Der Blutbär bekämpft das unerwünschte Jakobskreuzkraut, der Zünsler den beliebten Buchsbaum

Raupen, die nutzen, und Raupen, die schaden

Die Blutbärraupe, dein Freund und Helfer: Wer sie am Jakobskreuzkraut sieht, sollte nur die Blüte der Pflanze entsorgen.
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Die Blutbärraupe, dein Freund und Helfer: Wer sie am Jakobskreuzkraut sieht, sollte nur die Blüte der Pflanze entsorgen.
  • Andreas Hapke
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Stuhr – Es  blüht wieder gelb auf Stuhrer Wiesen. Das sieht zwar schön aus, doch wo sich das Jakobskreuzkraut ausgebreitet hat, wird es gefährlich für Mensch und Tier. Die Pflanzen bieten zwar zahlreichen Insekten Nahrung. Ihre Giftstoffe aber können die Leber und das zentrale Nervensystem schädigen. Außerdem stehen sie im Verdacht, krebserregend zu sein.

Stuhrs Umweltbeauftragter Marc Plitzko spricht von einer „exzessiven Ausbreitung“ des Krauts in verschiedenen Bereichen der Gemeinde, etwa an der Carl-Zeiss-Straße. Kein Wunder: Eine Pflanze könne 100 000 Samen hervorbringen, und in den durch die trockenen Jahre aufgebrochenen Böden könne sie sich optimal vermehren. „Wenn sie sich ein Mal etabliert hat, wird man ihr schwer Herr“, sagt Plitzko.

Nutztiere wie Schafe, Rinder und Pferde sind besonders gefährdet. Auf der Weide meiden sie die Pflanzen zwar wegen der abschreckenden Bitterstoffe. Doch sobald das Jacobskreuzkraut beim Mähen in das Heu oder die Silage gerät, erkennen die Tiere die Gefahr nicht mehr. Abgesehen davon wird das Heu belasteter Grünflächen praktisch wertlos. Laut Plitzko ist das insbesondere auf ökologisch bewirtschafteten Flächen ein Problem, da die Pflanzen dort nicht mit Herbiziden bekämpft werden dürften. Plitzko appelliert an die Eigentümer betroffener Flächen, „wie Sisyphos nicht nachzulassen, gegen das Jakobskreuzkraut anzugehen“. Die Pflanzen seien spätestens zur Blütezeit zu entfernen und in der Restabfalltonne zu entsorgen. Landwirte müssten beim „Extrembefall“ die ganze Fläche umpflügen.

Vorsicht sei jedoch geboten, wenn die Pflanze von der Raupe des Blutbären befallen sei. Denn der ist laut Plitzko „der einzige natürliche Feind des Jakobskreuzkrauts. Nach dem Befall kommt die Pflanze nicht wieder.“ Damit sich dieser Nützling in der Region weiter vermehren könne, sollten nur die Blütenköpfe abgeschnitten werden. „Die Pflanze aber nur mit Handschuhen anfassen, und die Pollen nicht einatmen“, warnt Plitzko.

Ob auch Honig von den Giftstoffen betroffen sei, vermag Plitzko nicht zu sagen. „Unsere Imkerschaft hat mich noch nicht angesprochen. Das scheint nicht so ein Problem zu sein.“ Gleichwohl würde er als Imker „meine Kästen nicht dort aufstellen, wo viele Pflanzen sind.“

Während der Blutbär als Nützling im Kampf gegen das Jakobskreuzkraut in Erscheinung tritt, macht eine andere Raupe seit einigen Jahren als Schädling von sich reden: der Buchsbaumzünsler, der zunächst die Blätter des Buchsbaums frisst und sich dann über die Rinde hermacht, wo sich laut Plitzko „die Gefäßleitungen für die Ernährung befinden“. Dies sei das „Todesurteil“. Die Pflanze habe keine Chance zu überleben.

Wer einen mit dem Zünsler befallenen Buchsbaum entdecke, solle die Raupen umgehend bekämpfen oder den Eigentümer über die Gefahren informieren, sagt Plitzko. Als biologisch unbedenkliche Mittel zur Bekämpfung nennt er parasitäre Bakterien mit dem Namen „Bazillus Thuringiensis“ – im Handel unter dem Namen Xentari zu finden, oder Neempräparate mit dem Wirkstoff Azadirachtin. „Andere Pflanzen wie Brennnesseln sollten aber nicht besprüht werden, da das Mittel dann Raupen vernichten könnte, die man nicht treffen möchte“, erklärt Plitzko.

Für den Umweltbeauftragten ist der Buchsbaumzünsler ein Beispiel dafür, wie im Rahmen der Globalisierung Tiere, Pflanzen und Pilze im Schlepptau der transportierten Waren auf andere Kontinente gelangten und dort die einheimischen Lebensräume beeinträchtigten. Besonders problematisch sei die Einfuhr von Pflanzen, da mit ihnen oft deren Schädlinge und Krankheitserreger importiert werden. Laut Plitzko ist der Buchsbaumzünsler mit Baumschulware aus Asien nach Europa gekommen. Ein weiteres Beispiel sei das Ulmensterben durch einen aus Nordamerika eingeführten Pilz.

Plitzko macht sich für die Wahl einheimischer Pflanzen stark. Dies verringere nicht nur die Gefahr, dass sich weitere Schädlinge etablierten. Es diene auch den Insekten, die leichter Nahrung finden würden. „Sie sind oft auf einheimische Pflanzen spezialisiert.“

Von Andreas Hapke

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