„Das passt zu 100 Prozent“

Vier spanische IT-Fachkräfte bereichern die Stuhrer IT-Firma WS System

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Geschäftsführer Wassim Saeidi (hinten, 2.v.r.) und Wirtschaftsförder Lothar Wimmelmeier (hinten r.) freuen sich darüber, dass in (v.l.) Samuel Reyes Álvarez, Juan José Sanchez Troncoso, Raúl Granado Hermosin und Francisco José González Jiménez vier spanische Fachkräfte den Weg aus Alcalá de Guadaira nach Stuhr gefunden haben.

Stuhr - Davon, dass die Gemeinde in regelmäßigen Abständen spanischen Berufsschülern ein Praktikum in Stuhrer Firmen ermöglicht, profitiert gerade das IT-Unternehmen WS System. Vier Spanier hat Wirtschaftsförderer Lothar Wimmelmeier seit Sommer 2018 dorthin vermittelt. Und alle waren Volltreffer, wie Geschäftsführer Wassim Saeidi berichtet.

Von der Persönlichkeit über die Einstellung bis hin zur Kompetenz – all das stimmt laut Saeidi bei seinen neuen Mitarbeitern. Deshalb hat er Francisco José González Jiménez und Juan José Sanchez Troncoso nach Abschluss ihres dreimonatigen Praktikums fest eingestellt. Bei den im März dazugestoßenen Samuel Reyes Álvarez und Raúl Granado Hermosin steht einer Übernahme ebenfalls nichts im Weg.

Seit 2015 pflegt die Gemeinde einen intensiven Kontakt zur Schule IES Cristóbal de Monroy in ihrer Partnerstadt Alcalá de Guadaira. Die angehenden Fachkräfte erhalten dort eine umfassende theoretische Ausbildung, müssen danach aber noch ein Praktikum absolvieren. Mangels Perspektiven in der Heimat zieht es dafür immer mehr Spanier ins Ausland. Für international aufgestellte Betriebe wie WS System ist das eine willkommene Gelegenheit, ihren Bedarf an Fachkräften zu decken. Der Betrieb wachse und benötige zügig neue Leute, erklärt der für Beratung und Vertrieb zuständige Jörg Naffin. Erst in diesem Jahr habe WS System zwei neue Arbeitsbereiche aus einer Insolvenz übernommen. Sprachbarrieren spielten in der IT-Branche keine Rolle spielen. „Wir haben Leute aus acht Nationen und verständigen uns auf Englisch“, sagt Naffin.

Nach Auskunft von Wirtschaftsförderer Lothar Wimmelmeier bietet die kommunale Schiene den Vorteil, die Pädagogen des jeweiligen Berufszweigs persönlich zu kontaktieren. „Die Lehrer haben ein gutes Gespür dafür, wen sie vermitteln“, findet Saeidi. „Das passt zu 100 Prozent.“ Laut Naffin stellt sich das Gefühl meist schon nach einer Woche Praktikum ein. „Spätestens nach drei Monaten haben wir alle auf Herz und Nieren geprüft.“ Wer die grundlegenden IT-Kenntnisse mitbringe, erreiche leicht einen höheren Wissensstand, sagt Saedi.

Weniger gute Erfahrungen habe er mit dem Programm Adelante gemacht. Dabei erlangen spanische Fachkräfte über eine einjährige betriebliche Qualifizierung die Anerkennung ihrer Berufsausbildung in Deutschland. Die Auswahl der Bewerber trifft eine Firma vor Ort. „Die Beschreibung der Qualifikation stimmte nicht mit den Fähigkeiten überein“, so Saeidi. Doch auch dabei habe es Erfolgsmeldungen gegeben, wirft Wimmelmeier ein. Von den anfangs zwölf Teilnehmern waren acht am Ball geblieben, sechs bauten sich anschließend in Deutschland eine berufliche Zukunft auf (wir berichteten).

WS System ist auf die Entwicklung smarter Industrie-4.0-Lösungen spezialisiert. In diesem Spektrum sind die Spanier als Programmierer und Softwareentwickler beschäftigt. Sie feilen an der firmeneigenen Plattform und an deren Zuschnitt auf die Bedürfnisse der Kunden. Die Spanier finden das spannend. Juan José Sanchez Troncoso etwa hat bei WS einen neuen Blickwinkel kennengelernt. Er schätze den industriellen Schwerpunkt, sagt er. „Ich mag es, mit Robotern zu arbeiten.“ Auch abseits der Arbeit genießt das Quartett seine neue Heimat. „Ich war erst einmal aus Spanien weg“, erzählt Francisco José González Jiménez. „Ich fühle mich jetzt viel europäischer.“

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