponserten Kopfhörern finanziert. Das Geld für das Segelboot kam „vom Erbe meines Opas“, sagt Schaschek.

Nach nicht mehr als einem Online-Segelkurs nahm die Reise im Boot „Marianne“ samt mobilem Tonstudio ihren Lauf. Probleme waren programmiert. „Auf der ersten Route von den Salomon-Inseln nach Papua-Neuguinea haben wir beide in drei Wochen sechs bis sieben Kilo abgenommen“, berichtet Schaschek.

Zwei Mal hätten sie fast eine Kollision mit einem Tanker gehabt. In Thailand plagte sie die Angst vor Piraten. Die Abwehrpläne waren kurios: „Wir wollten schnell durch die Kajüte laufen und uns immer wieder umziehen, damit es so aussieht, als wären wir ganz viele“, schildert Schaschek lachend. Die nächste Idee war es, mit Marmeladengläsern zu werfen. Am Ende blieb es bei harmlosen Begegnungen mit Fischerbooten. Drei Mal überfallen wurden die beiden jedoch in Rio de Janeiro. Doch es blieb beim Verlust einer geringen Summe Bargeld.

Am 30. Oktober vergangenen Jahres haben Koch und Schaschek schließlich ihre Reise im Hamburger Hafen beendet. Gleich im Anschluss folgte ein Auftritt bei der Messe Hanseboot. Nun bestreiten die beiden ihren Lebensunterhalt durch Shows wie jener im Rathaus. „Ihr habt das wahr gemacht, wovon viele träumen“, meint ein Zuschauer.

Auch ein Buch über ihre Reise, „Sailing Conductors – Zwei Leichtmatrosen auf der weltweiten Suche nach Musik“, haben die Hamburger bereits geschrieben.

Aufgeben kam für die beiden während ihres Segeltörns nie infrage: „Wir wollten es zu Ende bringen. Das waren wir den Musikern schuldig“, erzählt Schaschek. Es versteht sich fast von selbst, dass die beiden Weltenbummler am Ende des Abends viel Applaus ernteten und lange mit den Gästen im Gespräch waren.

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