Pfarrer zieht Vergleich mit Vietnamesen

Schomaker: „Unsere Türen stehen offen“

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Helmuth Schomaker.

Stuhr - Von Katharina Röling. Der Papst möchte, dass jede kirchliche Einrichtung in Europa eine Flüchtlingsfamilie aufnimmt. Mit dieser konkreten Geste der Nächstenliebe fordert er sämtliche Pfarreien und Klöster zu mehr Solidarität mit Migranten auf. Doch können die Gemeinden dies auch umsetzen? Wie sähe das zum Beispiel in Stuhr aus?

Pfarrer Helmuth Schomaker von der katholischen St.-Paulus-Gemeinde in Moordeich gibt zu bedenken, dass das Gemeindehaus zu klein sei, um eine Familie dauerhaft unterzubringen. Dies sei aber derzeit auch nicht unbedingt nötig, sagt Schomaker und verweist auf die neuen Unterkünfte an der Allerstraße in Stuhr. Bei großem Druck könne natürlich im Pfarrhaus nach weiteren Möglichkeiten gesucht werden. Er wolle sich nach allen Kräften engagieren, sei es durch Freizeitangebote oder Besuche in den Flüchtlingsheimen. Mit vielfältigen Aktivitäten will Schomaker seiner Aufgabe als Vorsitzender von drei Kirchengemeinden gerecht werden.

Es ist nicht die erste Flüchtlingskrise, die Schomaker miterlebt. Nach Ende des Vietnamkriegs 1975 rollte bereits eine Welle der Aufnahmebereitschaft durch die Kirchengemeinde, als viele minderjährige Flüchtlinge, bekannt als „Boatpeople“, in der Bundesrepublik Schutz suchten. Damals brachte Schomaker diesen Jugendlichen den Fußball nahe.

„Vietnamesen haben sich

sofort heimisch gefühlt“

Einen Schritt in Richtung Integration bildeten auch gemeinsame Gottesdienste und Chorproben sowie eine Freizeit auf Wangerooge.

Die Vietnamesen hatten sich laut Schomaker trotz vereinzelter negativer Stimmen aus Reihen der Kirchenmitglieder sofort heimisch gefühlt. Sie begeisterten durch ihre offene, hilfsbereite Art. Ohne Vorbehalte packten die Migranten beim Bau des neuen Gemeindehauses und Pflanzen von Bäumen an. Die älteren Gemeindeglieder waren positiv überrascht, mit welchem Respekt ihnen die Flüchtlinge begegneten. Freiwillige Helfer zeigten vollen Einsatz, indem sie sich beim Landrat für ein Bleiberecht einsetzten.

Die wenigsten Flüchtlinge, die zurzeit einreisen, sind Christen. „Trotzdem sollte der christliche Glaube jedem Interessenten offen stehen“, sagt Schomaker. Er freue sich auf bereichernde Gespräche. Die Integration der vietnamesischen Flüchtlinge sei ein Vorbild für kommende Asylsuchende. Diese sollten wissen, dass die Türen der St.-Paulus-Gemeinde offen stünden, um einen Zugang ins gesellschaftliche Leben zu ermöglichen.

„Die politische Gemeinde würde sich über jede helfende Hand, die eine Unterkunft bieten kann, freuen“, sagt Hartmut Martens, Leiter des Fachdienstes Verkehr, Ordnung und Soziales. Er würde es begrüßen, wenn sich die Kirche als erste Instanz bei sozialer Not wie der Flüchtlingskrise beteilige. Einige Kirchenmitglieder würden bereits ehrenamtlich Halt und Orientierung geben. Besonders sprachliche Barrieren könnten durch Freizeitangebote für jedermann aus dem Weg geräumt werden. Durch entsprechende Veranstaltungen könnten Flüchtlinge und Einheimische sich annähern, ohne dieselbe Sprache zu sprechen. Dies sei keine rein katholische, sondern eine christliche Aufgabe.

Die pauschale Aufforderung des Papstes sei zwar lobenswert, doch nicht jede Pfarrei könne eine Flüchtlingsfamilie aufnehmen. „Der Papst hat vor seiner Aufforderung sicher nicht alle Pfarrämter auf ihre Kapazitäten überprüft“, sagt Martens.

Von der katholischen Kirche Heilig Geist in Brinkum war keine Stellungnahme zu bekommen.

Laut einer Pressemitteilung wird der Papst-Appell im Offizialatsbezirk Vechta schon teilweise umgesetzt. Im oldenburgischen Teil des Bistums Münster waren sogar vor der Aufforderung durch das Kirchenoberhaupt die Pfarrhäuser in Bevern (Gemeinde Essen) und Harkebrügge (Gemeinde Barßel) zu Unterkünften umfunktioniert worden. Benediktinerinnen in Dinklage stellen Teile ihres Gästehauses für 20 Flüchtlinge zur Verfügung.

In Cloppenburg hat die Kirchengemeinde St. Andreas eine Wohnung für eine Flüchtlingsfamilie bereitgestellt. Der Bischof des Bistums Münster, Dr. Felix Genn, bat die Diözesen, nach Möglichkeiten zu suchen, damit sich die Migranten schnell wohlfühlen.

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