Projekttage Berufsorientierung an der Lise-Meitner-Schule in Moordeich

„Altenpflege hat auch mit Ekel und Überwindung zu tun“

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Im Alter hat man es nicht leicht. Diese Erfahrung machen Haupt- und Realschüler der KGS Moordeich während der drei Projekttage zur Berufsorientierung.

Moordeich - Von Andreas Hapke. Die Lise-Meitner-Schule in Moordeich darf für weitere drei Jahre das Gütesiegel „Berufswahl und ausbildungsfreundliche Schule“ tragen. Die kürzlich verliehene Zertifizierung honoriert, dass sie sich in besonderer Weise um die Berufswahl und die Studienvorbereitung ihrer Schüler kümmert und dies nachhaltig in ihren Arbeitsstrukturen verankert. Ein Beispiel für dieses Engagement bilden die aktuell laufenden Projekttage zur Berufsorientierung für Jugendliche des achten Hauptschul- und neunten Realschuljahrgangs.

Die Lehrerinnen Imke Clasen und Dirka Schweer-Hots haben damit aus der Not eine Tugend gemacht. Üblicherweise verbringen die Realschüler im Frühjahr drei Tage, die Hauptschüler sogar eine ganze Woche in den Berufsbildenden Schulen in Syke. Dort tauchen sie intensiver in Berufe des von ihnen gewählten, pro Woche vierstündigen Profils ein. In diesem Jahr habe die BBS aber aus personellen Gründen abgesagt, berichtet Dirka Schweer-Hots. Also musste ein anderes Programm her für die insgesamt 98 Schüler der Schwerpunkte Wirtschaft, Technik sowie Gesundheit und Soziales und für die 26 Jugendlichen, die Französisch gewählt hatten.

In Zusammenarbeit mit den Kollegen der Profilfächer entwickelten die Pädagoginnen einen Mix aus Stationen in der Schule und Exkursionen, zum Beispiel in Betriebe. Dirka Schweer-Hots spricht von einem „fachspezifischen und handlungsorientierten“ Angebot, das am Montag und Dienstag für die Schüler beider Schulzweige und unabhängig von ihren Schwerpunkten offen war. Heute sind die Jugendlichen wieder in ihren jeweiligen Profilen unterwegs.

In der Schulküche ging es gestern um die Pflegeberufe und darum, dass die Schüler zunächst ein Gefühl dafür entwickeln sollten, wie es ist, sich alt, krank und gebrechlich zu fühlen. Tim aus der Klasse R9b etwa bahnte sich behäbig seinen Weg durch den Raum. Er hatte sich einen mit Gewichten versehenen Anzug übergezogen, der Alterserscheinungen wie gebücktes Gehen und schwere Füße simulieren sollte. An einer Stelle legten Schüler blind Wäsche zusammen, an einer anderen lagen vier Brillen bereit, die Augenkrankheiten wie den grauen Star oder Netzhautablösung erfahrbar machten. An die Tafel waren Informationen zu unterschiedlichen Pflegeberufen gepinnt.

Schlechte Bezahlung, hohe Belastung

„Manche Bereiche der Altenpflege haben mit Ekel und Überwindung zu tun“, sagte Simone Lucas, Lehrerin für Gesundheit und Soziales, die attraktivere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten forderte. Aufgrund der aktuell hohen Belastung und schlechten Bezahlung könne sie ihren Schülern den Beruf nicht empfehlen. Trotzdem wollte Dana aus der R 9a dies als Alternative nicht ausschließen. „Das ist eine gute Möglichkeit, Menschen zu helfen, die Hilfe brauchen“, sagte sie. Sie strebe allerdings erst einmal das Abitur an.

Bei Lehrer Sven Lübben tummelten sich 26 Schüler, um am Computer mit Umsatzzahlen zu jonglieren, Aufträge abzuarbeiten sowie Gewinne und Verluste zu berechnen. Alles, was man in der Buchhaltung braucht“, sagte Lübben. Auf Nachfrage konnte sich aber nur ein Mädchen vorstellen, später in einem kaufmännischen Job zu arbeiten. Diejenigen, die sich für technische Berufe interessierten, verbrachten den Tag im Universum, die Franzosen besuchten Airbus.

Heute begeben sich die Schüler der Profile Wirtschaft sowie Gesundheit und Soziales nach draußen, ein Altenheim beziehungsweise die Papenburger Meyer-Werft bilden die Ziele. Im Gegenzug verbringen die Franzosen und die Techniker den Mittwoch in der Schule, letztere um sich mit den Themen Metallverarbeitung und Fliegen zu beschäftigen.

Alle Schüler sind angehalten, die Projekttage in schriftlicher Form zu bewerten. Unter anderem von diesen Rückmeldungen möchte die KGS Moordeich eine Wiederauflage im kommenden Jahr abhängig machen.

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