Podiumsdiskussion zum Thema „Gemeinsam sind wir Stuhr“

Vieles ist gut, mancheskann besser werden

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Podiumsdiskussion mit Vertretern unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen: (v.l.) der Jugendliche Gerrit Seevers, Flüchtling Christine Uwingabire, Dagmar Bischof vom gastgebenden Seniorenbeirat, Mujib Ata als Sprecher der Nasir-Moschee sowie Feodor Wiese, Vorsitzender des Behindertenbeirats.

Stuhr - Von Andreas Hapke. Weitestgehend zufrieden hat Bürgermeister Niels Thomsen am Donnerstagabend die Podiumsdiskussion „Gemeinsam sind wird Stuhr“ verlassen. Viel Lob heimste die Gemeinde von den Teilnehmern ein, die auf Einladung des Seniorenbeirats in den Sitzungssaal des Rathauses gekommen waren.

Stuhr ist vielfältig, weltoffen, bunt. Alle Menschen, gleich welchen Alters oder welcher Herkunft, können in der Gemeinde gut leben. Stimmt das wirklich? Mit dieser Frage schickte der Seniorenbeirat die Vertreter der einzelnen Bevölkerungsgruppen ins Rennen. Das waren Christine Uwingabire, die aus Ruanda floh und seit September 2014 in Stuhr lebt; Feodor Wiese, der Vorsitzende des Behindertenbeirats; Mujib Ata, Sprecher der Brinkumer Nasir-Moschee und Gerrit Seevers als einziger Jugendlicher überhaupt im Saal. Den Seniorenbeirat vertrat dessen Vorsitzende Dagmar Bischof.

Die Messlatte lag hoch: „Diese Veranstaltung wird dazu beitragen, das Miteinander der Generationen zu fördern“, sagte Bischof, die ihren schon mehrfach formulierten Traum vom generationsübergreifenden Wohnen entsprechend der Podiumsbesetzung ausdehnte auf ein „übergreifendes Wohnen mit allen, die in der Gemeinde leben“.

Dies mochte sich Seevers „prinzipiell, aber nicht für ewig“ vorstellen: „Das liegt aber nicht an dem Projekt. Als Fahrenhorster bin ich es gewohnt, Platz um mich zu haben.“ In Sachen Intergration nahm er alle Beteiligten in die Pflicht: „Wer aktiv auf andere zugeht, bekommt von der Gesellschaft einiges zurück.“

Dies haben sich die Mitglieder der Gemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat nach Auskunft ihres Sprechers Mujib Ata auf ihre Fahnen geschrieben: „Wir leisten unseren Beitrag, indem sich zum Beispiel einige Mitglieder zu Asyl-Begleitern qualifizieren lassen.“ Er sprach auch die jährlichen Müllsammelaktionen zu Neujahr an und schlug vor, diese mal gemeinsam mit Vertretern aller Bevölkerungsgruppen in Angriff zu nehmen. „,Gemeinsam sind wir Stuhr‘ könnte mit weiteren Taten unterlegt werden.“ Speziell über das Zusammenleben mit Senioren sagte Mujib Ata: Es sei eine islamische Tugend, von der Erfahrung älterer Leute zu profitieren.

Aktiv geht auch Christine Uwingabire auf die Gesellschaft zu, ohne dass sich ihr Traum von einer Ausbildung zur Altenpflegerin bislang erfüllt hätte. Sie habe eine Stelle in Aussicht, aber noch nicht alle notwendigen Papiere in den Händen. Solche Hürden verhinderten, „dass wir unseren Beitrag leisten können. Wir wollen nicht nur ’rumsitzen und uns helfen lassen“, da spreche sie auch für ihre „Flüchtlingskollegen“. Gleiches gelte für den Wunsch nach mehr Deutschkursen. Ansonsten hätten die Gemeinde und die Bürger alles unternommen, „damit wir uns hier wohlfühlen“.

Dass mehr getan werden könnte für die Integration von Flüchtlingen und Behinderten, war den Aussagen des Publikums zu entnehmen. „Wenn wir die Migranten in umliegenden Ortsteilen unterbringen, dann muss es eine Buslinie dorthin geben“, forderte die in der Flüchtlingshilfe engagierte Ute Sydow.

Für den Fall, dass künftig wieder Gastronomie auf dem Gelände des ehemaligen Klosterhofs in Heiligenrode vorgesehen sei, regte SPD-Ratsherr Peter Strohmeyer den Betrieb dieser Lokalität durch Bewohner der Behindertenwohnheimat an. Damit rannte er offene Türen bei Feodor Wiese ein. Dessen Maxime lautet ohnehin, dass Menschen mit Handicap in die Öffentlichkeit gehören. In Sachen Barrierefreiheit sei Stuhr zwar nicht „auf dem neuesten Stand“, aber alles in allem wollte Wiese nicht klagen. In einer Sitzung auf Kreisebene sei die Gemeinde sogar schon als „Schlaraffenland für Behinderte“ bezeichnet worden.

Thomsen nahm unter anderem die Forderung nach einem besseren ÖPNV-Angebot mit nach Hause. Auf Nachfrage brachte er gestern einen „bedarfsorientierten Fahrdienst zu bestimmten Zeiten“ ins Spiel. Flüchtlinge müssten zumindest die Behörden erreichen, und vielleicht könne der Bus dann noch eine Schleife zum Lebensmittelmarkt drehen.

Persönlich berührt, ja sogar geschockt habe ihn der Fall Christine Uwingabire, sagte Thomsen. „Da möchte jemand eine Ausbildung machen in einem Beruf, für den qualifiziertes Personal gesucht wird, und es scheitert schon so lange an Papieren.“ Der Verwaltungschef hat nun die stellvertretende Bürgermeisterin Gudrun Klomburg gebeten, in dieser Sache als Kreistagsabgeordnete eine Anfrage an Landrat Cord Bockhop zu stellen.

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