Renaissance eines Kohls

Horst (l.) und Björn True sind experimentierfreudige Gemüsebauern, bei denen sich die Scheerkohlsaison dem Ende zuneigt. Foto: Heiner Büntemeyer
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Horst (l.) und Björn True sind experimentierfreudige Gemüsebauern, bei denen sich die Scheerkohlsaison dem Ende zuneigt.

Ob schwarze Tomaten oder Yacón-Knollen aus Südamerika: Die Gemüsebauern Horst und Björn True sind experimentierfreudig. In ihren Gewächshäusern in Blocken ist neben gewöhnlichem Grünzeug der eine oder andere Exot zu finden. Auch eine heimische Kohlart, die zwischenzeitlich fast in Vergessenheit geraten war, wächst bei ihnen.

VON HEINER BÜNTEMEYER

Stuhr – Für die Blockener Gemüsebauern Horst und Björn True neigt sich die Scheerkohlsaison dem Ende zu. Diese Kohlart war in den Nachkriegsjahren in der Region um Bremen weitverbreitet und als erstes Frühgemüse sehr beliebt. Als sich die Stadt Bremen nach dem Abzug der Franzosen 1813 eine neue Verfassung gab, so berichtet es Horst True, sei darin der Passus aufgenommen worden, dass im Frühjahr „die Strafgefangenen mit Scheerkohl zu verköstigen“ seien.

Die leicht nussig schmeckende Vitaminbombe bekam Ende der 50er-Jahre das Image eines „Arme-Leute-Essens“. Außerdem war es durch importiertes Gemüse möglich, den Markt das ganze Jahr hindurch mit frischem Gemüse zu versorgen. Damit verlor der Bremer Scheerkohl ein Alleinstellungsmerkmal: Er ist frosthart und kann noch im September ausgesät und bis in den Winter hinein geerntet werden und ist, wenn er ab Ende Februar gesät wird, das erste frische Gemüse auf der häuslichen Speisekarte.

Dieser Kohl erlebt gegenwärtig eine Renaissance. Er hat als Füllung in Wickel oder Cannelloni Einzug in die moderne Küche gehalten. Klassisch wird er wie Grünkohl zubereitet und kann auch mit Pinkelwurst auf den Tisch kommen.

Scheerkohl wird breitwürfig ausgesät. Schon nach sechs Wochen kann er geerntet werden. Trues verkaufen ihren Kohl auf dem Bremer Findorffmarkt. Horst True mäht den Kohl bei der Ernte mit einer „Spinatsense“. Gedanken über Unkraut braucht er sich nicht zu machen: Der Kohl wächst ihm zufolge so schnell, dass andere Pflanzen da nicht mithalten können.

Auch NDR-Fernsehkoch Rainer Sass hat den Scheerkohl schätzen gelernt. Für seine Serie „So isst der Norden“ suchte er nach einem typisch Bremischen Rezept. Björn True machte ihn auf den Scheerkohl aufmerksam, und gemeinsam wurde auf dem Bremer Findorffmarkt im Beisein von zahlreichen Marktbesuchern ein Scheerkohlgericht zubereitet.

Jetzt im April wird die Scheerkohlfläche in den Gewächshäusern kleiner. „Das ist auch gut so“, meint Björn True, denn jetzt brauche er den Platz für andere Gemüsearten. Auch dabei beschränkt er sich nicht auf das übliche Sortiment von Salaten, Bohnen, Gurken, Tomaten und Kürbis. Im vorigen Jahr wurden mit großem Erfolg zum ersten Mal in größeren Mengen Süßkartoffeln angebaut, in diesem Jahr sind sie gespannt, ob die Yacón-Knolle auf dem Markt Abnehmer findet. Diese Gemüseknolle stammt aus Südamerika, wo sie gekocht, gedünstet oder auch roh gegessen wird.

Zum Angebot gehören auch zahlreiche Küchenkräuter, gelbe und Rote Bete, Mangold und mehr als 30 Tomatensorten, darunter als Neuheit die schwarze „Paul Robeson“-Tomate. Horst True kennt auch die interessante Geschichte dieser exotisch wirkenden leicht ovalen Fleischtomate. Sie ist ihm zufolge in Sibirien gezüchtet. Ihren Namen verdankte sie einem farbigen US-Jazzer, der als Kommunist in den USA Auftrittsverbot gehabt habe und deshalb in die damalige UdSSR emigriert sei, wo er „Paul Robeson“, so große Erfolge gefeiert habe, dass die erste (fast) schwarze Tomate nach ihm benannt worden sei. Und diese Tomate gibt es demnächst auch bei Trues in Blocken.

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