Partnerschaft mit Ecommoy 

„Es ist gut zu wissen, was man aneinander hat“

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Martina Heathcote und Jürgen Timm freuen sich bereits auf die Jubiläumsfahrt vom 31. August bis 4. September nach Frankreich.

Stuhr - Von Andreas Hapke. An ihren ersten Schüleraustausch nach Frankreich erinnert sich Martina Heathcote noch sehr gut. „Das hat für mich Tür und Tor geöffnet, das war wie eine Weltreise für mich“, sagt sie. Seit jenem Aufenthalt im Jahr 1981 hat sie Frankreich nicht mehr losgelassen. Noch heute hat sie Kontakt zu ihrer damaligen Gastgeberin Armelle, auch wenn sich das zwischenzeitlich etwas mühselig gestaltete: „Man musste schließlich noch Briefe in der fremden Sprache schreiben.“

Nach unzähligen Fahrten, die Heathcote inzwischen in das Nachbarland unternommen hat, steht am 31. August ein besonderer Ausflug auf dem Programm. Dann rollen die Stuhrer mit zwei Bussen nach Frankreich, um ein Jubiläum zu feiern: Vor rund 40 Jahren, am 8. Februar 1977, wurde im Rathaus der Stadt Ecommoy ein Freundschaftsvertrag zwischen Stuhr und sechs Gemeinden des Kantons Ecommoy unterzeichnet.

Heathcote ist auch in ehrenamtlicher Funktion unterwegs, als stellvertretende Vorsitzende des Deutsch-Französischen Partnerschaftsvereins Stuhr. Seite an Seite mit Chef Jürgen Timm sorgt sie dafür, dass die „Arbeit am europäischen Gedanken (...) nicht zum Stillstand“ kommt, wie es in einem Flyer des Vereins heißt. Obwohl das in Stuhr nicht zu befürchten ist: Viele Vereine füllen die Partnerschaft mit Leben, von den Sportclubs über Schützenvereine und Feuerwehren bis hin zu den örtlichen Landfrauen.

„Die meisten Vereine besuchen sich im jährlichen Wechsel gegenseitig“, sagt Heathcote. Unabhängig von der Jubiläumsfahrt empfangen in diesem Jahr der TSV Heiligenrode, der TuS Varrel sowie gemeinsam der FTSV, der SV und der Schützenverein Brinkum ihre französischen Gäste zum regelmäßigen Sportaustausch. Auch die beiden kooperativen Gesamtschulen treten im Mai noch als Gastgeber auf, ebenso das Jugendsinfonieorchester der Kreismusikschule. Ein bunter Strauß an Verbindungen. Der Deutsch-Französische Partnerschaftsverein fungiert dabei als „verlängerter Arm der Gemeinde“, wie es Timm formuliert. „Wir sind das Gegenstück zum französischen Komitee. Dort wird der Austausch allerdings ausschließlich zentral geregelt, während bei uns das meiste über die Vereine läuft.“

Erstes Beschnuppern im Jahr 1970

Timm war erstmals als Kommunalpolitiker im Zuge der Gebietsreform 1974 mit den deutsch-französischen Beziehungen konfrontiert worden. Die gehen offiziell schon auf das Jahr 1973 zurück, als die damals selbstständige Gemeinde Heiligenrode einen Freundschaftsvertrag mit zwei Kommunen des Kantons Ecommoy schloss. Inoffiziell steht sogar das Jahr 1970 für den Startschuss der Freundschaft: Seinerzeit hatten sich Heiligenroder und Franzosen in Laigné-en-Belin und St.-Gervais-en-Belin beschnuppert. „Es ging darum, diese Partnerschaft in der neuen Gemeinde Stuhr zu verankern und weiterzuentwickeln“, sagt Timm. Dies wurde in einem eigenen Paragrafen des Gebietsänderungsvertrags festgehalten. Für den Ausbau der Beziehungen gründete sich ein Förderkreis, den 2003 der Deutsch-Französische Partnerschaftsverein ablöste, mit Timm und Heathcote an der Spitze. Der Verein engagiert sich auch in der Vermittlung von Berufspraktika hüben wie drüben.

Im Laufe der Jahre haben die beiden viele Familien in Frankreich kennengelernt. „Manchmal geht man über einen Markt, und die Kinder früherer Gastgeber fallen einem um den Hals“, sagt Timm. „Man fühlt sich dort wie zu Hause“, fügt Heathcote hinzu. Sie vergleicht die Freundschaft der Kommunen mit einer Ehe: „Wenn ich verstehe, wie jemand tickt, dann bin ich besser in der Lage, in einer schwierigen Situation zu einer Einigung zu kommen.“ Doch nicht nur deshalb haben Städtepartnerschaften ihrer Ansicht nach ihre Berechtigung, heute vielleicht noch mehr als früher: „In Zeiten des Populismus tut es gut zu wissen, was man aneinander hat“, stellt sie fest.

Deshalb legt der Verein sein Augenmerk darauf, die Jugendlichen zu erreichen. Doch wie es scheint, müssen sich die Vorsitzenden auch in dieser Hinsicht keine Sorgen machen: Die Jazz-Combo der KGS Brinkum begibt sich Ende August ebenso auf Jubiläumsfahrt wie Mädchen und Jungen der Lise-Meitner-Schule und die Nachwuchsband Lenna. Heathcote ermutigt andere Jugendliche, es ihnen gleichzutun, unabhängig von sprachlichen Barrieren: „Man spricht vielleicht nicht dieselbe Sprache, aber man kommt sich entgegen.“

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