Die Firmen Rösler und Wenzel Marine beschäftigen IT-Nachwuchs für jeweils ein Jahr

Im Praktikum überzeugt: Anschlussverträge für Spanier

Freuen sich über die erfolgreiche Zusammenarbeit: (v.l.) Bürgermeister Niels Thomsen, Klaus-Dieter und Sabine Rösler, Oscar da Silva Sancho, Rafael Borrallo Espinar, Dirk Jarzyna, Kirsten Kropf und Wirtschaftsförderer Lothar Wimmelmeier. - Foto: Hapke

Stuhr - Von Andreas Hapke. So etwas nennt man wohl eine Win-Win-Situation: Zwei Stuhrer Unternehmen sind derart von ihren spanischen Praktikanten überzeugt, dass sie sie mit Anschlussverträgen ausgestattet haben. Die Informatik-Studenten Oscar da Silva Sancho und Rafael Borrallo Espinar verstärken für jeweils ein Jahr die Teams der Firmen Rösler und Wenzel Marine. Damit verbunden ist die Möglichkeit, ihre beruflichen Abschlüsse aus der Heimat hierzulande anerkennen zu lassen. „Dann stehen ihnen in Deutschland alle Türen offen“, sagt Wirtschaftsförderer Lothar Wimmelmeier.

Drei Monate lang haben die beiden 20-Jährigen aus der Stuhrer Partnergemeinde Alcalà de Guadaira Erfahrungen in den IT-Abteilungen ihrer Firmen gesammelt. Oscar bei Rösler Software-Technik und Rafael bei Wenzel Marine, einem Handelsunternehmen und Dienstleister für die Seeschifffahrt. Und nicht nur das: Nach Auskunft der Unternehmen haben die jungen Männer jeweils eine Software geschrieben, die einen Teil des betrieblichen Ablaufs vereinfacht.

Die Firma Rösler verfügt nun über eine App, mit der sie Daten elektronisch einlesen und zum Beispiel direkt auf ein Formular übertragen kann. Dies sei auf Messen praktisch, wenn die Mitarbeiter auf diese Weise Informationen von den Visitenkarten der Geschäftskunden verarbeiten könnten, sagt Klaus-Dieter Rösler. Oscar da Silva Sancho zeichne sich durch ein profundes Wissen aus, „auf das wir zurückgreifen konnten“.

Bei der Firma Wenzel, zu der auch der Logistik-Dienstleister Amaro gehört, brauchen die Spediteure nicht mehr die ganze Datenbank nach bestimmten Informationen durchsuchen. Das macht jetzt eine Software für sie, entwickelt von Rafael Borrallo Espinar. „Damit hat er uns sehr viel geholfen“, sagt Dirk Jarzyna, bei Wenzel/Amaro für die Unternehmenskommunikation zuständig. „Er hatte eine Idee, an die unsere IT im Tagesgeschäft nicht gedacht hat.“ Auch sprachlich und menschlich sei die Zusammenarbeit mit Espinar problemlos gewesen.

Laut Jarzyna passt der Spanier perfekt zur Philosophie des Unternehmens, dessen 80-köpfige Belegschaft einen Ausländeranteil von 20 Prozent aufweist. Jarzyna betrachtet das als Investition in die Zukunft und nennt das Beispiel einer griechischen Mitarbeiterin, die den Markt ihres Heimatlandes praktisch im Alleingang für die Firma erschlossen hat.

Beide Unternehmen wollen nun ein Förderprogramm der Industrie- und Handelskammer in Anspruch nehmen, das den Spaniern erlaubt, nach einem Jahr einen deutschen Berufsabschluss zu bekommen. „Es geht darum, Praxisanteile nachzuliefern“, erklärt Wimmelmeier.

Bevor Oscar da Silva Sancho und Rafael Borrallo Espinar in Deutschland durchstarten können, kehren sie am 22. Juni noch einmal in ihre Heimat zurück, um ihr Studium abschließen. In beiden Fällen geht es darum, die Diplomarbeit abzugeben. Danach beginnt für Espinar schon am 1. Juli die Beschäftigung bei Wenzel, einen Monat später steigt Da Silva Sancho bei Rösler ein.

Beide Spanier blicken nach eigener Auskunft auf „harte erste Tage“ zurück. Doch sie hätten in ihren Unternehmen eine Menge Hilfe bekommen und sich schnell an die Abläufe gewöhnt. „Ich bin glücklich, denn ich habe etwas entwickelt, das hilft“, sagt Espinar, der sich einen längeren Aufenthalt in Deutschland vorstellen kann. Einen „großen Unterschied zwischen Schule und wirklichem Leben“ hat Da Silva Sancho festgestellt. Beide freuen sich über die Gelegenheit, die deutsche Sprache zu lernen – und natürlich darüber, dass sie eine berufliche Perspektive haben.

In Spanien beträgt die Jugendarbeitslosigkeit 50 Prozent, sagt Wimmelmeier. „Wir haben ihnen hier eine Tür aufgemacht, und sie haben das genutzt, um anzukommen.“

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