25 Jahre im Stuhrer Rat

Brinkumer Gerd-W. Bode: Querdenker ohne Bezug zur Bewegung

Für seine 25-jährige Ratszugehörigkeit wurde Gerd-W. Bode von Bürgermeister Stephan Korte (l.) und Jan Arning, Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Städtetages, geehrt.
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Für seine 25-jährige Ratszugehörigkeit wurde Gerd-W. Bode von Bürgermeister Stephan Korte (l.) und Jan Arning, Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Städtetages, geehrt.

Der Brinkumer Gerd-W. Bode wurde für seine 25-jährige Ratszugehörigkeit geehrt. Nach eigener Auskunft hat Bode sich und seine Fraktion immer als „konstruktive Opposition“ gesehen. „Wir sind nicht gegen alles. Wir sind Querdenker, aber ohne Bezug zu dieser Bewegung“, betont der „Besser“-Chef.

Brinkum – „Wer im Boule verliert, der muss – oder darf? – den Po der hübschen Kellnerin Fanny küssen.“ So besagt es eine aus Frankreich stammende Legende. Aus Frankreich stammte auch ein Plakat, das Gerd-W. Bode mit nach Brinkum brachte, um damit ein Boule-Turnier anzukündigen. Es zeigte eine Frau mit laut Bode „gelüftetem Rock“, was in den 1980er-Jahren wohl auch in Deutschland kein Problem gewesen wäre.

Hätte es der Brinkumer nicht im Rathaus aufgehangen.

„Eine Frauengruppe hat das Plakat von der Wand gerissen“, erinnert sich Bode. Das Thema habe es bis in eine öffentliche Sitzung des Gemeinderates geschafft, dem er seinerzeit als FDP-Ratsherr angehörte. „Realsatire“ nennt er diesen Auftakt seiner politischen Karriere.

In der jüngsten Ratssitzung wurde der Brinkumer für seine 25-jährige Ratszugehörigkeit geehrt. Sowohl Jan Arning, Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Städtetages, als auch Stuhrs Bürgermeister Stephan Korte lobten das Engagement von Gerd-W. Bode. Dieser spricht zwar von einem „unspektakulären“ Ereignis. Aber auch davon, „dass einem die Anerkennung guttut“.

Comeback 2001 mit dem Verein „Besser“

Bode kam auf Anfrage des Liberalen Jürgen Timm als parteiloses Mitglied der FDP-Fraktion in das Kommunalparlament, verließ die Liberalen aber nach dem „Po-Skandal“ wieder. „Ich fühlte mich plötzlich allein im Rat“, erinnert er sich. Rückhalt habe er auch aus den Reihen der FDP nicht gespürt. Also machte er bis zum Ablauf der Wahlperiode 1996 als Einzelkämpfer weiter. Für die nächste Wahlperiode reichte es als Einzelkandidat nicht. Sein Comeback feierte Bode 2001 mit dem Verein „Besser“, entstanden aus einer Stehtischrunde im Lokal Nickelodeon. Das Motto: „Wir wollen den Parteien mal zeigen, wie Politik gemacht wird.“

Anerkennung brauche seine Zeit – die Worte des aktuellen Wirtschaftsnobelpreisträgers Joshua D. Angrist findet Bode angemessen. Nicht nur, was seine jüngste Ehrung angeht. Denn mit einem langen Atem kennt sich der Tierarzt auch in inhaltlichen Fragen aus. Seit 30 Jahren setzt er sich für einen Marktplatz in Brinkum ein, bei dem Thema sprudelt es nur so aus ihm heraus. Klar, dass das Thema auch einen Schwerpunkt der Ratsarbeit von „Besser“ wurde. „Wir hatten schon immer den Wunsch nach einem Platz als Treffpunkt, nicht nur als Einkaufsmeile“, sagt Bode.

Wäre es nach ihm gegangen, hätte es für den Ortskern keinen Investorenwettbewerb gegeben, sondern einen städteplanerischen Wettbewerb, „wie wir ihn vor zehn Jahren vorgeschlagen hatten. Der muss nach einem Jahr abgeschlossen sein. Den Marktplatz hätten wir dann innerhalb von zwei, drei Jahren gehabt.“

Bode weiß, dass er mit solchen Vorschlägen oft im Rat aneckt. „Alle sind sich einig, und dann kommt ,Besser’ und hinterfragt das Ganze. Dann steht man in der Öffentlichkeit als jemand da, der querschießt. Für mich schießen die anderen quer.“

Meinungsbildung und demokratische Vielfalt in der Gemeinde Stuhr

Bode teile im Rat „nicht immer die Mehrheitsmeinung“ – so hat es Korte in seiner Laudatio formuliert. „Aber Sie bringen Ihren Standpunkt ein, fordern andere heraus und bereichern damit die Debatte und die Meinungsbildung und damit die demokratische Vielfalt in der Gemeinde Stuhr.“

Er versuche, mit seinen Beiträgen „was rauszukitzeln, was sonst nicht gesagt worden wäre“, sagt Bode. „Ich provoziere gerne Aussagen, um möglichst viel an die Öffentlichkeit zu kriegen.“ Es gehe ihm um Transparenz.

Nach eigener Auskunft hat Bode sich und seine Fraktion immer als „konstruktive Opposition“ gesehen. „Wir sind nicht gegen alles. Wir sind Querdenker, aber ohne Bezug zu dieser Bewegung“, betont der „Besser“-Chef. Und: „Wir sind nicht da, um zu verhindern, sondern um darauf hinzuweisen, was aus unserer Sicht und der der Bürger falsch läuft. Damit stehen wir oft alleine da.“

Dabei habe „Besser“ vieles mitgetragen, betont Bode und nennt die Schulpolitik, allen voran die KGS-Sanierung, als Beispiel. „So ein Riesending kann nur in Zusammenarbeit aller gelingen.“ Das Kita-Konzept treffe ebenfalls auf die Zustimmung der Fraktion, auch wenn sie mit den Standorten in Blocken und An den Roden nicht einverstanden gewesen sei. Dass Bode und „Besser“ die Linie 8 hinterfragen, ist hinlänglich bekannt. „Mich stört, dass dies inzwischen ein Tabuthema geworden ist“, sagt er.

Thema Ortskerngestaltung in Stuhr

Mit der Vergabe der Ortskerngestaltung an einen Investor ist laut Bode zwar noch keine Entscheidung über die Gestaltung des Marktplatzes selbst gefallen. „Das kommt im nächsten Schritt“, sagt er. „Doch wenn das fertig ist, ist zum Schluss noch eingetreten, wofür wir angetreten sind.“ Ähnliches gelte für das Schwimmbad, das „Besser“ erstmals 2001 gefordert habe und inzwischen mehrheitlich abgesegnet wurde. „Der Kreis schließt sich“, sagt Bode. Zur Kommunalwahl war „Besser“ unter anderem mit der Forderung nach einem kostenlosen ÖPNV angetreten. „Weil es von uns kommt, sucht man bestimmt erst nach Argumenten dagegen“, unkt er.

Zwei ihrer vier Mandate hat „Besser“ bei den Wahlen verloren. Weil der Verein nicht über Parteistrukturen verfüge, habe ihn die Pandemie besonders hart getroffen, sagt Bode. „Unser Austausch hat praktisch brachgelegen. Wir haben einen schlechten Wahlkampf gemacht“, gibt er unumwunden zu. „Doch wir haben auch etwas zu hoch verloren. Die AfD hat uns in Stuhr Stimmen gekostet. Ich denke, das liegt im Bereich eines dritten Sitzes.“

Wie lang er noch Politik als Ratsherr machen möchte? „Mit dem aktuellen Team haben wir im Moment ein Alter erreicht, dass wir nach der kommenden Wahlperiode nicht weitermachen können. Wir brauchen Nachwuchs“, stellt Bode fest. Sollte das klappen, würde er nach der kommenden wohl noch eine weitere Wahlperiode dranhängen und dann „in zweiter oder dritter Reihe“ wirken. Als Frontmann allerdings habe sich auch dieser Kreis für ihn nach den nächsten fünf Jahren geschlossen.

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