Plötzlich wohnungslos

Drei bis fünf Menschen in Stuhr verlieren pro Jahr ihr Dach über dem Kopf

Ein Obdachloser liegt im Schlafsack vor einem Schaufenster.
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Im Rahmen der staatlichen Gefahrenabwehr muss niemand unter freiem Himmel schlafen.

Was geschieht, wenn jemand unverschuldet die eigenen vier Wände und vor allem das Dach über den Kopf verliert und Obdachlosigkeit droht?

Stuhr – Jemand verliert über Nacht sein Haus oder seine Wohnung. Es droht Obdachlosigkeit. Was dann? In Deutschland sind die Gemeinden für die Notversorgung der Bürger zuständig. „Die geschilderte Situation der Obdachlosigkeit, beispielsweise durch Wohnungsbrand, tritt in der Gemeinde Stuhr selten auf“, sagt Bettina Scharrelmann, Erste Gemeinderätin.

Oftmals unterstützten in solchen Fällen Familie und Bekannte oder auch Nachbarn die Personen, die durch einen Brand ihr Hab und Gut verloren haben, sodass eine Unterbringung im sozialen Umfeld sichergestellt sei.

Durchschnittlich würde die Gemeinde Stuhr jährlich rund drei bis fünf Obdachlose unterbringen. Die Tendenz sei laut Gemeinderätin seit Jahren gleichbleibend. Hauptsächlicher Grund der Unterbringung sei jedoch der Verlust der eigenen Wohnung durch eine Zwangsräumung.

In einem Notfall, wie zum Beispiel dem Wohnungsbrand oder der Zwangsräumung, stehe ein Bereitschaftsdienst der Gemeinde bereit. Dieser stehe auch außerhalb der Öffnungszeiten des Rathauses oder der Polizei für die Unterbringung akuter Fälle von Obdachlosigkeit zur Verfügung.

Die Unterkünfte befinden sich im Eigentum der Gemeinde Stuhr. „Im Rahmen der Erfüllung dieser Aufgabe als ,Unterbringungsbehörde‘ wird den in Not geratenen Menschen eine Unterkunft zur Beseitigung der akuten Notlage und Sicherung der ihrer persönlichen Existenz gewährt“, so Scharrelmann. Dafür stünden jedoch keine abgeschlossenen Wohnungen zur Verfügung, sondern die Unterbringung erfolge in der Regel in Gemeinschaftsunterkünften mit gemeinsamer Küche und Toilette.

Nach der Erstversorgung beziehungsweise Notunterbringung kümmerten sich dann in der Regel eine Sozialarbeiterin oder ein Sozialarbeiter der Gemeinde um den Untergebrachten und erörtern mit ihm seine Lebenslage, erklärt Scharrelmann. „Unter anderem wird in einem solchen Gespräch die finanzielle Lage evaluiert, werden Hilfestellen aufgezeigt oder ein individuelles Hilfsangebot geschaffen.“

Je nach Situation und Lebenslage werden dadurch Beratungsangebote im persönlichen oder sozialen Kontext aufgezeigt. Dies könne laut Gemeinderätin Scharrelmann zum Beispiel die Unterstützung beim Beantragen einer Erstausstattung beim zuständigen Träger der Sozialhilfe sein, die Vermittlung an die Kleiderkammer des Deutschen Roten Kreuzes „Roter Faden“ in Brinkum oder auch ein Unterstützungsangebot bei der Wohnungssuche.

Bevor Personen von Obdachlosigkeit bedroht sind, könnten sie sich „gerne vor Eintreten der Notlage für eine Beratung an den zuständigen Fachdienst der Gemeinde Stuhr wenden“, sagt Scharrelmann.

Die Unterbringung der Menschen sei immer nur eine vorübergehende, ergänzt Lars Janßen, Fachdienstleiter Sozialer Service. Der Bund frage am Ende eines jeden Jahres die Fallzahlen ab. „Die Zahl bewegt sich in Stuhr seit Jahren gleichbleibend.“

Als Aufgabe der Gefahrenabwehr halte die Gemeinde laut Janßen insgesamt 35 Objekte zur Unterbringung vor. Diese umfassten die Möglichkeiten zur Unterbringung von Obdachlosen und auch Flüchtlingen. Die Adressen seien geheim. Die Kosten für das Vorhalten der Einrichtungen will die Verwaltung nicht nennen. Jedoch würde für eine einmonatige Unterbringung eines Obdachlosen laut einer Gebührentabelle 100 Euro an den Betroffenen fällig, erklärt Janßen.

Laut des Fachdienstleiters kämen Hilfesuchende meist direkt ins Rathaus. Bei einem Brand würde die Feuerwehr bereits vor Ort den Kontakt herstellen. Es gelte zunächst der Grundsatz: Hilfe zur Selbsthilfe. „Falls das nicht trägt, kommen wir ins Spiel. Wir sprechen mit den von Obdachlosigkeit bedrohten Menschen, und sie bekommen erst einmal ein Dach über den Kopf.“

„Wohnungsbrände und Sturmschäden sind relativ selten in der Gemeinde“, sagt der Leiter des Sozialen Diensts. Die Problematik von durchreisenden Obdachlosen sei derweil „noch seltener“.

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