Roboter mit menschlichem Aussetzer

KGS Brinkum schickt zwei Teams in den Wettbewerb First Lego League

Auf diesem Spielfeld muss der Roboter der AG am Samstag bestehen. Fotos: Jantje Ehlers
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Auf diesem Spielfeld muss der Roboter der AG am Samstag bestehen.

Da staunt der Experte, da wundert sich der Fachmann: Wenn es derart einfache Lösungen gäbe, wie sie sich die Teilnehmer der Lego AG der KGS Brinkum ausgedacht haben, wären Verkehrs- und Stadtplaner sämtliche Sorgen auf einen Schlag los.

Brinkum - Stau in der City? Die Kinder schicken einen Roboter aus Lego-Bausteinen los, der das Modul mit den Autos einfach hochklappt. Der Roboter kann aber auch ein Gebäude mit begrüntem Dach an einen festgelegten Ort des Spielfeldes schieben und ein umgekipptes Hochhaus wieder aufstellen. Mit diesem von ihnen programmierten Alleskönner nehmen die Schüler am Samstag am Regionalwettbewerb der First Lego League (FFL) an der KGS Leeste an. Er steht in diesem Jahr unter dem Motto „City Shaper“ (Stadtplanung).

Die Brinkumer schicken gleich zwei Teams ins Rennen: Pegasus und Phönix. Die Mannschaften teilen sich zwar den Roboter, treten ansonsten aber unabhängig voneinander an. Insgesamt gehören der AG 18 Kinder aus den fünften und sechsten Klassen aller Schulzweige an.

Beim letzten Treffen des Nachwuchses im KGS-Werkraum herrscht helle Aufregung. Nachdem AG-Leiter Henning Brandt, Lehrer für Informatik, Physik und Technik, die letzten Instruktionen für Samstag erteilt hat, drückt er den beiden Teamleitern je einen Stapel T-Shirts in die Hände. „Da müsst ihr euch die passende Größe raussuchen.“ Klar, dass die Sprösslinge ihre „Trikots“ schon zur Generalprobe überstreifen.

Noch klappt nicht alles reibungslos, was dem Roboter eingeimpft wurde. An einer Stelle etwa soll er eine Blockade lösen und eine Kinderschaukel wieder in Gang bringen. Doch zum großen Entsetzen der Programmierer dreht sich das Superhirn von dem Spielgerät weg. Ein fast schon menschlicher Aussetzer, der wenig später behoben ist. Dafür sind Schüler wie der zwölfjährige Alexander zuständig. „Programmieren, ausprobieren, Fehler beseitigen, neu programmieren“, beschreibt er das Procedere. Alexander schreibt die Befehle über den Laptop auf den Roboter. Verbesserungen sind sogar noch am Wettbewerbstag möglich. Jedes Team absolviert drei Durchgänge, zwischen denen längere Pausen liegen. Der beste Durchgang zählt.

Dieser Roboter setzt eine Kinderschaukel in Gang.

„Hochfahren, umdrehen, einsammeln – die Aufgaben sind in jedem Jahr ähnlich“, erzählt Brandt. Zweieinhalb Minuten hat der Roboter Zeit, die Aufträge abzuarbeiten. Die Kinder dürfen ihn nur in der Startzone anfassen, außerhalb muss er autonom agieren. Welche Strecke muss er bis zu seinem Einsatzort zurücklegen? Was muss er dort tun? Welche Werkzeuge sind dafür erforderlich? All dies müssen die Kinder dem Gerät haargenau mit auf den Weg geben, wenn sie die Jury am Samstag beeindrucken wollen.

Laut Brandt bewerten die Richter nicht nur das „Robot Game“ auf dem Spielfeld, sondern auch das Design des Geräts sowie die Zusammenarbeit der Kinder in den jeweiligen Teams. Darüber hinaus denken sich die Schüler einen Forschungsauftrag zum Thema Stadtplanung aus und präsentieren dazu ihre Ergebnisse. Dieser Aufgabe haben sich Paula und Maxi angenommen, die einzigen Mädchen in der AG.

Das Team Pegasus etwa hat sich den brachliegenden Platz der ehemaligen Klosterschänke in Heiligenrode vorgeknöpft. „Da sollen ein Minigolfplatz und ein Erlebnispfad hin“, verrät die zehnjährige Paula. Das Team Phönix will den ganz großen Coup landen: Es geht um Lösungen für den Brinkumer Zob.

Paula (l.) und Maxi sind die einzigen Mädchen in der AG.

Die beste Mannschaft hat die Möglichkeit, am FLL-Halbfinale in Aachen teilzunehmen. Doch darum dürfte es für die Brinkumer nicht gehen. „Die AG hat erst nach den Herbstferien begonnen. Die meisten Schüler haben hier mit dem Programmieren angefangen“, so Brandt. Entsprechend klein sind die Schritte zum Ziel: „Wir haben zunächst einen Roboter nach Anleitung gebaut und erst später einen individuellen für den Wettbewerb.“ Und: „90 Minuten in der Woche inklusive Auf- und Abbau sind nicht viel. Andere Schüler haben Räume, die sie rund um die Uhr nutzen können, auch am Wochenende.“

Inzwischen nehmen weltweit über 250 000 Mädchen und Jungen an der First Lego League (FFL) teil. Gegründet hat den Wettbewerb vor über 20 Jahren die Organisation „For Inspiration and Recognition of Science and Technology“ (FIRST) in Zusammenarbeit mit LEGO. Er soll 9- bis 16- Jährige an naturwissenschaftliches Denken heranführen und für innovative Technologien begeistern. In den vergangenen drei Jahren richtete die KGS Brinkum den Regionalwettbewerb aus, in diesem Jahr ist es die KGS Leeste mit Unterstützung der Universität Bremen und vieler freiwilliger Helfer. Mehr als 100 Jugendliche aus Schulen von Meppen bis Hamburg werden am Samstag, 9 bis 17 Uhr, erwartet. Besucher sind willkommen.

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