Johannes Cernota untermalt Stummfilme

Pianist sorgt für Dramatik und Spannung

Johannes Cernota begleitet die Stummfilme, die im Ratssaal über die Leinwand flimmern, am Klavier.  J Foto: Ehlers

Stuhr - Von Dagmar Voss. Während draußen das laute Leben tobte, ging es drinnen – meist – eher still zu. Weinfest oder Stummfilmkonzert lauteten die Alternativen am Freitagabend. Die Mehrzahl hatte sich deutlich für draußen entschieden, allerdings verpassten sie beim Stummfilmkonzert mit Live-Musik-Begleitung von Johannes Cernota ein herrliches Lachmuskeltraining.

Drei Slapstickkomödien von Buster Keaton, Charlie Chaplin sowie Stan Laurel und Oliver Hardy (Dick und Doof), die der Musiker mit dem Flügel untermalte, sorgten für viel Gelächter. Dabei reichten die wenigen eingeblendeten und geschriebenen Kommentare in den Filmen für das Verständnis des Geschehens; für gesteigerte Spannung, Dramatik oder noch mehr Humor sorgte der Mann am Klavier. Über Beamer und Leinwand wurde eine Auswahl von Stummfilmen gezeigt.

Die drei Streifen zeigten die 1920-er-Jahre pur, mittellose Menschen und ihre glücklosen Versuche in Sachen Überleben oder Romanzen. Für urkomische Situationen sorgte Buster Keaton in seinem Kurzfilm „The Goat“, übersetzt Ziegenbock oder eher Sündenbock. Zu dem wird er immer wieder, ob er sich nun versehentlich hinter zwei Schaufensterpuppen anstellt oder durch ein vergittertes Fenster schaut und dabei fotografiert wird, weil sich der eigentlich für das Bild vorgesehene Gangster, Dead Shot Dan, gerade bückt. So landet stattdessen Buster Keaton auf einem Fahndungsfoto. Die Ereignisse werden immer komischer und abstruser, aber letztlich kann Keaton mit der Tochter des Polizeipräsidenten entkommen, fürs Zwerchfell eine echte Herausforderung.

Dazu wie zu den beiden folgenden Filmen spielte der studierte Tonkünstler Themen aus Klassik, Jazz und auch mal Volksmusik ebenso wie aus dem Stegreif kreierte Melodien. Pointiert, virtuos und einfühlsam verpackte Cernota das Geschehen.

Weiter ging es mit „The Vagabond“ von 1916, einer Chaplinschen Komödie. Hier ging es – wie bei vielen Filmen des britischen Multitalents – eher melancholisch-amüsant zu. Den krönenden, hochspannenden Abschluss bildete „Liberty“ mit Stan und Ollie, dessen dramatische Atmosphäre noch gesteigert wurde durch die Klaviermusik von Cernota. Das übertönte sogar den Lärm von draußen.

„Das ist anders als in jungen Jahren“, befand ein Zuschauer, der die Slapsticks früher als Vorfilm im Kino gesehen hatte. Auch für drei knapp 18 Jahre junge Stummfilmfans, die diese Stücke noch nicht kannten, obwohl sie zu Hause eine Sammlung haben, war es ein gelungener Abend.

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