Trotz Corona ein erfolgreiches Jahr

Immobilienbranche zeigt sich resistent gegen das Virus

Gemeinsam betreiben Volker Twachtmann und Gisela Hechler Immobilenbüros in Stuhr und Bremen.
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Gemeinsam betreiben Volker Twachtmann und Gisela Hechler Immobilenbüros in Stuhr und Bremen.

Stuhr – Im Interview mit der Kreiszeitung gibt Immobilienmakler Volker Twachtmann einen Einblick in das laufende Geschäftsjahr und richtet den Blick schon mal auf 2021.

Herr Twachtmann, wie sieht Ihre bisherige Bilanz zum Jahr 2020 aus, und welche Rolle hat Corona dabei gespielt?

Wir gehören zu den Branchen, deren geschäftlicher Erfolg durch Corona auf jeden Fall nicht gelitten hat. Das bestätigen auch die Rückmeldungen aus dem Netzwerk Immobilienexperten im Nordkreis, zu dem wir mit acht weiteren Unternehmen gehören. Mit ihnen sind wir regelmäßig im Austausch. Durch die Bank heißt es, dass es bislang gut gelaufen ist. Wir hatten mit dem ersten Lockdown vorsichtshalber Kurzarbeitergeld angemeldet, haben das aber schnell wieder zurückgenommen. Es war ein erfolgreiches Jahr, wir sind sehr zufrieden.

Welche Gründe sehen Sie?

Die Geldpolitik der Bundesbank spielt uns in die Karten. Manche Banken haben schon Negativzinsen für das Ersparte eingeführt, da schichten viele Leute ihr Geld um und investieren in Immobilien. Sehr niedrige Hypothekenzinsen erleichtern ihnen den Einstieg zusätzlich. Zwei Drittel der Käufer nutzen die Immobilie für sich selbst, ein Drittel betrachtet sie als Geldanlage. Immobilien sind ein gutes Investment.

Bemisst sich der Geschäftserfolg an der Zahl der vermittelten Objekte? Am Preis? Oder an der Vermittlungsgeschwindigkeit?

Ja, ja und ja. Wir haben an unseren Standorten in Bremen und Stuhr so viele Immobilien vermittelt wie nie zuvor. Allein bei den Mietobjekten waren es schon 130. Wenn man heute mit einer Immobilie auf den Markt geht, wird man von Nachfragen überrannt. Und während wir die Objekte 2017 im Durchschnitt noch ein halbes Jahr im Angebot hatten, waren es im vergangenen und in diesem Jahr gerade mal zwei Monate. Die Vermarktungsdauer hat sich verkürzt, und die Zahl der Besichtigungen beim ersten Lockdown hat sich halbiert. Sie geht auch jetzt wieder zurück. Hinzu kommt, dass wir coronabedingt nur einen Haushalt zu Begehungen einladen dürfen und daher auf „offene Besichtigungen“ schon sehr früh verzichtet haben. Auswirkungen auf die Zahl der Vertragsabschlüsse hat das alles kaum. Wir stellen fest, dass die Qualität der Besichtigungen deutlich zugenommen hat. Die Interessenten sind besser vorbereitet. Was den Immobilienpreis betrifft: Der hat sich auf hohem Niveau stabilisiert.

Laut Marktbericht des internationalen Immobilienmaklers Engel und Völkers haben die Angebotspreise für Eigentumswohnungen in der ersten Jahreshälfte in Deutschland um 10,6 Prozent, die der Häuser um 10,5 Prozent zugelegt. Können Sie das für Stuhr bestätigen?

Ich würde das für den gesamten Nordkreis so nicht bestätigen wollen. Es sind vielleicht drei bis fünf Prozent mehr. Auch in unserer Filiale in Bremen merken wir, dass die Bereitschaft, jeden Preis zu zahlen, nicht mehr so hoch ist, nicht einmal in guten Lagen wie Schwachhausen. 2019 war es über das ganze Jahr gerechnet eine Steigerung von bis zu zehn Prozent.

Das ist doch super. Sie verdienen während der Pandemie trotz der geringeren Steigerung mehr Geld, und das wegen der kürzeren Vermarktungszeit auch noch schneller.

Das darf man so nicht sehen. Bei der Vermittlung einer Immobilie haben wir immer mehr zu tun. Sei es durch den Energieausweis, weil wir Anforderungen der Banken zufriedenstellen müssen, wegen Auflagen aus der Datenschutz-Grundverordnung oder der sich ständig ändernden Rechtsprechung. Wir müssen viel vorbereiten, zusehen, dass alle Dokumente da sind, etwa Testamente und Erbscheine. Es gibt nichts, wo so viel geklagt wird wie in der Immobilienbranche. Der Makler ist heute eine Mischung aus Jurist, Marketingfachmann und Mediator. Alles mit dem Ziel, dass Käufer und Verkäufer zu positiven Abschlüssen kommen. Wir sind Brückenbauer.

Noch mal zurück zu Corona: Schon während des ersten Lockdowns sind Firmen pleite gegangen oder mussten Mitarbeiter entlassen. Dies ist auch jetzt wieder zu befürchten. Auch wenn die Menschen in Kurzarbeit sind, verfügen sie über weniger Geld als vorher. Jedenfalls nicht genug für eine Immobilie.

Das macht sich bei uns in diesem Jahr noch nicht bemerkbar. Im ersten Lockdown kam es zu einigen Absagen aufgrund von Corona, aber es haben sich dann andere Käufer gefunden. Wie es 2021 aussieht, muss man abwarten. Sollte es zu einem konjunkturellen Einbruch kommen, wird sich das auf den Preis auswirken – aber nicht so wie in den schlechteren Jahren 2016 und 2017. Dann wird die Zahl der Eigennutzer zurückgehen. Für Kapitalanleger sehe ich keine Auswirkungen.

Eine weitere Begleiterscheinung der Pandemie ist ja das Homeoffice. Wirkt sich das auf die Nachfrage aus?

Tatsächlich habe ich drei, vier Telefonate geführt, in denen sich der Interessent deshalb vergrößern wollte. Nach dem Motto: Drei Zimmer in der Stadt mit Kind und Arbeit zu Hause – das passt nicht mehr. Da ziehe ich doch aufs Land.

Wegen Corona zieht es also Leute aufs Land? Wirkt die Pandemie am Ende in Stuhr sogar preistreibend?

Ganz klar: Durch ihre Lage am Stadtrand liefern Stuhr und Weyhe den Familien, die jetzt mehr Platz brauchen, Argumente. Sich in der Stadt vergrößern, das geht ja kaum, auch wenn viele gerne bleiben würden. Doch allein das ist nicht der Grund. Wir hören immer wieder, dass die Leute ihren eigenen Garten haben und vor die Tür gehen wollen. Deshalb ist Corona in Stuhr auch kein Preistreiber. Immobilien sind hier immer noch 25, 30 Prozent günstiger als in Oberneuland oder Borgfeld. In Stuhr schlagen sich wie überall die niedrigen Zinsen auf den Preis nieder – und das viel zu geringe Angebot an Bauland für den Geschossbau und Einfamilienhäuser. Wir haben hier eine große Nachfrage an Miet- und Eigentumsimmobilien, die wir nicht bedienen können. Das zeigt sich auch daran, dass wir inzwischen Objekte in Fahrenhorst und Neukrug genauso gut vermarkten wie in Moordeich, Brinkum und Varrel, auch wenn sie vom Preisniveau noch 20 Prozent unter denen in den begehrteren Stuhrer Wohnlagen liegen. Interessenten weichen sogar nach Harpstedt oder Dünsen aus. Es kommt auch immer häufiger vor, dass sich potenzielle Käufer gegenseitig überbieten.

Sind die Immobilien das denn wert? Eigentlich müssten die Käufer doch viel mehr dazu übergehen, Gutachten zu erstellen.

Die Leute kommen auch zum Teil mit Gutachtern, aber nicht häufiger als früher. Wegen der kürzeren Vermittlungszeit stehen viel weniger Immobilien in den Online-Portalen. Bei uns kommt es jedenfalls vor, dass wir darauf verzichten. Dadurch entfallen Vergleichsmöglichkeiten, und für den Interessenten ist es schwer einzuschätzen, ob der Marktpreis angemessen ist. Preise werden aber auch gezahlt, weil in einer Immobilie viel Liebhaberei drin ist.

Wie lautet Ihre Prognose für das Geschäft im kommenden Jahr, Corona mal ausgenommen? Bekommen wir es irgendwann mit einem überhitzten Markt zu tun?

Wenn Corona nicht wäre, würden die Preise sich wahrscheinlich halten, dann würde ich keinen Grund für eine Kehrtwende sehen. Die erwarte ich auch nicht an der Zinsfront. Voraussetzung für eine Blase wäre, dass auf Teufel komm raus gebaut wird und keine Nachfrage da ist; oder dass ich nicht mehr kostendeckend vermieten kann. Wir haben keine Leerstände, sondern Wohnungsmangel. Durch den Immobilienkauf als Kapitalanlage sind immer noch 3,5 bis 6 Prozent an Rendite zu erzielen.

Welchen Einfluss hat Corona auf das Tagesgeschäft?

Wir hatten kürzlich einen positiven Fall, wo die Ansteckung nicht nachzuverfolgen war. Daraufhin haben sich alle Kollegen testen lassen und bis zum Ergebnis im Homeoffice gearbeitet. Die Tests waren negativ, was zeigt, dass unser Hygienekonzept, das wir seit dem ersten Lockdown haben, greift. Wir arbeiten in Schichten, morgens das Backoffice, nachmittags der Vertrieb. Hinzu kommt das Besichtigungsmanagement mit maximal zwei Personen aus einem Haushalt pro Begehung. Durch die vorübergehende Verlegung der Arbeit ins Homeoffice und die Unterstützung durch unser Bremer Büro war dieser Vorfall für unsere Kunden und Interessenten praktisch nicht bemerkbar.

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