Startschuss fällt am 1. August

Raum für Kummer: Hospizverein Stuhr öffnet Trauercafé in Brinkum

Trauerbegleiterinnen im Rathaus Stuhr.
+
Sie freuen sich auf den Start des Trauercafés: (v.l.) Marianne Weyh, Ursula Krafeld und Christina Zeiss.

Mit der Eröffnung eines Trauercafés in Brinkum hat sich Ursula Krafeld, Koordinatorin des Hospizvereins Stuhr, einen lange gehegten Wunsch erfüllt. An jedem ersten Sonntag im Monat begrüßen Trauerbegleiter Erwachsene, die den Verlust eines nahestehenden Menschen erfahren haben. Start ist am 1. August.

Stuhr – Der Hospizverein Stuhr hat es sich zur Aufgabe gemacht, schwer kranken und sterbenden Menschen sowie deren Angehörigen beizustehen. Nun bietet er zusätzlich eine Unterstützung an, die Koordinatorin Ursula Krafeld schon seit Jahren in der Gemeinde etablieren möchte. Unter dem Motto „Trauer Raum geben“ öffnet an jedem ersten Sonntag eines Monats um 16 Uhr ein Trauercafé für Erwachsene, die den Verlust eines nahestehenden Menschen erfahren haben. Der Beginn ist am 1. August im Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde Brinkum.

Spätere Treffen würden Krafeld und ihre Mitstreiterinnen gerne in das Haus Lohmann verlegen. „Coronabedingt können wir uns jetzt noch nicht festlegen, obwohl die betroffenen Menschen einen vertrauten Ort brauchen“, sagt die Koordinatorin. Bis auf Weiteres sei der Besuch des Trauercafés an die Einhaltung des Hygienekonzepts geknüpft. „Wir brauchen erst mal einen großen Raum wegen der Abstandsregelung. Wir wollen aber trotzdem Nähe schaffen.“ Die genaue Adresse gibt es in den ersten Monaten bei der Anmeldung, die unerlässlich ist. Die Telefonnummer lautet 0152/51 41 68 15. Das Angebot ist kostenfrei.

Einen geliebten Menschen zu verlieren, löse unweigerlich unterschiedlichste Gefühle – etwa Schmerz, Trauer, Wut, Schuld, Hilflosigkeit oder Erleichterung – bei Hinterbliebenen aus, heißt es in der Pressemitteilung des Hospizvereins. Diesen Gefühlen und dem Alltag ohne die geliebte Person ausgeliefert zu sein, bereite Menschen häufig Probleme.

Geschützter Ort - hilfreich und wohltuend

Einen geschützten Ort zu haben, um sich über Gefühle, Erfahrungen und Nöte auszutauschen, mit „Gleichbetroffenen“, die Verständnis haben, sei hilfreich und wohltuend, weiß Marianne Weyh. Sie hat 13 Jahre für das Trauerland in Bremen Erwachsenengruppen moderiert. Ihr zur Seite stehen die Hospizbegleiterinnen Daniela Pursche und Christina Zeiss, die Fortbildungen zur Trauerbegleitung absolviert haben.

Laut Marianne Weyh beginnt jedes Treffen mit einer Begrüßungs- und Vorstellungsrunde, gefolgt von einer Phase mit Kaffeetrinken „in guter Atmosphäre“. Den Hauptteil bilde eine Gesprächsrunde mit Trauerfragen. In der Abschiedsrunde formuliere jede(r), was sie oder er sich Positives in den kommenden vier Wochen vornehme und wie das Befinden auf einer Skala von eins bis zehn sei.

„Wir hoffen, dass sich die Leute bei uns wohlfühlen und etwas davon mitnehmen. Sie sollen kein Problem haben, sich über Extremsituationen des Lebens zu äußern“, sagt Weyh. Sie wird im ersten Jahr jedes Trauercafé begleiten, im Wechsel unterstützt von Daniela Pursche oder Christina Zeiss.

„Bei drei Leuten ist gewährleistet, dass das Trauercafé immer stattfindet“, sagt Krafeld, die sich mit der Eröffnung einen langgehegten Wunsch erfüllt. Er geht auf das Jahr 2014 zurück, als sie im Rahmen ihrer Trauerqualifizierung eine Arbeit über ein mögliches Trauercafé in Brinkum geschrieben hatte. Als „visionäres Ziel“ stellt sich Krafeld ein Trauercafé in jedem Ortsteil der Gemeinde vor. Doch das ist nicht nur eine Frage des ehrenamtlichen Engagements, sondern auch der Finanzen. „Die große Qualifizierung ist sehr teuer, aber einer sollte die haben.“ Bei den anderen Helfern würde eine Fortbildung genügen.

Unterschiedlicher Umgang mit Trauer

Der Kontakt zum Hospizverein entstand, nachdem Weyh aus der Zeitung über eine Qualifizierung zur ehrenamtlichen Sterbebegleiterin erfahren hatte. „Ich habe mich gemeldet, aber beschlossen, dass das nicht mein Feld ist“, berichtet sie. Dann habe Krafeld wegen des Trauercafés angerufen.

Maximal acht Personen können teilnehmen. „Wenn es mehr werden, müssen wir die Menschen vertrösten, bis eine Fluktuation in der Gruppe eintritt“, erklärt Weyh. Eine Einzelbetreuung sei „nicht so gewünscht“. Doch wenn nötig, bestehe schon mal die Möglichkeit dazu. „Wir haben aber auch Adressen von Therapeuten.“

Aus ihrer Erfahrung weiß Weyh, dass Menschen sehr unterschiedlich mit ihrer Trauer umgehen: „Die einen platzen herein und brechen in Tränen aus, die anderen sitzen erst mal stumm da.“ In einem Fall hätte es vier Jahre gedauert, bis sich eine Frau geöffnet habe. Sie hatte ihren Mann verloren, ihr sechsjähriges Kind den Papa. Die Frau sei insgesamt zwölf Jahre dabei gewesen, habe inzwischen wieder geheiratet und ein Baby bekommen.

Man dürfe sich die Treffen nicht ausschließlich traurig vorstellen, betont Weyh. „Es wird auch viel gelacht, und die Teilnehmer tauschen Informationen aus.“ Wie bekomme ich die Waisenrente? Wie beantrage ich eine Kur? Solche Fragen beschäftigten die Teilnehmer, die „sehr dankbar“ seien.

Einen Austausch werde es auch unter den Trauerbegleitern geben. „Jeder erlebt das Treffen ja anders“, begründet Weyh. Christina Zeiss macht auf die Möglichkeit einer Supervision aufmerksam: „Da können wir alles loswerden, was uns auf der Seele liegt.“

Ursprünglich sei das Trauercafé als niederschwelliges Angebot für spontane Besuche gedacht gewesen, sagt Krafeld. Die coronabedingten Anmeldungen seien möglicherweise eine Hemmschwelle. Ihr Tipp: Betroffene könnten sich von einem Angehörigen begleiten lassen, „falls es beim ersten Mal schwierig sein sollte“.

Von Andreas Hapke

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Reiserückkehrer rausgerechnet: Landkreis Diepholz lockert Corona-Regeln

Reiserückkehrer rausgerechnet: Landkreis Diepholz lockert Corona-Regeln

Reiserückkehrer rausgerechnet: Landkreis Diepholz lockert Corona-Regeln
Unfall endet tödlich: Lkw erfasst Radfahrer zwischen Bassum und Harpstedt

Unfall endet tödlich: Lkw erfasst Radfahrer zwischen Bassum und Harpstedt

Unfall endet tödlich: Lkw erfasst Radfahrer zwischen Bassum und Harpstedt
A 1-Ausbau zwischen Ahlhorner Heide und Stuhr wirft Schatten voraus

A 1-Ausbau zwischen Ahlhorner Heide und Stuhr wirft Schatten voraus

A 1-Ausbau zwischen Ahlhorner Heide und Stuhr wirft Schatten voraus
Im Amtshof in Bruchhausen-Vilsen entstehen Wohngemeinschaften für Senioren

Im Amtshof in Bruchhausen-Vilsen entstehen Wohngemeinschaften für Senioren

Im Amtshof in Bruchhausen-Vilsen entstehen Wohngemeinschaften für Senioren

Kommentare