Seit fünf Jahren Sprechstunden in Stuhr

Beratungsstelle für Frauen und Mädchen: Probleme werden komplexer

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Manuela Grambart-Fiefeick berät Frauen und Mädchen – kostenlos und vertraulich.

Seit fünf Jahren bietet die Syker Beratungsstelle für Frauen und Mädchen eine offene Sprechstunde in Stuhr an. Manche, die dort Hilfe suchen, werden zu Hause geschlagen. Andere müssen um den Unterhalt für ihre Kinder kämpfen oder leiden unter Stalking. Auch Mobbing zählt zu den Problemen, mit denen sich Hilfesuchende in der Sprechstunde an Beraterin Manuela Grambart-Fiefeick wenden. „Insgesamt wächst der Beratungsbedarf“, sagt die Diplom-Sozialpädagogin.

Stuhr - Von Katharina Schmidt. „Fünf Jahre ... Dass es schon so lange her ist, ist einem gar nicht so bewusst“, meint sie, lächelt und schüttelt leicht den Kopf. In der Zeit hat die Syker Beratungsstelle vielen Frauen geholfen – jährlich rund 140 bis 180 Betroffenen, um genauer zu sein. Etwa 20 bis 25 Prozent davon kommen laut Grambart-Fiefeick aus der Gemeinde Stuhr.

Die Zahl der Klientinnen ist über die Jahre gar nicht so stark gestiegen. Dafür allerdings die der Beratungsgespräche (pro Frau sind mehrere Gespräche möglich). Im vergangenen Jahr waren es 226 – und damit knapp 40 Prozent mehr als noch vor fünf Jahren.

„In den letzten Jahren ist der Beratungsbedarf pro Frau gestiegen, weil die Probleme multipler geworden sind“, erklärt Manuela Grambart-Fiefeick. Ein Aspekt sei der Mangel an bezahlbarem Wohnraum. „Wenn die Frau die Familie verlässt, fällt es ihr oft schwer, eine Wohnung zu finden“, führt die Beraterin aus. Schlechte Karten hätten gerade Alleinerziehende, bei denen nicht klar sei, ob der Mann Unterhalt zahlt.

„Trennung oft mit Verletzungen auf beiden Seiten“

„So eine Trennung ist oft mit Verletzungen auf beiden Seiten verbunden. Da werden Kämpfe auf Paarebene ausgetragen, die oft auch zulasten der Kinder gehen“, erzählt Grambart-Fiefeick.

Für viele Frauen sei es eine Hürde, für ein Beratungsgespräch in einen anderen Ort zu fahren. Nicht alle hätten ein Auto, und oft müssten Mütter kleine Kinder mitnehmen. Dies war der Hauptgrund, warum die Beratungsstelle vor fünf Jahren beschlossen hat, neben den Sprechstunden in Syke auch eine in Stuhr anzubieten. Diese ist immer am ersten Freitag im Monat im Treffpunkt „Sie(h)da“ in Brinkum.

„Einmal im Monat ist relativ selten“, bedauert Grambart-Fiefeick. „Ich würde gerne mehr machen. Aber das ist zeitlich nicht möglich.“ Ihre Stelle umfasst 19,25 Wochenstunden. In diesen bietet sie nicht nur die Sprechstunden in Stuhr und Syke an. Sie berät Frauen und Mädchen auch in persönlich vereinbarten Gesprächen, betreut Opfer häuslicher Gewalt nach ihrer Zeit im Frauenhaus und vernetzt sich – um nur einige Beispiele für ihre Aufgaben zu nennen.

Persönliche Betreuung hat Priorität

Die persönliche Betreuung hat für Grambart-Fiefeick Priorität. Was angesichts des wachsenden Beratungsbedarfs am ehesten hinten runterfalle, seien die Öffentlichkeitsarbeit und Gruppenangebote. Auch in Sachen Hausbesuchen hält sich Grambart-Fiefeick inzwischen aus Zeitmangel zurück.

Vielen Frauen fällt es nicht leicht, Hilfe bei der Beraterin zu suchen. „Es ist erst mal schwer, mit jemanden zu sprechen“, weiß die Sozialpädagogin. „Es geht um Themen, bei denen oft auch die beste Freundin nicht die richtige Ansprechpartnerin ist.“ Mädchen falle es meistens noch schwerer, sich jemandem zu öffnen.

Jüngere wenden sich selten an die Beratungsstelle. Die Mitarbeiter planen daher, sich im Bereich der Präventionsarbeit breiter aufzustellen und stärker an die Schulen zu gehen.

Gerade auch bei Jugendlichen gewinnt das Thema Cybermobbing laut Grambart-Fiefeick an Relevanz. „Viel Gewalt passiert heute über die sozialen Netzwerke“, schildert sie. Das bedeute, dass Mobbing nicht mehr an der Haustür aufhört.

Tagtägliche Probleme sind bedrückend

Gewalt, Stalking, Trennung, Scheidung, Krisen – die Probleme, mit denen Manuela Grambart-Fiefeick tagtäglich konfrontiert ist, sind bedrückend. Aber die Beraterin weiß auch, dass es Auswege gibt: „Es gibt viele Beispiele von bewundernswerten Frauen, die das alles trotz großer Schwierigkeiten wuppen“, macht sie Mut.

Infos und Kontakt

Die offene Sprechstunde der Beratungsstelle für Frauen und Mädchen ist an jedem ersten Freitag im Monat von 9 bis 11 Uhr im Treffpunkt „Sie(h)da“ an der Jupiterstraße 1 in Brinkum. Manuela Grambart-Fiefeick hilft auch dabei, Stiftungsanträge zu stellen (zum Beispiel, wenn Müttern das Geld für die Erstausstattung ihres Babys fehlt). In Syke bietet die Diplom-Sozialpädagogin jeden Donnerstag von 14 bis 16 Uhr eine Sprechstunde im Haus der Hilfe am Bremer Weg 2 an. Die Beraterin ist zudem telefonisch unter der Nummer 04242 / 666 00 sowie per E-Mail an bst-syke@frauenhaus-diepholz.de erreichbar. Beraterin für den Südkreis ist Silvia Lücke (Telefon 04271 / 78 76 25).

Träger der Beratungsstelle ist das Netzwerk gegen häusliche Gewalt. Dieser Verein wird gefördert vom Landkreis, dem Land Niedersachsen und aus Spenden. Zu dem Netzwerk gehört auch das Frauen- und Kinderschutzhaus in Diepholz. Weitere Infos gibt es im Internet: www.frauenhaus-diepholz.de

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