Pro-Dem-Initiator und Vorsitzender Dr. Eberhard Heese zieht sich aus Vorstandsarbeit zurück

Gründungsvater räumt seinen Platz

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Seit Beginn an leitet der Mediziner Eberhard Hesse Pro Dem. Archivfoto: sie

Brinkum - Von Sandra Bischoff. „Ich bin stolz darauf, dass wir Pro Dem am Leben erhalten haben, weiterentwickeln und regional streng begrenzen konnten“, sagt Dr. Eberhard Hesse. Der Allgemeinmediziner hat den Verein 2003 gegründet und steht ihm seitdem vor. Auf der Jahreshauptversammlung am Montag um 19 Uhr im Restaurant Kreuz Meyer will er seinen Posten räumen und einen möglichen Nachfolger präsentieren.

Er werde dem Verein nach wie vor mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn gewünscht. Ansonsten wolle er sich aber weitestgehend aus den Geschehnissen heraushalten, erklärt Hesse. „Ich bin da anscheinend ein merkwürdiger Kerl, aber es macht mir nichts aus, loszulassen“, sagt der 75-Jährige schmunzelnd.

Was Ende der 1990er-Jahre als Forschungsprojekt begann, ist heute ein regionaler Verein mit über 100 Ehrenamtlichen sowie einem umfangreichen Angebot und einer Anlaufstelle für Demenzpatienten, aber auch für Senioren allgemein.

Vor rund 20 Jahren taten sich Ärzte in Stuhr und Weyhe zusammen, um ein regionales Praxisnetz und einen Versorgungsvertrag ins Leben zu rufen, um „frei von der Bevormundung der Krankenkassen zu arbeiten“, wie Hesse berichtet. Auch wenn aus der Idee nichts wurde, das Netzwerk blieb und schrieb sich das Thema Demenz auf die Fahnen. „Es war schon damals ein Bewusstsein in der Ärzteschaft vorhanden, dass es in diesem Bereich Defizite gab.“

In einem Bundesausschuss, der sich mit der Gesundheitsreform befasste, traf Hesse auf einen Pharmareferenten, der sich für das Netzwerk interessierte. Das Unternehmen Schwabe bot Hesse an, zwei Jahre lang ein wissenschaftliches Projekt zu finanzieren, das die Behandlung von Demenzkranken umfassen sollte. Das Ergebnis war deutlich: „Wir konnten nachweisen, dass Medikamente und soziale Bezüge den Krankheitsverlauf stabil halten. Das war damals eine neue Erkenntnis. Man hatte es geahnt, aber bis dahin nicht nachgewiesen. Das Ergebnis hat viel Wirbel in der Fachpresse hervorgerufen“, sagt Hesse.

Das Projekt lief 2001 aus. Aber Hesse hatte Glück. „Zur gleichen Zeit schneite die Krankenschwester Trude Rüdebusch ins Haus, und wir richteten eine kleine Anlaufstelle im Leester Ärztehaus ein mit dem Ziel, irgendwann einen Verein zu gründen.“

Das geschah 2003, Hesse übernahm den Vorsitz. Der Name: Pro demenziell Erkrankte, kurz Pro Dem. Ein Glück für das junge Projekt war es, dass Hesse Vorerfahrung aus seiner Zeit als Gründer und langjähriger Vorsitzender des Vereins Release mitbrachte. „Dort habe ich gelernt, Fachkräfte und weitergebildete Laien zusammenzubringen, und habe das haargenau auf Pro Dem kopiert.“

In die Hände spielte dem Brinkumer Arzt und seinem Team ein Gesetz, das vorsah, niedrigschwellige Angebote zu unterstützen. „Deshalb haben wir schon sehr früh und sehr intensiv Gruppenarbeit machen können und waren seinerzeit auch der größte Geldnehmer dieses Landestopfs.“

Ehrenamtliche

Gesellschafter

Pro Dem bildete und bildet noch heute ehrenamtliche Gesellschafter und Seniorenbegleiter aus, bietet Tages- und Gruppenbetreuung für Demenzkranke in Brinkum sowie eine jüngst eingerichtete Selbsthilfegruppe. Zudem beraten die acht fest angestellten Mitarbeiter innerhalb des Seniorenservicebüros Menschen zu verschiedenen Themen des Alters und des Alterns. Das vor einigen Jahren angestoßene Quartierskonzept, das auf nachbarschaftliches Miteinander setzt, beschreibt Hesse als wichtiges Instrument, um potenzielle Patienten möglichst früh zu erreichen. „Wenn man merkt, dass der Nachbar seine Rolläden nicht mehr hochzieht, ist es oft schon zu spät.“

Der Verein finanziert sich nicht nur durch Mitgliedsbeiträge und Spenden, sondern bekommt auch Fördergelder von der Gemeinde, dem Landkreis und dem Land. „Wir haben uns als Verein überall hinbegeben, haben unseren Sitz aber in der Region behalten. Das macht mich sehr stolz, vor allem aber auch, dass die Region verstanden hat, wie wichtig unsere Arbeit ist.“

Hesse hat für seine neu gewonnene Freizeit schon Pläne. Der im Rheintal aufgewachsene Mediziner besitzt dort eine Wohnung, die er häufig nutzt. „Dort treffe ich alte Freunde, marschiere über die Berge und freue mich meines Lebens.“ Was wünscht er seinem Verein? „Dass es weitergeht und er sich auch in Zukunft gut entwickelt. Das wird sicher nicht einfach.“

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