Rathausmitarbeiter Hans Schüler wird für drei Wochen ein Stadtradler-Star

Nur ein Sturz und drei platte Reifen in mehr als 30 Jahren

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Hans Schüler auf den letzten Metern zu seinem Arbeitsplatz, dem Stuhrer Rathaus.

Stuhr - Von Andreas Hapke. Ab dem 29. Juni ist Hans Schüler nicht mehr nur Teamleiter Jugendarbeit im Rathaus Stuhr. Für drei Wochen darf er sich auch Stadtradler-Star nennen. In dieser Zeit muss er sämtliche Fahrten mit dem Drahtesel zurücklegen, nur der öffentliche Personennahverkehr ist als Alternative zugelassen.

Auf Initiative des Klimaschutzmanagers Colja Beyer nehmen die Gemeinden Stuhr und Weyhe erstmals am deutschlandweiten Wettbewerb „Stadtradeln“ des Klima-Bündnisses teil (wir berichteten). Zum einen geht es darum, dass möglichst viele Bewohner drei Wochen lang beruflich und privat viele Fahrradkilometer sammeln. Zum anderen kann die Gemeinde auch Stadtradler-Stars ins Rennen schicken, die in dieser Zeit komplett auf das Auto verzichten. Sie dürfen noch nicht einmal Taxi fahren oder sich von Freunden und Bekannten chauffieren lassen.

Nicht von ungefähr hatte Beyer die Idee, Hans Schüler anzusprechen. Seit mehr als 30 Jahren kommt der 62-Jährige mit dem Fahrrad zur Arbeit. Dass er als Stadtradler-Star auch privat das Auto stehen lassen muss, bereitet ihm keine Kopfschmerzen. Seinen Toyota Yaris nutze er ohnehin immer seltener. Drei Wochen lang bewusst und gezielt auf einen Wagen zu verzichten, sei zwar auch für ihn neu. „Doch ich bin optimistisch, dass mir das gelingt“, sagt Schüler. „Wenngleich es sicherlich zwei, drei Momente geben wird, in denen ich überlegen muss, wie ich das löse. Im Zweifel travelling with Deutsche Bahn.“

40 Minuten benötigt Schüler für die elf Kilometer lange Strecke von Bremer-Findorff zum Rathaus in Stuhr. Das halte fit und dauere nicht viel länger als mit dem Auto, findet er. Vor allem auf die Rückfahrt treffe das zu, wenn es nachmittags mal wieder einen Stau auf der Bundesstraße 75 gebe. Dass er sich auf dem Weg nach Hause noch einmal den Arbeitstag durch den Kopf gehen lassen kann, hat Schüler ebenfalls schätzen gelernt. Dafür nimmt er es in Kauf, dass ihn ein paar Ampeln nerven, „an denen man gefühlt stundenlang steht“.

In all den Jahren habe es ein einziges Mal derart geregnet, dass er sich von den Rathauskollegen Ersatzkleidung zusammenleihen musste. Außerdem beinhaltet seine Bilanz drei platte Reifen und einen Sturz auf glatter Schneepiste. „Damals hatte ich mir in den Kopf gesetzt, den ganzen Winter durchzufahren. Das war vielleicht zu ehrgeizig, aber ich habe es geschafft.“ Passiert sei das auf Bremer Gebiet. „Wenn man die Landesgrenze überquert, sind die Straßen frei, der Baubetriebshof war schon da.“

Nur in Ausnahmefällen steigt Schüler beruflich aufs Auto um. Die Bequemlichkeit siegt dann, wenn er sehr früh anfangen muss oder ein Termin in einer anderen Landkreis-Kommune im Kalender steht. Innerhalb Stuhrs kommt das für ihn nicht in Frage. „Zum Jugendhaus in Moordeich zum Beispiel bin ich durch das Biotop schneller als mit dem Auto“, sagt Schüler. Wenn er sein 27-Gang-Tourenrad zur Inspektion gibt, kommt das Vorgängermodell zum Einsatz.

Eigentlich logisch, dass die Schülers auch in ihren Urlauben nicht aufs Fahrrad verzichten. Donau, Weser, Werra und Fulda? „Alles schon abgeradelt“, sagt Schüler. Inzwischen geht es querfeldein, um von Bremen nach Saarbrücken zu gelangen. Hans Schüler, so scheint es, müsste man schon eine Falle stellen, damit er als Stadtradler-Star scheitert.

www.stadtradeln.de

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