Exklusiver Hoflieferant eines Schlosses

Privatbrauerei im Keller: „War überrascht, wie gut selbst gebrautes Bier schmeckt“

Vier Sorten, die zu überzeugen wissen: Ulrich Knäblein mit seinem Landbier, Kellerbier, Pale Ale und London Porter.
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Vier Sorten, die zu überzeugen wissen: Ulrich Knäblein mit seinem Landbier, Kellerbier, Pale Ale und London Porter.

In seinem Keller hat Ulrich Knäblein aus Fahrenhorst eine kleine Privatbrauerei. Auf rund 8,5 Quadratmetern braut er Craftbiere – als exklusiver Hoflieferant für die Hotellerie eines rund 300 Kilometer entfernten Schlosses.

Fahrenhorst – Wo früher die Waschküche war, in einem kleinen Kellerraum bei sich Zuhause in Fahrenhorst, hat Ulrich Knäblein jetzt seine eigene kleine Brauerei. Auf der einen Seite stehen zwei Braukessel aus Edelstahl. Der größere fasst 150 Liter, der kleinere 120. Auf der anderen Seite trägt ein robustes Regal vier Gärtanks. Außerhalb dieses Brauraums lagert Knäblein Hopfen, Malz und Spezialhefen. Viel mehr braucht er nicht für sein Bier, das er als exklusiver Hoflieferant für das Schloss Wissen in Weeze am Niederrhein braut.

Der Fahrenhorster ist ein Mikrobrauer. Das bedeutet, dass er nur vergleichsweise geringe Mengen herstellt. Hauptberuflich arbeitet Ulrich Knäblein als freiberuflicher Dozent in der Erwachsenenbildung. Sein Job ist nicht ganz unschuldig daran, dass er seine Leidenschaft für das Bierbrauen entdeckt hat.

Brau-Seminar in Wildeshausen ebnet den Weg zur privaten Brauerei

In einem seiner Seminare hatte ein Teilnehmer selbst gebrautes Bier ausgegeben. „Ich war überrascht, wie gut so ein selbst gebrautes Bier schmeckt“, erzählt der Fahrenhorster bei einem milden Kellerbier. Er schmunzelt. „Meine Neugier wuchs ...“, sagt er und berichtet davon, wie er sich in das Thema einlas und schließlich im November 2014 bei einem Brau-Seminar in Wildeshausen mitmachte. „Dann war es um mich geschehen.“ Knäblein bestellte sich damals ein Bierbrau-Set im Internet, und so nahm alles seinen Lauf.

Mittlerweile ist seine Ausrüstung professioneller geworden. All seine Tanks, Kessel und Schläuche sind lebensmittelrechtlich zugelassen. Von Zeit zu Zeit schaut zudem ein Lebensmittelkontrolleur in der Mini-Brauerei vorbei und nimmt Proben.

Viermal im Jahr macht sich Knäblein auf den Weg an den Niederrhein, immer mit 25 Kästen Bier à 20 Flaschen im Gepäck. Die Kooperation mit dem Schloss Wissen besteht seit 2016. Den Kontakt hat der Mikrobrauer ebenfalls seiner Tätigkeit als Dozent zu verdanken. Der Schwiegersohn des Baron Loe vom Schloss Wissen hatte an einem von Knäbleins Vertriebsleiter-Seminaren teilgenommen und dort von der Sache mit dem Brauen erfahren. Es kam zu einer Verkostung auf dem Schloss. „Danach war die Frage nicht mehr, ob wir geschäftlich zusammenkommen, sondern wie“, erzählt Knäblein.

Kellerbier, Landbier, London Porter und Pale Ale im Sortiment

Er hat vier Sorten in seinem Sortiment: Kellerbier, Landbier, London Porter und Pale Ale. Bis er mit einer Kreation vollends zufrieden ist, tüftelt er bis zu zwei Jahre daran herum. Er sei selbstkritisch, sagt Knäblein. Er braut ganz klassisch, ohne Zusatzstoffe. Der Prozess des Brauens dauert bei ihm, die Gärdauer nicht einberechnet, etwa neun Stunden. Ulrich Knäblein lässt dabei keine Hektik aufkommen – auch wenn er Temperaturen und Zeiten genau einhalten muss.

Grob vereinfacht läuft das Brauen wie folgt ab: Der Fahrenhorster füllt Wasser in die Braukessel. Dann fügt er Malz, also kurz gekeimtes Getreide, hinzu. Durch das Ankeimen sind bereits enzymatische Prozesse angelaufen, und Stärke wurde in Zucker umgewandelt. Durch Erwärmen wird dieser Prozess erweitert, und die Flüssigkeit im Kessel wird immer süßer. Während dieses Prozesses, dem Maischen, rührt Knäblein das Gemisch die ganze Zeit mit einem Metallpaddel um. Auch wenn er sich dabei schon mal Blasen am Finger zuzieht: Während des Brauens kommt er zur Ruhe. „Das hat einen meditativen Charakter“, findet er.

Im Bier-Gärtank zersetzt die Hefe den Zucker

Später trennt Knäblein die Flüssigkeit von Rückständen des Malzes, den sogenannten Trebern. Diese gibt er einem Rinderzüchter, der sie an seine Tiere verfüttert. Die Flüssigkeit wird zum Kochen gebracht, und zu verschiedenen Zeiten kommen verschiedene Hopfenarten hinzu.

Schließlich wird das Bier in die Gärtanks gepumpt. Dann kommt Hefe hinzu. Die zersetzt den Zucker. Dabei entstehen Alkohol und Kohlensäure. Nach ein paar Tagen in den Gärtanks wird das Bier abgefüllt. Das macht Knäblein selbst, ebenso wie das Etikettieren. Alles in allem wendet er für 25 Kisten etwa drei Tage reine Arbeitszeit auf.

Seiner Brauerei hat er den Namen Braugut Stuhr gegeben. Sein Bier gibt es nur am Schloss Wissen zu kaufen. Ulrich Knäblein spielt aber mit dem Gedanken, es in regionalen Hofläden anzubieten. Außerdem will er seine Homepage zwecks Onlinebestellungen erweitern und irgendwann vielleicht selbst ein Bierbrau-Seminar geben.

Internet: www.braugutstuhr.de

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