Rettung der Condor

Rettung der Condor: Legendäre Focke-Wulf Fw 200 wird restauriert

Legenden leben länger. Im Auftrag des Deutschen Technikmuseums Berlin ist die letzte Focke-Wulf Fw 200 „Condor“ in mehr als 20-jähriger Kleinstarbeit restauriert und vollständig wiederaufgebaut worden. Das Ergebnis stellten die Verantwortlichen am Mittwoch der Öffentlichkeit in einer Airbus-Außenhalle in Stuhrbaum vor. In unzähligen Arbeitsstunden haben mehr als 150 Menschen mit technischem Fachwissen und viel Leidenschaft die Flugmaschine für die Nachwelt erhalten.

Stuhrbaum/Bremen – Einer von ihnen ist Horst Becker. „Das Flugzeug ist technisch und designtechnisch Vorbild für alle anderen Flugzeuge gewesen, bis es Strahltriebwerke gab“, schwärmt der heute 78-Jährige über die Ikone. Der Rentner hat 53 Jahre auf dem Airbus-Gelände in Bremen gearbeitet. „Unser Wunsch ist, dass die ,Condor‘ nun nach Tempelhof kommt“, so Becker. Der Standort war in den 1930er-Jahren ein Lufthansa-Drehkreuz und die Fluggesellschaft gab die Fw 200 damals in Auftrag. Den Veteranen ist wichtig, dass das Flugzeug in Berlin ordentlich präsentiert und für die Menschen zugänglich wird.

Für die Nachwelt: Das erste viermotorige Verkehrsflugzeug der Welt strahlt nach rund 85 Jahren erneut in vollem Glanze.

Technisch funktioniert alles wie beim Original

So viel Arbeit musste orchestriert werden. Rudolf Budde zeichnete sich verantwortlich für „alles mit Beschaffung und Bestellung“, sowie die „Team-Koordinierung“ der ehrenamtlichen Helfer. Wie schnell während der Restauration die Zeit verging, merke er selbst erst jetzt in der Rückschau und schaut stolz zurück.

Condor-Restaurierung in Stuhr: Das Flugzeug geht an das Deutsche Luftfahrtmuseum in Berlin.

Technisch funktioniert an dem Flugzeug alles wie beim Original. „Es gibt 15 Positionen, die sich bewegen lassen: Leitwerk, Seiten- und Höhenruder, Fahrwerk, sämtliche Klappen“, so Becker. Die Triebwerke wurden von Rolls-Royce nachgebaut. „Als 2010 die ersten Flügel fertig waren, konnte man die Propeller drehen“, erinnert sich Becker. Mit der Zeit verharzen die Triebwerke jedoch und es werde schwieriger.

In Einzelteile zerlegt wird die Focke-Wulf Fw 200 nach Berlin gefahren

Restauration einer Focke-Wulf Fw 200

Für die Nachwelt: Das erste viermotorige Verkehrsflugzeug der Welt strahlt nach rund 85 Jahren erneut in vollem Glanze.
Für die Nachwelt: Das erste viermotorige Verkehrsflugzeug der Welt strahlt nach rund 85 Jahren erneut in vollem Glanze. © Husmann Heinfried
Condor-Restaurierung in Stuhr: Das Flugzeug geht an das Deutsche Luftfahrtmuseum in Berlin.
Condor-Restaurierung in Stuhr: Das Flugzeug geht an das Deutsche Luftfahrtmuseum in Berlin. © -Heinfried Husmann
Blick aus dem Seitenfenster einer restaurierten  Focke-Wulf Fw 200 auf eines der Triebwerke.
Blick aus dem Seitenfenster einer restaurierten Focke-Wulf Fw 200 auf eines der Triebwerke. © Heinfried Husmann
Blick ins Cockpit einer restaurierten Focke-Wulf Fw 200.
Blick ins Cockpit einer restaurierten Focke-Wulf Fw 200. © Heinfried Husmann
Restaurierte Focke-Wulf Fw 200 im Scheinwerferlicht in einer Airbus-Halle in Stuhrbaum.
Nach 20 Jahren Arbeit ist die letzte Focke-Wulf Fw 200 restauriert und der Öffentlichkeit vorgestellt worden. © Heinfried Husmann
Eine Bedienungsanleitung für verschiedene Teile einer restaurierten Focke-Wulf Fw 200, die von Stuhrbaum nach Berlin ins Museum der Technik transportiert werden soll.
Damit die Focke Wulf Fw 200 für den Transport aus Stuhrbaum nach Berlin problemlos auseinandergebaut werden kann, haben die ehrenamtlichen Restauratoren eine Bedienungsanleitung gefertigt. © Heinfried Husmann
Ein Schaubild zur Geschichte der Focke-Wulf Fw 200 bei der Präsentation des letzten restaurierten Modells in einer Airbus-Halle in Stuhrbaum.
Das Schaubild zeigt die Geschichte der Focke-Wulf Fw 200 © Heinfried Husmann

Als nächsten Schritt kommen am 31. Mai die „Kollegen aus Berlin“, sagt Becker. Die zerlegen das Flugzeug und transportieren es in die Hauptstadt. Dazu werden die Flügel in je zwei Teile demontiert, das Höhenleitwerk ausgebaut, der Rumpf bleibt in einem Stück, die vier Motoren kommen ab und das Fahrwerk sowie die Fahrwerksboxen gehen extra auf die Straße. Becker und seine Kollegen schrieben speziell dazu eine „minutiöse Bedienungsanleitung“.

20 Jahre hat die Restaurierung gedauert.

Die Geschichte der Flugzeug-Restaurierung gleicht einer Mosaik-Sammlung. Geologen entdeckten eine „Condor“ vor der norwegischen Küste bei Trondheim. 1999 begann die Bergung. Die Katastrophe folgte: Das Fluggerät zerbrach am Haken. Im selben Jahr trafen Einzelteile und der stark korrodierte Rumpf in Deutschland ein und dienten den Technikern als Blaupause. „Wir haben das ganze Flugzeug zerlegt und den Rumpf komplett neugebaut und wieder zusammengesetzt“, berichtet Becker. Später kamen Außenflügel eines weiteren Wracks vom norwegischen Berg Kvitanosi hinzu. „Das war der Moment, als wir dachten, ein ganzes Flugzeug wäre auch schön“, schmunzelt Becker. Immer mehr freiwillige und ehemalige Mitarbeiter sammelten sich um das Projekt wie Wolfgang Bosse (77) und Peter Wiesner (79). Beide hatten in den 1960ern als Lehrlinge beim Flugzeugbauer Focke Wulf in Bremen begonnen.

Die Wehrmacht hat 263 von 276 Maschinen für die Luftwaffe verwendet

Die ursprüngliche Konstruktion der Fw 200 begann 1936, 1937 war das Flugzeug fertig und im August 1938 stellte die „Condor“ – das erste viermotorige Verkehrsflugzeug der Welt – die Langstreckenrekorde Berlin–Kairo, Berlin–New York sowie Berlin–Tokio auf. Diesem Triumph der Technik trägt bis heute eine Gedenktafel in der Bremer Böttcherstraße Andenken, nachdem der historische Flug ohne Zwischenlandung zwischen Berlin und New York „den Völkern eine neue Brücke“ schuf, wie es darauf heißt. Insgesamt wurden 276 Maschinen gefertigt.

Blick ins Cockpit einer restaurierten  Focke-Wulf Fw 200.

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges endete jedoch die Zeit des zivilen Fliegers abrupt. Das Deutsche Reich ließ bestehende Maschinen umbauen und stellte Neubauten in den Dienst der Wehrmacht. Versionen für die Luftwaffen übernahmen Aufgaben als Seeaufklärer, Fernbomber oder Transportflugzeuge. Das Gros der Maschinen – 263 Stück – diente militärischen Zwecken. Einige Fw 200 erlangen zudem als Flugbereitschaft für Adolf Hitlers als sogenannte Führermaschinen Bekanntheit.

Rubriklistenbild: © Husmann Heinfried

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