Förderverein Gut Varrel stellt bei der Gutsscheune Nisthilfe für Wildbienen auf

Qualitätsbau mit Südlage

„Und hepp! Klaus Torns (links) reicht Michael Hoppe die Dachpfannen für das Wildbienenhaus an. Foto: Rainer Jysch

Varrel - Von Rainer Jysch. Neben Zwetschgen-, Birnen- und Apfelbäumen haben fleißige Helfer des Fördervereins Gut Varrel am Samstag ein Wildbienenhaus errichtet.

Das Insektenhotel wurden von der Arbeitsgruppe Wildbienen des Fördervereins initiiert und von den gelernten Zimmererleuten Gerd und Michael Hoppe (Vater und Sohn) aufgestellt. Unterstützung bekamen sie dabei von Klaus Torns, der auch die Idee für das Aufstellen der Nisthilfe hatte.

Das Wildbienenhaus ist als Brut- und Überwinterungsstätte für heimische Solitär-Insekten gedacht und hat seinen Standort in Südausrichtung hinter der Gutsscheune. Monika Stöhr und Rita Wolff aus dem Wildbienen-Projektteam haben die Betreuung übernommen.

Über 550 verschiedene Wildbienenarten gibt es in Deutschland. Allein in Niedersachsen sollen es etwa 360 sein. „Mehr als die Hälfte ist in ihrem Bestand gefährdet“, informiert eine am Wildbienenhaus angebrachte Tafel.

Das aus massivem Holz einer Douglasie errichtete, etwa 2,50 Meter hohe Wildbienenhaus wurde mit historischen, handgemachten Dachpfannen aus Ton eingedeckt. „Die gibt es heute in dieser Qualität gar nicht mehr“, sagt Zimmerer Gerd Hoppe. „Diese stammen von einem Abbruchhaus in Groß Mackenstedt und wurden in den 1940er Jahren gebrannt. Die Abdeckungen für den Dachfirst sind sogar noch 20 Jahre älter.“

Gerd und Michael Hoppe haben sich in den letzten Jahren auf den Bau solcher Insektenhotels spezialisiert. Bei verschiedenen Gartenbaubetrieben in der Region stehen baugleiche Haustypen, die von den beiden Zimmerleuten angefertigt wurden.

Charakteristisch für das Wildbienenhaus sind waagerechte Röhren aus Schilf, Reet, Bambus oder anderem Naturmaterial. Sie dienen als Niststätten, ebenso wie aufgesägte Baustämme. Für die Eilablage wird eine Weite von zwei bis neun Millimetern und eine Tiefe von vier bis zehn Zentimetern benötigt.

„Das Wildbienenhaus ist eine reine Nisthilfe“, erklärt Rita Wolff. Nur rund 30 Prozent der Wildbienen gingen überhaupt in diese Höhlen. „Der Rest brütet in der Erde, in markhaltigen Pflanzenstängeln oder unter Steinen.“ Seit acht Jahren beschäftigt sich Rita Wolff mit dem Leben der Wildbienen und hat sich als „interessierter Naturmensch“ intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt.

„Wir werden ganz schnell feststellen, ob das hier der richtige Standort ist“, meint sie und ergänzt: „Die Frage ist, ob in der Umgebung genügend Nistmaterial, Blumen, Pflanzen, Bäume und Hecken da sind, die von den Wildbienen angenommen werden.“

Anders als Honigbienen, seien Wildbienenarten spezialisiert und angewiesen auf bestimmte Wildblumenarten für ihre Brut. So würden die verschiedenen Blütenbesucher auch in den Wettbewerb treten um Nektar und Pollen der Wildblumen.

„Was das Bestäuben anbetrifft, sind die Wildbienen für uns viel wichtiger als die Honigbienen“, hat die Naturexpertin herausgefunden.

„Wildbienen sind sehr standorttreu“, weiß Rita Wolff. „Wer hier im nächsten Jahr ausschlüpft, der bleibt auch und geht später in dieselben Niströhren hinein, macht sie sauber und legt dann dort die einzelnen Nistzellen an.“

Nach der Paarung leben die Weibchen noch rund vier bis sechs Wochen und versorgen während dieser Zeit die Brutzellen. Die weiblichen Löcherbienen bauen ihre Nester ohne Hilfe von Artgenossen. Wenn die Nachkommen nach Monaten schlüpfen, lebt die Müttergeneration schon nicht mehr.

„Es ist daher sehr wichtig, dass die Brut durchkommt und wenig Pestizide im Umfeld sind“, so Wolff. Sie wünscht sich, dass in der Umgebung Wildblumensamen ausgebracht werden, damit das Nahrungsangebot vielseitiger wird. „Man muss den Wildbienen eine ganze Menge anbieten.“

Auch die Nähe zum Wasser der Varreler Bäke sei wichtig. „Um die Röhrchen zu verschließen, nehmen die Bienen nicht nur ihren Speichel, sondern brauchen auch Wasser, Lehm oder Baumharz.“

Für entscheidend hält sie aber: „Nur wenn die Bienen hier Nahrung finden, siedeln sie sich auch an. Wir werden die Entwicklung hier beobachten. Ich denke, dass wir im Herbst mehr wissen.“

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