„Wir sind für die Menschen da“ 

Sabine und Andreas Gautier sind in Brinkumer Pfarrheim gezogen 

Sabine und Andreas Gautier sind noch dabei, sich in ihrem neuen Zuhause einzurichten. - Foto: hu

Brinkum - Von Andreas Hapke. Noch ist nicht alles an seinem Platz im katholischen Pfarrheim in Brinkum. Hier eine Umzugskiste, die nicht ganz ausgeräumt ist, dort ein Bild, was seine Stelle an der Wand sucht. In Keller und Garten sind noch die Handwerker beschäftigt. Doch das Theologenehepaar Sabine und Andreas Gautier fühlt sich schon sichtlich wohl in seinen neuen vier Wänden. Erstmals seit 23 Jahren wohnen wieder Seelsorger in dem Haus an der Heilig-Geist-Straße 1.

Die beiden hatten sich von Lingen nach Brinkum versetzen lassen und dort bereits übergangsweise für einige Monate mit ihren Kindern Hannah (8) und Benedikt (14) sowie Rauhaardackel Hugo (2) in einer Wohnung an der Pestalozzistraße gelebt. Erst in der vergangenen Woche hat ein Umzugsunternehmen den kompletten Hausstand zum Pfarrheim geschafft.

Dort steht Andreas Gautier den Gemeindegliedern jetzt bei Problemen zur Verfügung. „Wir sind für die Menschen da. Das ist unsere Vision. Wenn es klingelt, machen wir auf“, sagt der 39-Jährige. Es gebe viele Leute, die sich zunächst an die Kirche wenden würden, wenn sie Hilfe benötigten. „Außerdem hat morgens um 7 Uhr noch keine andere Hilfsstelle geöffnet.“ Die Familie öffne dafür ein Stück weit ihre Privatsphäre, tue das aber gerne, wenn die Privatsphäre im Gegenzug auch respektiert werde. Heißt: Die Menschen sollten wissen, wann sie in welchen Angelegenheiten kommen; also nachts nicht mit Sorgen klingeln, die auch tagsüber besprochen werden können.

Dieser seelsorgerische Teil macht die Hälfte der Vollzeitstelle von Andreas Gautier aus. Die andere Hälfte verbringt er in Twistringen, wo er als Dekanatsreferent tätig ist. „Ich begleite Kollegen in ihrer Fortbildung“, sagt er. Sabine Gautier bekleidet ebenfalls eine volle Stelle und arbeitet zu jeweils 50 Prozent in der St.-Johann-Gemeinde und der City-Pastoral in Bremen.

Die beiden hatten sich während ihres Theologiestudiums in Frankfurt kennengelernt. Für Andreas Gautier war dies bereits der dritte Anlauf, die Lehre zum Bankkaufmann und die priesterliche Ausbildung hatte er zuvor abgebrochen. „Mit dem Priesterstudium wollte ich mein Hobby zum Beruf machen. Ich war schon immer in der kirchlichen Jugendarbeit organisiert“, erklärt er den Wechsel von Bank zu Theologie. Doch schon nach einem Jahr habe er gemerkt, dass das Leben des Priesters nichts für ihn sein würde: „Ich wollte Familie haben“, begründet er. „Das wusste ich schon vorher“, sagt seine Frau und lacht. Sabine Gautier wollte bis zu ihrer Firmung eigentlich Lehrerin werden. „Doch unser Kaplan hat bei mir viele Vorurteile abgebaut. Und er hat mir gezeigt, dass ich als Mensch wertvoll ist. Ich persönlich bin wichtig.“ Als Theologin könne sie sich sowohl um den Nachwuchs als auch um die Älteren kümmern, das gefalle ihr.

Nach dem Studium zog es die beiden ins Emsland, wo Sabine Gautier in der Frauenselsorge und ihr Ehemann an der katholischen Akademie tätig war. Sie hätten sich gut überlegt, nach zehn Jahren in Lingen die Zelte abzureißen, sagt Sabine Gautier – zumal dies auch für die Kinder eine Umstellung bedeutet habe. Neue Schule, neue Freunde. Doch ihr Stellenangebot habe sie einfach toll gefunden. „Ich hatte mal wieder Lust, in Großstadtnähe zu leben“, sagt sie. In der City-Pastoral könne sie neue Ideen wie Wohnzimmerkonzerte ausprobieren, in der Gemeinde habe sie den Kontakt zur Basis. „Das ist eine geniale Kombination.“

Das schätzt auch Andreas Gautier an seinen neuen Aufgaben. Durch den Job in Twistringen habe er eine überregionale Stelle, „die mich weiter in Bildungsprozessen arbeiten lässt“, und mit der Seelsorge tue er das, wofür er studiert habe. Dem Sohnemann als Fan des Fußballbundesligisten Hamburger SV musste das Paar den Umzug ohnehin nicht großartig schmackhaft machen: „Er hat festgestellt, dass er nur zwei Mal umsteigen muss, um mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Stadion zu kommen“, berichtet Andreas Gautier.

„Mindestens zehn Jahre in Brinkum bleiben“

Um die Zukunft der Kirche generell macht er sich keine Sorgen: „Die Menschen verlieren nich den Sensus für Religion. Sie haben immer noch ein Gespür für das, was den Alltag übersteigt. Es wird nicht passieren, dass so ein Angebot, wie wir es vorhalten, keine Nachfrage mehr hätte.“ Speziell in Brinkum rechnet er mit regem Besuch der Gemeindeglieder: „Das ist ihre Kirche, ihr Pfarrheim. Einige haben früher mit am Tisch gesessen, als noch einPriester hier wohnte. Es gibt eine Verbundenheit mit dem Gebäude.“

Ihre Freizeit verbringt die Familie damit, durch die Gegend zu reisen, Land und Leute kennenzulernen. Mindestens zehn Jahre wollen sie in Brinkum bleiben, kündigen die Gautiers an – verbunden mit einem Wink in Richtung Bistum: Es möge sich in dieser Zeit mit Versetzungsvorschlägen zurückhalten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Liverpool kegelt Hoffenheim aus der Champions League - Bilder

Liverpool kegelt Hoffenheim aus der Champions League - Bilder

Blutspuren von toter Journalistin in U-Boot entdeckt

Blutspuren von toter Journalistin in U-Boot entdeckt

Eiskalt oder scharf: Rezepte mit Pflaumen und Zwetschgen

Eiskalt oder scharf: Rezepte mit Pflaumen und Zwetschgen

Kaktusfeigen richtig öffnen

Kaktusfeigen richtig öffnen

Meistgelesene Artikel

Barnstorfer Ballon-Fahrer-Festival: Happy End am Himmelszelt

Barnstorfer Ballon-Fahrer-Festival: Happy End am Himmelszelt

Gerätehaus in Leeste feierlich übergeben

Gerätehaus in Leeste feierlich übergeben

Rettungshubschrauber im Einsatz: Radfahrer von Auto erfasst

Rettungshubschrauber im Einsatz: Radfahrer von Auto erfasst

Wetterexperte zum Ballon-Fahrer-Festival: „Wind ist unser Hauptfeind“

Wetterexperte zum Ballon-Fahrer-Festival: „Wind ist unser Hauptfeind“

Kommentare