Kanufreizeit und Suchtprävention an Grundschulen mit dem „1 000-Schätze-Programm“

Release intensiviert Arbeit mit Kindern

Aktionen für und mit Kindern plant Release in diesem Jahr. Ilona Drescher und Patrick Ehnis haben die Infos.
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Aktionen für und mit Kindern plant Release in diesem Jahr. Ilona Drescher und Patrick Ehnis haben die Infos.

Stuhr – Zum Start der bundesweiten Aktionswoche für Kinder aus suchtbelasteten Familien meldet sich der Verein Release zu Wort. Gemeinsam mit anderen Akteuren möchte das Netzwerk psychosozialer Hilfen „vergessenen Kindern eine Stimme geben“, so das Motto ab Sonntag, 14. Februar. Außerdem kündigt Release bei der Gelegenheit zwei eigene Aktionen an: eine Kanufreizeit für Kinder zwischen 10 und 13 Jahren im Juli sowie Suchtprävention in der Grundschule ab dem kommenden Schuljahr.

Etwa drei Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland wachsen in einem Haushalt mit suchtkranken Eltern auf. Für sie stellten und stellen die Lockdowns und Kontaktbeschränkungen der vergangenen Monate eine besondere Belastung dar, heißt es in einer Mitteilung von NACOA, der deutschen Partnerorganisation der amerikanischen National Association for Children of Alcoholics (NACoA). Der Stress in den Familien sei gestiegen und damit auch der Alkohol- und Drogenkonsum der suchtkranken Eltern.

„Das Trinkverhalten hat sich im Zuge der Corona-Pandemie verändert, es verlagert sich nach Hause. Knapp 40 Prozent der Bevölkerung trinkt jetzt mehr“, verweist Patrick Ehnis, Fachberater für Suchtprävention bei Release, auf eine Umfrage der Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU) in Nürnberg und des Zentralinstituts für seelische Gesundheit in Mannheim im Frühjahr 2020.

„Es geht um die besonderen Probleme, die Kinder aus Suchtfamilien haben“, sagt Ehnis. „Ihre Familien sind nicht der Ort, wo sie Verlässlichkeit und Geborgenheit spüren.“ Im Gegenteil: Laut NACOA sind sie im Lockdown einer noch stärkeren Bedrohung durch die Folgen der elterlichen Sucht ausgesetzt, etwa häusliche Gewalt. Gleichzeitig habe die Schließung von Bildungs- und Freizeiteinrichtungen die Isolation der betroffenen Kinder und Jugendlichen verstärkt.

Für Ehnis steht fest: „Die Kinder brauchen draußen Kontakte.“ Obwohl Release selten mit dem Nachwuchs arbeite, habe sich der Verein gefragt: „Was können wir machen, wenn der Lockdown zu Ende ist?“ Schon bald war die Idee einer Kanufreizeit auf der Hunte geboren – „auch wenn der Schnee und die Pandemie die Aktion gerade doppelt absurd erscheinen lassen“, so Ehnis. „Es ist ein Angebot für Kinder, deren Eltern bei uns in der Beratung oder einer Therapie sind. Damit wollen wir ihre Gesamtsituation stabilisieren.“ Für sie kostet die Freizeit lediglich 25 Euro.

Als zweites Projekt mit Kindern kündigt Ehnis die Teilnahme von Release am „1000-Schätze-Programm“ für Erstklässler an. Es zielt auf Gesundheit und Suchtprävention ab. Der Flyer der Niedersächsischen Landesstelle für Suchtfragen verweist auf „zahlreiche Studien“, wonach „hochwertige und frühzeitige“ Präventionsprogramme maßgeblich zur Förderung der psychosozialen Gesundheit beitragen und somit auch einer Suchtentwicklung vorbeugen könnten. Für die Begleitung zweier Stuhrer Grundschulen lässt sich Ehnis gerade zu einem „1000-Schätze-Trainer“ ausbilden. Die Betreuung durch Release beinhaltet wiederum die Fortbildung dreier Lehrkräfte durch Ehnis. „Die Schulen müssen nur für 90 Euro einen Materialkoffer kaufen“, sagt der Fachberater. Mit Brinkum stehe schon eine teilnehmende Grundschule fest, die zweite müsse in absehbarer Zeit ihr Interesse bekunden.

Aktuell hat Release durch den Wegfall von Gruppentherapien viel damit zu tun, das Beratungsangebot zu gewährleisten. „Wir versuchen, die Wartezeiten für Ersttermine kurz zu halten, haben aber auch Klienten in der festen Therapie“, sagt Ilona Drescher, die bei Release für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Es gebe Face-to-Face-Beratungen und viele Telefonate. „Wir müssen aufpassen, das die Kalender nicht auseinanderbrechen.“ Mit den insgesamt fünf Beratungsstellen gelinge das auch weitestgehend. Laut Drescher hat der Verein allein mit 30 Prozent mehr Anfragen besorgter Eltern zu tun. „Im Lockdown gucken sie genauer darauf, was der Nachwuchs macht.“

Damit geht es Release nicht anders als anderen Beratungsstellen, zum Beispiel dem Online-Beratungsteam von NACOA. Nach eigener Auskunft hat es in den Monaten März und April 2020 schon doppelt so viele E-Mails erhalten wie vor der Pandemie. Die Zahl der begleiteten Kinder stieg um 40 Prozent. Die Aktionswoche dient deshalb auch dazu, politische Forderungen zu unterstreichen – etwa nach einem regelfinanzierten und flächendeckenden Netz an Hilfsangeboten für Betroffene aus Suchtfamilien.

„Sie brauchen Fachkräfte, die auch bei eingeschränkten Begegnungsmöglichkeiten den Kontakt halten, sensibilisiert sind für etwaige Gefährdungssituationen in den Familien und zumindest telefonisch oder über das Internet erreichbar sind“, heißt es in dem Aufruf von NACOA.

Infos

Release ist in Stuhr unter der Telefonnummer 0421/89 32 33 oder per

E-Mail an info@release-netz.de zu erreichen.

Von Andreas Hapke

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