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„Rauchende Köpfe“ beim Schachturnier der Lise-Meitner-Schule

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Von: Andreas Hapke

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Höchste Konzentration: Fünf Spiele mit einer Bedenkzeit von maximal 15 Minuten pro Spieler und Partie standen für die Teilnehmer auf dem Programm.
Höchste Konzentration: Fünf Spiele mit einer Bedenkzeit von maximal 15 Minuten pro Spieler und Partie standen für die Teilnehmer auf dem Programm. © andreas hapke

Nach zweijähriger Corona-Pause hat die Lise-Meitner-Schule aus Moordeich wieder ein großes Schachturnier veranstaltet. Den Kindern und Jugendlichen rauchten beim Duellieren im Jugendtreff No Moor förmlich die Köpfe.

Moordeich – In seinem vierten Duell muss Ben Hartjen schnell die Segel streichen. Nachdem er die Dame verloren habe, sei es „vom Kopf her“ schwierig geworden, erklärt er. Schwacher Trost: Er hat soeben gegen den späteren Sieger seiner Altersklasse, Fabian Gesell, verloren.

Die beiden gehören zu den 30 Mädchen und Jungen, die am Dienstagnachmittag beim Schachturnier im Jugendtreff No Moor in Moordeich ihre Köpfe rauchen lassen. Die meisten sind Mitglieder der Schach-AG der Lise-Meitner-Schule, die den adventlichen Wettkampf erstmals nach zweijähriger Auszeit veranstaltet. Juraj Sivulka, Lehrer für Deutsch und Sport, und dessen Kollegin Jane Puchten (Englisch und Erdkunde) haben ihn gemeinsam organisiert.

Wettbewerb läuft inoffiziell als Diepholzer Kreismeisterschaft

Mangels eines Schachverbands im Landkreis Diepholz laufe der Wettbewerb inoffiziell als Kreismeisterschaft, erklärt Sivulka. Neben den Schülerinnen und Schülern der KGS Moordeich nehmen auch Jugendliche außerhalb Stuhrs an dem offenen Turnier teil. Und ausgerechnet die räumen am Ende in allen drei Altersklassen die ersten Plätze bei den Jungen ab.

Claas Albers aus Bookholzberg (Gemeinde Ganderkesee) etwa siegt bei den Grundschülern, Haiyang Yao vom Gymnasium in Bremen-Horn bei den Fünft- bis Siebtklässlern und Fabian Gesell von der KGS Leeste bei den Schülern des achten bis zehnten Jahrgangs.

Die Mädchen haben in Elisabeth Lisenko (Klasse fünf bis sieben) und Mayla Allhusen (Klasse acht bis zehn) ihre stärksten Teilnehmerinnen. Eine Grundschülerin ist nicht an den Start gegangen.

Die Auswertung übernahmen Stefan Menke und Heiko Fischer von der Schachabteilung des TuS Varrel.

Über Vater und Freunde zum Denksport gekommen

Gemeinsam mit seinem Mannschaftskameraden Tom Rehpenn ist Fabian Gesell als Favorit in das Turnier gegangen. Der 15-Jährige spielt seit 2014 Schach, als Mitglied des TuS Varrel ist das inzwischen regelmäßig der Fall: dienstags Training und an Wochenenden Turniere. Er sei über seinen Vater und Freunde an diesen Denksport gekommen. „Mir macht das Spaß, und auch Freundschaften sind dabei schon entstanden“, berichtet er. Mit seinem Team vom TuS Varrel hätte er sich in der vergangenen Saison fast für die Jugend-Regionalliga qualifiziert. „Aber wir haben gegen Bremen verloren. Die sind sehr, sehr gut.“

Sehr, sehr gut sei dafür der Anteil des Nachwuchses in der Schachabteilung des TuS Varrel, findet Stefan Menke. „Für die Größe des Vereins haben wir richtig viele Jugendliche.“ 12 der 36 Aktiven seien unter 18 Jahren. „Im Vergleich zu Delmenhorst oder Bremen-Findorff ist das eine hohe Quote.“ Die Jugendlichen würden durch Mundpropaganda auf den TuS aufmerksam, auch durch Zeitungsartikel und Turniere, sagt Menke. Turniere wie das der KGS Moordeich.

Kinder lernen, mit Niederlagen umzugehen

Dann geht die Tür auf und der 13-Jährige Lino Kramer verlässt den Raum mit den Spielbrettern. Er hat in seiner vierten Partie ein Patt erreicht und zeigt sich damit zufrieden. „Wenn man am Verlieren ist, spielt man auf Patt. Ich war zwar noch nicht Schach, doch mein Gegner hat mich in die Lage gebracht, dass ich mich nicht mehr bewegen konnte.“

„Die Kinder lernen, mit Niederlagen umzugehen“, führt Fischer einen wichtigen Aspekt des Denksports an. Er hatte selbst an der Lise-Meitner-Schule am Brett gesessen. „Seit dem fünften Schuljahr“, sagt er. 1998 wurde er Mitglied beim TuS Varrel, inzwischen ist er Präsident der Schachabteilung. Mit dem SV Werder Bremen „um die Ecke“ habe der TuS eine große Konkurrenz, „die bieten viel an“. Doch in der Region Stuhr/Weyhe habe der Verein ein Alleinstellungsmerkmal. Das gilt wohl auch für das Schachturnier: „30 Kinder bei dem Wettbewerb, das ist schon eine Hausnummer“, sagt Fischer.

Im Laufe der Jahre ist die Veranstaltung immer größer geworden

Laut Sivulka ist der Wettbewerb im Laufe der Jahre immer größer geworden. Diesmal macht sich das an den hochwertigen Preisen bemerkbar – viele gestiftet vom Versand Euro Schach International in Dresden. Unter anderem Schachspiele und -bücher gab es zu gewinnen, dazu Pokale für die besten fünf Teilnehmer der jeweiligen Altersklassen sowie für jeden eine Urkunde und eine Fachzeitschrift, letztere auch von Euro Schach International. Die Kreissparkasse und der Schulförderverein haben sich ebenfalls beteiligt.

„Man fühlt sich verpflichtet, dem Nachwuchs die Möglichkeit zu geben, sich zu vergleichen“, sagt Sivulka, der auch gemeinsam mit der Sykerin Vera Jürgens die 20-köpfige Schach-AG der Schule leitet. Beim Turnier habe jeder seine Aufgabe, „alles greift ineinander. Nur, wenn jeder anpackt, kann man eine Veranstaltung auf diesem Niveau anbieten.“

Dass der Kinderkochklub des No Moor am Dienstag fleißig Crêpes für Schachspieler und Organisatoren zubereitet hat, dürfte das Niveau zusätzlich angehoben haben.

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