Pro Dem ruft eine Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige ins Leben

Ein bisschen was von der Seele reden

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Die beiden Pro-Dem-Beraterinnen Susanne Schröder (l.) und Elisabeth Spielmann leiten abwechselnd die neue Selbsthilfegruppe für pflegende und betreuende Angehörige, die sich jeden ersten Donnerstag im Monat trifft.

Brinkum - Von Sandra Bischoff. „Die Schmerzgrenze ist sehr hoch, pflegende Angehörige halten viel aus“, sagt Susanne Schröder, Beraterin bei Pro Dem. Deshalb bieten sie und ihre Kollegin Elisabeth Spielmann nun eine Selbsthilfegruppe unter der Überschrift „Entlastung für die Seele!“ an.

Den Auftakt bildete am Donnerstagabend ein Vortrag der Brinkumer Allgemeinmedizinerin Barbara Sturm-Hesse darüber, welche Krankheiten zu Demenz führen können. Die beiden Organisatorinnen waren mit der Resonanz sehr zufrieden. „Wir mussten einige Besucher wieder nach Hause schicken, weil wir keinen Platz mehr hatten“, sagt Schröder.

Die Idee einer Selbsthilfegruppe ist nicht neu. „Wir haben seit einigen Jahren solche Treffen für pflegende Ehefrauen bei uns im Haus“, berichten Schröder und Spielmann. Ein analoges Treffen für Ehemänner, die ihre kranken Frauen umsorgten, habe sich hingegen nicht etabliert. „Schließlich kamen wir auf die Idee, das Angebot auf Angehörige auszudehnen“, erklärt Schröder.

Ein Familienmitglied zu pflegen, sei sehr belastend, wissen die Pro-Dem-Mitarbeiterinnen. Deshalb sei es hilfreich, darüber zu reden. „Mich mit jemandem auszutauschen, der weiß, worüber ich spreche, bei dem ich mich nicht lange erklären muss, das ist oft eine Wohltat und Entlastung“, sagt Schröder. Dass der Bedarf vorhanden sei, habe auch der Vortrag am Donnerstagabend gezeigt. „Das war quasi ein Testballon.“

Erfreut sind Schröder und Spielmann auch darüber, dass nicht nur Eheleute, sondern auch Töchter und Söhne der Erkrankten den Vortrag besucht haben. „Es sind oft auch die erwachsenen Kinder, die mit der Situation nicht zurechtkommen, dass der Vater, der sich früher immer um alles gekümmert hat, nun dement ist, oder die Mutter, die den Mittelpunkt der Familie bildete und immer alles zusammen an einen Tisch holte, nicht mehr vom Sofa aufstehen mag“, sagt Schröder.

Die Gruppe solle helfen, die Angehörigen zu entlasten. „Die Betroffenen können sich bei uns etwas von der Seele reden oder einfach nur zuhören, wenn sie noch nicht so weit sind, von sich zu erzählen.“

Alles, was die Teilnehmer in der Gruppe besprechen, werde vertraulich behandelt, das sei Voraussetzung, sagt Schröder. Und es sei Platz für alle Emotionen, egal ob Wut, Trauer oder Fröhlichkeit. „In der Gruppe der pflegenden Frauen gibt es Treffen, an denen sehr schwere Themen behandelt werden, dann aber auch wieder Tage, an denen die Teilnehmer über skurrile Begebenheiten mit den Erkrankten lachen.“ Viele Teilnehmer gingen gestärkt nach Hause. „Die Situation hat sich für sie nicht geändert, aber sie haben ein bisschen Kraft bekommen.“

Die Gruppe trifft sich erstmals am 4. Februar und dann jeden ersten Donnerstag im Monat von 18.30 bis 20 Uhr in den Räumen von Pro Dem an der Bremer Straße 7. Das Angebot ist offen und kostenlos. Allerdings bittet der Verein um vorherige Anmeldung unter der Telefonnummer 0421/ 8983344.

www.prodem-stuhr-weyhe.de

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