Partnerschaftsverein vermittelt französische Praktikantin an Stuhrer Firma KLK

„Zum ersten Mal im Leben eine Leitung isoliert“

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Praktikantin Léa Lefaucheux (2.v.r.) mit (v.l.) Martina Heathcote vom deutsch-französischen Partnerschaftsverein, Jürgen Steinbach (KLK), Erster Gemeinderat Ulrich Richter und Jürgen Timm, Vorsitzender des Partnerschaftsvereins.

Stuhr - Von Andreas Hapke. Gut drei Wochen nach Beginn ihres Praktikums bei der Firma Klima-Lüftung Kälte (KLK) hat Léa Lefaucheux schon einiges gelernt. Sie weiß jetzt, wie sie eine Klimaanlage wechseln und Brandschutzklappen überprüfen muss. „Und zum ersten Mal in meinem Leben habe ich eine Lüftungsleitung isoliert“, sagt sie. Die 21-Jährige ist auf Initiative des deutsch-französischen Partnerschaftvereins bei KLK gelandet. Zum ersten Mal hat der Verein eine Praktikantin außerhalb der Verwaltung untergebracht.

Léa Lefaucheux kommt aus Stuhrs Partnergemeinde Ecommoy und studiert Energie- und Klimatechnik an der staatlichen Architektur- und Ingenieurhochschule in Straßburg. Eine Wahl, die Jürgen Steinbach, einer der geschäftsführenden KLK-Gesellschafter, als „ausgesprochen zukunftsorientiert“ bezeichnet. „Durch die Energiewende sind wir plötzlich gefragte Leute, wir haben Wind unter den Flügeln.“ Da Léa „fast perfekt“ Deutsch spreche, habe ihre Integration keine Probleme bereitet. Und auch aus Sicht der jungen Französin ist das Praktikum bislang eine stimmige Angelegenheit. Besonders überrascht hat sie der Kontakt zu Jürgen Steinbach. „In Frankreich spricht man nicht mit dem Chef“, begründet sie. „Das läuft über die Sekretärin oder über eine E-Mail.“

Léa Lefaucheux hat Deutsch in der Schule gelernt, was laut Jürgen Timm, Vorsitzender des Partnerschaftvereins, eher die Ausnahme denn die Regel ist. Englisch muss, Deutsch kann, heiße es an französischen Schulen. Deshalb werde sich der Verein an einer in Frankreich laufenden Kampagne beteiligen, die Deutsch zu einem höheren Stellenwert verhelfen wolle.

In ihrem bilingualen Studium setzt Léa Lefaucheux ebenfalls auf die deutsche Sprache. Deshalb wollte sie ihre praktischen Erfahrungen unbedingt in Stuhr sammeln. „Ich wollte Deutsch noch mal hören und sprechen“, sagt sie. Auch weil sie sich vorstellen könne, später einmal in der Bundesrepublik zu arbeiten. Noch zweieinhalb, vielleicht drei Jahre werde es dauern, bis sie ihr Diplom in der Tasche habe.

Insgesamt muss Léa Lefaucheux für ihren Abschluss drei Monate Praktika nachweisen. Sie hat sich dazu entschlossen, die Zeit am Stück in Deutschland zu absolvieren.

Nach vier Wochen bei KLK geht es für sie zwei Monate lang bei dem Bremer Unternehmen Osmers weiter, das auf Heizungstechnik spezialisiert ist. „Sie wollte unbedingt auch in diesen Bereich hineinschnuppern“, sagt Martina Heathcote vom Partnerschaftsverein.

Heathcote kennt die Praktikantin schon von Geburt an. Sie hatte zu Schulzeiten in den 80er-Jahren selbst an einem Austausch teilgenommen und dabei Léas spätere Mutter kennengelernt. Der Kontakt ist nie abgerissen.

Laut Heathcote würde der Partnerschaftsverein gerne weitere junge Leute in hiesige Betriebe vermitteln. Dahinter stehe auch die Überlegung, welche Impulse man in der Beziehung zwischen dem Canton d’Ecommoy und Stuhr setzen könne; wie Anreize für Jugendliche zu schaffen seien. „Die Gefahr, dass die Partnerschaft nach fast 40 Jahren einschläft, ist groß“, sagt Heathcote. Sie verweist auf mehrere Anfragen aus Frankreich. „Aber leicht ist das nicht. Erst einmal muss man sehen, was für eine Ausbildung die Interessenten mitbringen, und welcher Betrieb dazu passt.“

Gleichwohl hofft Vorsitzender Jürgen Timm, dass das Beispiel KLK Schule macht „und wir andere Betriebe dazu anregen können, mal Praktikanten aus Frankreich aufzunehmen“.

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