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Personalmangel in den Kitas der Gemeinde Stuhr: Neun Ganztagsgruppen weniger

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Von: Andreas Hapke

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Eine Erzieherin kümmert sich im Hintergrund um mehrere Kinder.
Die Planung der Kinderbetreuung gestaltet sich in Stuhr schwierig, vor allem mangels Personal. © dpa / Uwe Anspach

Der Mangel an Fachkräften erschwert die Planungen für das kommende Kindergartenjahr. In Erwartung mehrerer Vakanzen hat die Gemeinde neun Ganztagsgruppen in Gruppen mit verlängerter Betreuung umgewandelt. Insgesamt sind 1362 Mädchen und Jungen fürs Kita-Jahr 2022/2023 angemeldet.

Stuhr – Über den Personalmangel bei den Erzieherinnen in den Kindertagesstätten der Gemeinde Stuhr ist in jüngster Vergangenheit viel geschrieben und gesprochen worden. Der Verwaltung bleibt nichts anderes übrig, als diesen Missstand in ihren Planungen für das kommende Kita-Jahr einzupreisen. Mit der Gruppenbildung in den kommunalen Einrichtungen beschäftigt sich der Ausschuss für Jugend, Freizeit, Kultur und Soziales am Dienstag, 22. März, um 18 Uhr im Ratssaal.

Ganz so schwarz möchte die zuständige Fachbereichsleiterin Kerstin Frohburg die Lage nicht sehen. „Wir versuchen, realistisch zu planen. Mit einem Schuss Optimismus.“ Erfahrungsgemäß trudelten die Bewerbungen von Fachkräften erst zum neuen Kita-Jahr ein. Dann werde man feststellen, wie viele Vakanzen es wirklich gebe.

Gleichwohl sind die Auswirkungen der Personalmisere nicht zu übersehen. Die Einrichtungen halten im Krippen- und Kitabereich insgesamt neun Ganztagsgruppen weniger vor. Die Verwaltung hat sie in Gruppen mit verlängerter Betreuung umgewandelt. Damit können die betroffenen Eltern ihre Sprösslinge nur noch bis 14 statt bis 16 Uhr in der Kita lassen. Ganztagsgruppen seien die personalintensivsten Gruppen und momentan schwer zu besetzen, begründet Kerstin Frohburg.

Früh- und Spätdienste ebenfalls betroffen

„Wir haben die Eltern der Bestandskinder, die bis 16 Uhr betreut werden, gefragt, ob sie auch mit dem reduzierten Angebot leben könnten. Ansonsten müssten sie mit ihrem Nachwuchs die Einrichtung wechseln“, berichtet Kerstin Frohburg. Die Gespräche hätten die jeweiligen Kita-Leitungen geführt. Deren Rückmeldungen ans Rathaus sei zu entnehmen, dass die „überwiegende Mehrheit“ der Eltern ihr Kind nicht anderweitig unterbringen wolle.

Neben der Ganztagsbetreuung sind vereinzelt auch Früh- und Spätdienste (bis 15 Uhr) von den personellen Engpässen betroffen. Ausnahmen bilden die Kitas Heiligenrode-Klosterplatz und Varrel, wo jeweils eine Halbtagsvormittagsgruppe in eine Gruppe mit verlängerter Betreuungszeit umgewandelt, das Angebot somit ausgeweitet wird.

Insgesamt wurden 1 362 Mädchen und Jungen für die kommunalen Kindergarten- und Krippengruppen angemeldet, das sind 171 mehr als für das laufende Jahr. Kitas in freier Trägerschaft haben das Anmeldeverfahren selbst in die Hand genommen.

Laut Verwaltungsvorlage haben sich die gewünschten Betreuungszeiten nur geringfügig verändert. Die Nachfrage nach Sonderdiensten bleibt hoch: Im Kindergartenbereich etwa sind 303 Sprösslinge für den Frühdienst angemeldet, 201 für den Spätdienst. Nicht in allen Einrichtungen kommen diese Angebote zustande. Sie fallen aber nicht nur wegen fehlender Fachkräfte aus, sondern auch, weil nicht mindestens fünf Kinder dafür angemeldet sind. Trotzdem können 733 Kinder und damit fast 74 Prozent länger als vier Stunden betreut werden.

Höchststand an „Flex-Kindern“

997 Kindergartenkinder bedeuten 61 mehr als in diesem Jahr. Darunter sind 72 Sprösslinge, deren Eltern von der Novellierung des niedersächsischen Schulgesetzes Gebrauch machen und ihren Nachwuchs erst ein Jahr später in die Grundschule schicken. Das sind 38 „Flex-Kinder“ mehr als zuletzt. „Der bisherige Höchststand“ , sagt Kerstin Frohburg.

Mit den 50 Plätzen des in Varrel entstehenden Erweiterungsbaus kann die Gemeinde 995 Ü3-Kinder unterbringen. Da die Eltern von 38 Mädchen und Jungen auch eine Betreuung in der DRK-Kita Neukrug oder in der Kita der St.-Paulus-Gemeinde beantragt haben, teilweise auch mit Erfolg, stehen laut Vorlage genügend Kapazitäten zur Verfügung.

Etwas anders sieht es im Krippenbereich aus, wo zurzeit 255 Plätze in acht Kitas vorhanden sind, diese aber nicht ausreichen. Trotz 45 zusätzlicher Plätze durch Anbauten am Varreler Feld und in Groß Mackenstedt gehen 29 Kinder nicht berufstätiger Eltern leer aus. Wen es betrifft, ist noch ungewiss. „Wir sind noch nicht dabei, die Plätze konkret zuzuordnen. Es geht zurzeit nur um die Feststellung der Kapazitäten“, sagt Frohburg.

Eine Aufnahme in die gewünschte Kita ist laut Vorlage auch in diesem Jahr nicht in allen Fällen möglich. Wartezeiten von drei bis sechs Monaten seien unumgänglich, da viele Plätze aufgrund des Wechsels von Kindern in den Kindergarten erst im Laufe des Jahres frei werden. Zudem setze sich der Trend fort, dass immer mehr Kinder bereits mit Vollendung des ersten Lebensjahres angemeldet werden. Die Folge: eine längere Verweildauer in den Krippengruppen und damit eine geringere Aufnahmequote. Auch im Krippenbereich kann die Kommune nicht alle Sonderdienste einrichten. Gleichwohl werden 252 Kinder und damit fast 99 Prozent länger als vier Stunden betreut.

Laut Kerstin Frohburg geht die Verwaltung weiter von zehn Integrationsgruppen aus (40 Kinder). Die Feststellung des Förderbedarfs sei noch nicht abgeschlossen.

Von Andreas Hapke

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