Der scheidende Leiter Michael Triebs würde an der KGS Brinkum gerne eine Fachbereichsleitung Inklusion anstellen

„Rückkehr zum Regelbetrieb ist denkbar“

Bei der Inklusion erreicht die KGS nur eine 50-prozentige Versorgung mit Lehrkräften der Förderschule.
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Bei der Inklusion erreicht die KGS nur eine 50-prozentige Versorgung mit Lehrkräften der Förderschule.
  • Andreas Hapke
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Brinkum – Kinder mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf an inklusiven Schulen sind bereits jetzt die Bildungsverlierer der Coronakrise, behauptet der Landeselternrat. Mit seiner Anweisung an die Schulen, den Schwerpunkt des kommenden Schuljahrs auf den Pflichtunterricht zu legen, riskiere Kultusminister Grant Hendrik Tonne „nichts weniger als das Einstellen sonderpädagogischer Unterstützung – und das mit Ansage“.

Für Michael Triebs, dem scheidenden Leiter der KGS Brinkum, sind die Befürchtungen der Eltern nach eigener Auskunft „nicht unberechtigt“. Allerdings siedelt er das Problem der unbefriedigenden Versorgung von Inklusionskindern schon weit vor Corona an. Die Betreuung habe seit der Anordnung der Inklusion an den Schulen im Jahr 2013 nicht richtig funktioniert.

Eigentlich bekommen die Schulen für die unterschiedlichen Unterstützungsbedarfe zusätzliche Wochenstunden bewilligt, die von Abordnungen der Förderschulen übernommen werden. Für die KGS Brinkum ist die Hacheschule in Melchiorshausen zuständig. „Allgemeinbildende Lehrer sind für solche Auffälligkeiten gar nicht ausgebildet“, stellt Triebs fest. Für ein Kind mit dem Unterstützungsbedarf Lernen sind zum Beispiel drei Wochenstunden vorgesehen, bei emotional-sozialen Störungen sind es dreieinhalb Stunden. „In dieser Zeit sind die Förderschullehrer zusätzlich bei den inklusiven Kindern in der Klasse“, sagt Triebs. Er spricht von einer Doppelbesetzung.

An der KGS sah es zuletzt so aus, dass die Schule bei knapp 30 Kindern mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf einen Anspruch auf rund 90 Wochenstunden durch Lehrkräfte der Hacheschule gehabt hätte. „Wir lagen mit der Versorgung nur bei 50 Prozent.“ Das sei zwar besser als 2013, als „kein Mensch“ auf die Inklusion vorbereitet gewesen sei. Doch es blieben immer noch 50 Prozent, die die Schule mit ihren eigenen Pädagogen bewerkstelligen müsse.

„Diese Stunden können wir in der Praxis nicht aufbringen“, stellt Triebs klar. Die KGS sei auch ohne Inklusion schon „unterversorgt ohne Ende“. Er könne keine Fachkraft für die Doppelbesetzung abziehen. Dabei funktioniere es an der KGS Brinkum noch „ganz gut“ – was nicht zuletzt daran liege, dass sich zwei Lehrkräfte der Hacheschule nach Brinkum hätten versetzen lassen.

Laut Landeselternrat stehen „zwischen 15 und 20 Prozent der Lehrkräfte derzeit nicht für den Präsenzunterricht zur Verfügung, weil sie selbst oder Angehörige, mit denen sie in einem Haushalt leben, zur Risikogruppe gehören“. Dies verschlechtere die Situation in einem Maß, dass eine Rückkehr in den Regelschulbetrieb nach den Sommerferien „eigentlich schon aus diesem Grund undenkbar ist“. Förderzentren zögen ihre Abordnungen zurück, um ihre eigenen Pflichtstunden zu gewährleisten. Letzteres sieht auch Triebs so, den Ausfall von 15 bis 20 Prozent des Personals an seiner Schule kann er aber nicht bestätigen. Bei ihm seien es sieben oder acht von 100 Pädagogen gewesen. „Das macht sich zwar bemerkbar, doch eine Rückkehr zum Regelbetrieb ist denkbar.“

Der Unterstützungsbedarf falle in der Regel im Hauptschulzweig der KGS an. Von den Lehrerausfällen seien aber alle drei Zweige betroffen gewesen. Die Abordnungen durch die Hacheschule seien während Corona auch „okay“ gewesen, sodass die Betreuung der inklusiven Kinder nicht übermäßig gelitten habe.

Eine weitere Kritik der Eltern kann Triebs aus seiner Praxis ebenfalls nicht bestätigen: dass „an inklusiven Schulen Schüler mit einem festgestellten Unterstützungsbedarf von der Präsenzbeschulung ausgeschlossen werden, weil sie nach Einschätzung der Schulleitung nicht in der Lage sind, die geltenden Hygienebestimmungen einzuhalten“. Triebs: „Das haben wir nicht gemacht. Bei uns ist ja sogar eine Klasse der Förderschule beherbergt. Vielleicht musste man das dem einen oder anderen Kind häufiger erklären, aber während Corona sind sie hier betreut worden wie alle anderen auch.“

Für Triebs kann es nur eine Lösung für das Dilemma geben: die Anstellung einer Fachbereichleitung Inklusion – besetzt mit einer nach Besoldungsgruppe A 14 vergüteten Lehrkraft, die den Bedarf der Schüler erkennt und den Personaleinsatz sinnvoll planen kann. „Wir sind im Kollegium zusammengerückt und haben sogar eine A14-Stelle freigeschaufelt. Dann habe ich den Antrag in Hannover gestellt.“ Das war Weihnachten vergangenen Jahres. Eine Antwort, sagt Triebs, habe er bis heute nicht erhalten.

Von Andreas Hapke

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