Die Wilde Bühne Bremen spielt „Ich habe einen Traum“ an der KGS Brinkum

Puzzlestück der Präventionsarbeit

Eine Szene aus dem Theaterstück „Ich habe einen Traum“. Foto: Karsten Klama

Brinkum - Von Andreas Hapke. Almaz ist mit vier Jahren nach Deutschland gekommen und als junge Frau immer noch auf der Suche nach einer neuen Heimat. Mit Gewalt aufgewachsen, ist sie nun selbst ausgerastet und hat einen Menschen schwer verletzt. Auch das Leben von Felix und Emma schwankt zwischen Bedeutungslosigkeit, der Banalität des Alltags, verlorenen Träumen und dem Kick des Verbotenen. Alle drei sind straffällig geworden.

„Ich habe einen Traum“, heißt das Theaterstück, das die Wilde Bühne Bremen am Mittwoch, 5. Februar, an der KGS Brinkum aufführt. Und klar: Der Titel ist angelehnt an die berühmte Rede von Martin Luther King im Jahr 1963 vor 250 000 Menschen in Washington. Er hatte sich dem gewaltfreien Kampf für die Gleichstellung der Afroamerikaner in den USA verschrieben.

Gewaltfreiheit, Zukunftsträume und Radikalität – darum geht es auch in der Geschichte von Almaz, Felix und Emma. Was könnte sich besser eignen für die Gewaltprävention an Schulen?

Nach Auskunft der Sozialpädagogin Annika Reiners richtet sich das Stück an Schülerinnen und Schüler des neunten Jahrgangs, und zwar schulübergreifend. Der einstündigen Aufführung folgt ein Reflexionsgespräch mit den Schauspielern. Um welche Fragen es dann gehen könnte, ist dem Internetauftritt der Wilden Bühne zu entnehmen. Was verstehst du unter Freundschaft, Verrat und Ehre? Wie gehst du mit Unterdrückung, Vorurteilen und Rassismus um? Wovon träumst du? Konflikte friedlich lösen – geht das?

Laut Annika Reiners kommt sogar eine neunte Klasse in den Genuss eines Workshops mit der Wilden Bühne. Vorgesehen ist das für den 13. Februar. „Dann wollen wir das Thema vertiefen“, sagt sie.

Bei den Schauspielern handelt es sich um Laiendarsteller mit eigenen Suchterfahrungen. „Das ist eine ganz andere Authentizität“, betont Reiners. Die Vorstellung baue auf Projekte aus vorangegangenen Schuljahren auf, etwa die Teilnahme an der „Nacht der Jugend“ und an die Ausstellung des Verfassungsschutzes zum Thema Rechtsextremismus.

Die KGS habe eigentlich für jede Jahrgangsstufe spezielle Angebote, stellt Annika Reiners fest. Das zweitägige Projekt „Wir sind stark“ in Zusammenarbeit mit der Polizei etwa richte sich an die Siebtklässler; im achten Schuljahr gibt es die Streitschlichter, die Medienscouts und den Besuch des ebenfalls auf Medienkompetenz abzielenden Vereins Smiley. „Nur für den neunten Jahrgang hatten wir bislang nicht so viel“, sagt Annika Reiners.

Das Stück „Ich habe einen Traum“ sei ein weiterer Baustein in der Präventionsarbeit der KGS, es sei vorerst als Testlauf gedacht.

An einer Schule mit 1 350 Mädchen und Jungen ist solch ein Puzzlestück notwendig. Es komme immer wieder mal zu Konflikten, auch gewalttätiger Art, sagt die Sozialpädagogin. „Ich weiß nicht, ob es an der KGS extremer zugeht als an anderen Schulen. Doch es ist sinnvoll, dorthin zu schauen. Wir wollen den Feuerlöscher nicht erst kaufen, wenn es brennt.“

Die Schüler wüssten solche Angebote zu schätzen – nicht nur, weil dies unterrichtsfrei bedeute. „Sie freuen sich auf den Workshop“, sagt Reiners, und sie sich auch: „Mit dem Theaterstück erreicht man nicht jeden Einzelnen.“

Sicher sei, dass es auch nach dem vom Schulförderverein finanzierten Projekt noch Konflikte geben werde. „In den Fall wissen die Schüler, wo sie uns erreichen“, sagt Reiners. Sie sowie ihre Kolleginnen Stefanie von Bargen und Ariane Vollmer seien Ansprechpartnerinnen für „alle aus der Schulgemeinschaft“, also auch für Lehrer und Eltern.

Schon die Fünftklässler würden zu ihnen kommen, denn sie wüssten, „dass wir nicht die sind, die bewerten“, und dass ihre Anliegen nicht nach außen dringen. „Straftatbestände allerdings laufen nicht nur über unseren Schreibtisch. Da sind wir in der Schule gut vernetzt.“

In dem Theaterstück werden Almaz, Felix und Emma zu Sozialstunden im Altenheim verurteilt. Dazu muss es nicht kommen. Aber vielleicht profitieren die drei ja noch von der Begegnung mit dem Pazifisten Roman und der alten Dame Elsa . . .

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