Nach der neuen Verordnung müssen die Pflegedienste ihr Personal jetzt täglich untersuchen

Testen rund um die Uhr

Zwei Frauen mit Mund-Nasen-Schutz zeigen Corona-Test-Packungen.
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Testen und dokumentieren – beides will gelernt sein. Pflegedienst-Chefin Gabriela Donath (l.) und Pflegedienstleiterin Hanna Krümmel (r.) haben sich weitergebildet.

Pflegedienste müssen seit Ende Januar ihre Mitarbeiter täglich auf Covid-19 testen lassen. Für Gabriela Donath, die in Varrel neben einer Krankenpflege noch eine Tagespflege und ein Wohnheim betreibt, bedeutet das: Sie muss täglich 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter testen und das Ergebnis dokumentieren.

  • Service auch für Privatleute und andere Firmen.
  • Erste Tests schon im Dezember.
  • Riesiger Aufwand - aber: „Es ist ein Segen für unseren Betrieb“.

Varrel – Laut Corona-Schutzverordnung des Landes Niedersachsen müssen die Pflegedienste seit dem 25. Januar ihre Mitarbeiter täglich auf Covid-19 testen. Für Gabriela Donath, die in Varrel neben einer ambulanten Krankenpflege noch eine Tagespflege und ein Wohnheim betreibt, bedeutet das: Sie kommt eigentlich kaum noch zu etwas anderem. Denn genauso viel Zeit wie die Testungen selbst nimmt deren Dokumentation in Anspruch.

Trotzdem sagt Gabriela Donath im Brustton der Überzeugung: „Wir haben das große Glück, täglich getestet zu werden. Es ist ein Segen für unseren Betrieb. Zu Beginn der Pandemie mussten Mitarbeiter schon in Quarantäne bleiben, wenn jemand aus dem privaten Umfeld Symptome zeigte.“

Von den Pflegekräften über die Fahrer und Azubis bis hin zur Raumpflegerin und Büroangestellten: Gabriela Donath beschäftigt insgesamt 44 Mitarbeiter. Allein dafür benötigt sie jetzt wöchentlich Hunderte von Schnelltests. Zudem werden die Bewohner des Heims wöchentlich zweimal getestet sowie jeder Besucher, jeder Tagespflegegast und die Physiotherapeuten.

In ihrem Corona-Schnelltestzentrum an der Varreler Landstraße können sich nach Terminabsprache auch Privatleute einen Abstrich machen lassen. „Firmenanfragen bekommen wir ebenfalls“, berichtet Donath. „Wir sind da flexibel. Wir sind schon zu einem Betrieb gefahren und haben dessen Mitarbeiter getestet, auch zu einem Pflegeheim, das dazu nicht selbst in der Lage war.“ Selbst Wochenenden sind für die Chefin nicht tabu. Da habe sie zum Beispiel schon eine Mitarbeiterin samt ihrer ganzen Familie getestet, weil dort Symptome aufgetreten waren.

Auf die Idee für das Testzentrum war die Pflegedienstleiterin Hanna Krümmel im Dezember gekommen. „Damals, als die Infektionszahlen hochgingen und das Weihnachtsfest mit der Familie plötzlich in Gefahr geriet“, erzählt sie. Der Startschuss fiel zwei Wochen vor dem Fest der Liebe. „Wir wollten den Menschen wenigstens ermöglichen, ihre Verwandten mit einem negativen Testergebnis zu besuchen. Uns gab es ein gutes Gefühl, etwas für die Allgemeinheit zu tun.“

Laut Donath machten bis Weihnachten knapp 80 Personen von diesem Angebot Gebrauch. „Wir waren überrascht, dass so viele junge Leute dabei waren, etwa Studenten und junge Familien“, fügt sie hinzu. Auch aus Minden und Münster seien die Menschen angereist.

Laut Donath sind die Zahlen der privaten Interessenten im neuen Jahr zurückgegangen, dafür muss jetzt beruflich deutlich mehr getestet werden. Von Anfang November bis zum 25. Januar reichte das zweimal pro Woche. Wer privat kommt, zahlt 40 Euro. Für die Testung der Mitarbeiter erhält Donath eine „nicht kostendeckende“ Vergütung von der Krankenkasse.

Über die Neuerung wurde der Pflegedienst vom Bundesverband Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen (bad) unterrichtet. „Der ist mit allen Mitgliedern über eine Art Notfall-App verbunden“, sagt Donath. „Darüber bekommen wir die Infos rund um die Uhr. Wir konnten uns rechtzeitig darauf einstellen.“

Neben der Chefin und ihrer Pflegedienstleitung haben noch drei weitere examinierte Pflegekräfte eine Fortbildung in Sachen Corona-Testung absolviert. „Um das Stäbchen in die richtige Position und weit genug in den Rachen zu bekommen, benötigt man schon ein bisschen Übung“, sagt Krümmel. Die Teststäbchen seien für die „Standardnase“ ausgelegt. Dass aber jede Nase anders ist – klein oder groß, mit gerader oder schiefer Nasenscheidewand – weiß Donath als ehemalige Krankenschwester im Hals-Nasen-Ohren-Bereich nur zu gut.

Der Kombi-Abstrich aus Mund und Rachen geschieht beim Personal im laufenden Betrieb. „Es ist nicht vorgeschrieben, das vor Arbeitsantritt zu machen“, erklärt Donath. Eine Mitarbeiterin für den Test aus Brinkum nach Varrel kommen zu lassen, wenn sie anschließend einen Termin in Stuhr habe, sei sogar kontraproduktiv. „Erst recht bei den Straßenverhältnissen im Winter.“

Zwei Pflegekräfte sind für die Tests in der Tagespflege (aktuell zehn Patienten) eingeteilt, Krümmel für das Wohnheim (neun Bewohner), Donath und eine weitere Mitarbeiterin für die ambulante Pflege (knapp 80 Kunden). „Alle Mitarbeiter lassen das Martyrium gelassen über sich ergehen. Doch wenn es verlässliche Spuck- oder Urintests geben würde, würden wir sofort dazu übergehen“, sagt Donath.

Die Chefin musste sich zusätzlich noch eineinhalb Stunden wegen der umfangreichen Dokumentation weiterbilden. Bei jedem Abstrich müsse sie die Test- und Chargennummer notieren. „Und Auffälligkeiten, zum Beispiel ob jemand an dem Tag Schnupfen gehabt hat.“ Lieferengpässe kennt Donath nicht. Das klappe ganz hervorragend. „Wir kontrollieren uns gegenseitig, ob wir alles rechtzeitig bestellt haben“, sagt Krümmel.

Erstaunlich oder nicht? Von den unzähligen Tests förderte bislang nur ein einziger ein positives Ergebnis zutage. „Es war eine Frau, die bereits die Vermutung hatte, sie könnte infiziert sein“, sagt Donath. „Das Ergebnis haben wir sofort an das Gesundheitsamt weitergegeben. Und die Frau musste zum Hausarzt, der einen Labortest veranlasst hat.“

Hygienekonzepte für sämtliche Angebote, Fortbildungen und Mitarbeiterbesprechungen online, Pflegeberatung im Homeoffice: Auch abseits der Testungen hat die Branche seit Ausbruch der Pandemie einiges auf sich genommen. Für Donath eine Selbstverständlichkeit, denn: „Es ist uns wichtig zu sagen: Wir haben alles getan. Und was das Testen angeht: Alle, die wir rausfischen, sind keine Gefahr mehr für andere.“

Von Andreas Hapke

Nichts geht über probieren. Hanna Krümmel testet den Redakteur.

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