Reinhard Windels überprüft die Bäume auf und am Gut Varrel

Kontrollgänge mit Hammer und Sonde

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Mit Hammer und Sonde „bewaffnet“, kontrolliert der Varreler Reinhard Windels Bäume am Gut.

Varrel - Von Andreas Hapke. Die Bäume auf und am Gut Varrel sind weitgehend noch in einem zufriedenstellenden Zustand. Wer das sagt, muss es wissen: Reinhard Windels ist Baumkontrolleur und überprüft, ob und inwieweit Eiche, Buche, Kastanie & Co. von Pilzen und Fäulnis befallen sind.

„Viele Bäume hier haben ihre Macken. Da müssen wir genauer hinsehen“, sagt Windels. Doch auch die dürfen meistens stehen bleiben. Sie dürfen ihre Äste verlieren oder auch komplett umfallen, so lange sie zum Beispiel Radfahrer auf der Zufahrt zum Sportplatz oder Spaziergänger auf den öffentlichen Wanderwegen nicht gefährden. Für die Verkehrssicherheit am Gut Varrel ist zwar die Gemeinde zuständig. Doch Windels und einige Mitstreiter stehen der Verwaltung bei Bedarf beratend zur Seite.

Windels ist gelernter Baumschüler, hat sich in Heidelberg zum Baumpfleger ausbilden lassen und in diesem Job 35 Jahre lang in Bremen gearbeitet. Durch Fortbildungen in Hamburg hat er sich als Baumkontrolleur qualifiziert. Seit kurzem ist er Mitglied im örtlichen Naturschutzbund, nachdem er dort im vergangenen Jahr einen Vortrag gehalten hatte.

Am Gut Varrel ist der 66-Jährige grundsätzlich unterwegs, wenn es einen Sturm gegeben hat, ansonsten in unregelmäßigen Abständen. Dann bewaffnet er sich mit einem Hammer, mit dem er Hohlräume in Bäumen feststellen kann, und einer Sonde, die ihm die Tiefe bereits vorhandener Löcher anzeigt.

Markante Linde direkt am Eingang

Zu den markanten Bäumen auf Gut Varrel zählt die große, alte Linde direkt am Eingang, aus Richtung Parklatz Varreler Feld. Teile des Baumes werden mit Gurten zusammengehalten, damit sie im Frühjahr, wenn die Blätter kommen und die Äste schwerer werden, nicht abbrechen. Vier, fünf Jahre sei es her, dass die Gurte angebracht wurden, sagt Windels. Deshalb sei es bald mal an der Zeit, sie zu überprüfen. Dafür besorgt sich der Baumkontrolleur einen Hubsteiger, mit dem er sich in Höhen über 20 Meter hieven lässt.

Aus einem entwurzelten Baum ragen die einstigen Äste nun selbst als Bäume in die Höhe.

Nicht weit davon entfernt steht eine Kastanie mit einem seitlichen Loch, entstanden durch einen herausgebrochenen Ast. Wenn das passiert, ist das ein Einfallstor für Fäule. Die kann aber auch an der Gabelung eines Baumes entstehen – dort, wo sich Wasser sammelt – und sich abwärts ausbreiten. Von unten können Pilze das Wurzelwerk angreifen, sie können aber auch jede andere Stelle befallen. Da hat jede Baumart ihr eigenes Päckchen zu tragen.

Unschwer zu erraten ist zum Beispiel, auf wen es der Erlen-Schillerporling abgesehen hat. An einer rund 90 Jahre alten Robinie, einer Scheinakazie, hat der Schwefelporling Braunfäule verursacht. „Die Robinie ist ein sehr widerstandsfähiger Baum mit einem der festesten Hölzer. Die baut sich selbst wieder auf“, sagt Windels. Eine Kastanie hingegen sei mit ihrem Weichholz ein sehr anfälliger Baum. Windels zeigt auf ein Exemplar, das gleich von allen seiner drei „Feinde“ bearbeitet wurde: von der Miniermotte, dem Kastanienrost, der die Blätter braun färbt, und die Pseudomonas. „Ein Sekret, das austritt und die Nahrungsbahnen verstopt“, erklärt Windels.

„Viele Sachen, wie die Natur sie schuf“

Grundsätzlich verfahren die Baumpfleger nach dem Prinzip, „einen Baum so lange wie möglich für die Umwelt zu erhalten“, erklärt Windels. Das ist am naturbelassenen Gut Varrel eher möglich als andernorts. Davon profitieren zum Beispiel Tiere wie der Specht, der leichter Löcher in das durch Fäule weich gewordene Holz hämmern kann. Eichhörnchen bauen ihre Nester in Hohlräume, und auch Fledermäuse fühlen sich dort wohl. „Hier kann man viele Sachen sehen, wie die Natur sie geschaffen hat“, sagt Windels. Drei Kastanien, die ineinander gewachsen sind; eine Esche, die ihre Krone nur einseitig ausgebildet hat, weil auf der anderen Seite mal eine Eiche stand; eine entwurzelte Buche, aus der Äste praktisch als eigenständige Bäume in die Höhe wachsen. Deshalb biete sich das Gut auch für Baumseminare an, sagt Windels. Das erste ist dort im vergangenen Jahr über die Bühne gegangen. „Baumkontrolleure können sich bei dieser Gelegenheit fortbilden. Von uns gibt es mehrere in Stuhr.“

Windels hat sich auch der Aufnahme des umfangreichen Bestands am Gut verschrieben. Er will alle größeren Bäume nummerieren und in einem Kataster sammeln. „Das ist ein Wahnsinnszeitaufwand“, sagt er. „Denn dazu muss man jeden Baum vermessen.“ Hinter der Scheune und auf dem Weg zum Parkplatz ist das zwar weitestgehend schon erledigt. Doch für den „Rest“ muss der Kontrolleur noch einige Male aufs Gut kommen.

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