„Beppo“ Mayr probt im Spielraumtheater für die Premiere eines neuen Musicals

Politischer Zündstoff in „Blutsbrüder“

Sechs der insgesamt neun Mitwirkenden des Kammermusicals „Blutsbrüder“, für das sie gerade im Spielraumtheater proben (v.l.): Debbie Beringer, Dirk Beckmann, Stefan Gerding, Lars Michalsky, Jessica Knief und Marlene Rüter. - Foto: Jysch

Seckenhausen - Von Rainer Jysch. Einen sozialkritischen Stoff haben sich die Akteure des Spielraumtheaters vorgenommen: „Blutsbrüder“ heißt das neue Stück, das als Kammermusical am 7. Oktober im Stuhrer Rathaus Premiere feiern soll. Das Musical entsteht als Gemeinschaftsproduktion mit Beppos Musical-Theater & Autoren-Assistance (BMTA).

BMTA ist die vom ehemaligen Lehrer Wilhelm Eugen „Beppo“ Mayr gegründete Initiative zur Begleitung von Theaterarbeit. Seit März laufen die offiziellen Proben für „Blutsbrüder“ auf der kleinen Bühne des Amateurtheaters, einem früheren Supermarkt direkt an der B 51. „Die Schauspieler haben alle nebenbei einen Beruf, sind in der Ausbildung oder im Studium“, erklärt Mayr die Vorlaufphase bis zur Premiere des Zweiakters.

Mayr hatte bis zu seiner Pensionierung 2013 über rund 30 Jahre die Theater- und Musiktheaterarbeit an der KGS Brinkum zu viel beachteten Erfolgen geführt. „Ich habe insgesamt 17 Musicals komponiert, getextet und zur Aufführung gebracht. Fünf davon sind bei Verlagen erschienen, das sechste ist in Vorbereitung. Darin habe ich viel Arbeit investiert und vorher nicht die Zeit gehabt, mich um die Vermarktung der Aufführungsrechte zu kümmern“, sagt der 68-Jährige. „Ich habe Spaß an der Musik und fände es schade, wenn meine Kompositionen im Schrank verkümmern würden.“

Das Werk des britischen Autors und Komponisten Willy Russell haben die Theaterleute gemeinschaftlich ausgewählt. „Es wird in Deutschland recht wenig aufgeführt“, sagt Mayr. Möglicherweise liege der geringe Bekanntheitsgrad an der kommunistischen Vergangenheit Russells oder an der schwer zu spielenden Hauptrolle, vermutet der Pädagoge, der die musikalische Leitung der Produktion übernommen hat. „Auch wenn das Werk schon älter ist, liefert es mit einer starken, berechtigten Kritik an unserem Bildungssystem politischen Zündstoff.“ Es spielt in den 1960er- und 1970er-Jahren in Liverpool und sei „leider“ zeitlos aktuell, so Mayr. „Die Handlung fängt mit einer Anti-Show an. Das erste Bild ist praktisch das Schlussbild“, erklärt er. „Dann wird das Stück in einer Retrospektive aufgerollt und die Frage beantwortet, wie es zu dem tragischen Ende kommen konnte.“

37 einzelne Musikstücke begleiten die dramatische Handlung, zum Teil wie bei Filmmusik als atmosphärische Untermalung der Dialoge. „Dennoch enthält das Musical sehr schöne, getragene Balladen, aber auch einige Rocksongs. Und obwohl die Lieder unter die Haut gehen, steht das berührende und zugleich betroffen machende Kammerspiel im Vordergrund.“

Marlene Rüter führt als Erzählerin durch das Geschehen: Mrs. Johnstone (gespielt von Jessica Knief), alleinerziehende Mutter von fünf Kindern, lässt sich, als sie Zwillinge erwartet, von ihrer reichen Arbeitgeberin Mrs. Lyons (Debbie Beringer) und deren Mann (Dirk Beckmann) dazu überreden, ihnen eins der Babys abzugeben, da sie selbst keine Kinder bekommen können. Die beiden Jungen wachsen getrennt von einander auf, Edward (Stefan Gerding) als Einzelkind in der reichen Familie, Mickey (Lars Michalsky) bei seiner armen leiblichen Mutter. Im Alter von sieben Jahren treffen die beiden aufeinander, freunden sich an und schließen „Blutsbrüderschaft“, ohne zu ahnen, dass sie sogar echte Brüder sind. Ihre Wege trennen sich, und doch kreuzen sie sich immer wieder bis zum Finale, das getragen von Eifersucht und Missgunst ein folgenschweres Ende nimmt.

Neben der Premiere im Stuhrer Rathaus soll das Musical vier Mal im Spielraumtheater sowie fünf weitere Male auf noch zu bestimmenden Bühnen aufgeführt werden.

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