Im Interview

Bürgermeister Stephan Korte ist 100 Tage im Amt: Ortskernsanierung nimmt Fahrt auf

In Stuhr angekommen: Bürgermeister Stephan Korte. Foto: JantJe Ehlers
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In Stuhr angekommen: Bürgermeister Stephan Korte.

Stuhr – Stuhrs Bürgermeister Stephan Korte ist am Sonntag 100 Tage im Amt. Im Interview spricht er darüber, welche Projekte er in dieser Zeit anschieben konnte und wie die Corona-Pandemie die Arbeit im Rathaus beeinflusst. Die Fragen stellte Katharina Schmidt.

Herr Korte, wie gefällt es Ihnen bisher in Stuhr?

Wunderbar. Ich bin gut angekommen und sehr froh, dass ich den Schritt von Bremen nach Stuhr gemacht habe. Ich schätze die kurzen Wege hier und die gute Zusammenarbeit mit den Fraktionen. Das macht viel meiner Arbeitszufriedenheit aus. In meiner Freizeit versuche ich, Stuhr weiter kennenzulernen. Wir machen viele Radtouren hier, seit April habe ich eine Wohnung in Heiligenrode. Es war nicht einfach, sich einzurichten, weil alle Geschäfte geschlossen waren. Aber jetzt freue ich mich darauf, den Sommer in Stuhr genießen zu können.

Die Sanierung des Brinkumer Ortskerns gehört zu den Themen, die Sie als Erstes in Angriff nehmen wollten. Was hat sich seit Ihrem Amtsantritt getan?

Das Thema Ortskernsanierung nimmt Fahrt auf. Es gibt bereits erste interessierte Investoren, die ihre Vorschläge gerade vorbereiten. Einen kleinen Einblick konnten wir schon erlangen. Um das Zentrum mit Leben zu füllen, hatte ich selber noch vorgeschlagen, in Erwägung zu ziehen, das Gelände des Bremer Tors in die Planungen mit einzubeziehen. Dort oder an anderer Stelle im neuen Ortskern könnte ein neues Hotel entstehen. Des Weiteren könnte dort ein Gemeindezentrum entstehen, in dem verschiedene Einrichtungen ihr Zuhause finden. Der Treffpunkt Sie(h)da, der ja derzeit in der Briseck in einer Liegenschaft untergebracht ist, die eigentlich für Wohnzwecke gedacht ist, könnte zum Beispiel dorthin umziehen. Es gibt aber auch noch andere beratende Einrichtungen, die infrage kommen. Ich verspreche mir einen großen Effizienzgewinn davon, wenn man eine Liegenschaft hat, die gemeinsam verwaltet wird, und in der Veranstaltungs- und Schulungsräume gemeinsam genutzt werden. Meine Vorstellung ist auch, dass man dort einen Veranstaltungsbereich schafft, in dem zum Beispiel Konzerte für ein jüngeres Publikum stattfinden und der als Kleinkunstbühne genutzt werden könnte. Meine Idee habe ich mit der Politik und natürlich auch mit den Betreibern des Bremer Tors schon einmal erörtert, da besteht großes Interesse. Ich habe daher den Vorschlag den interessierten Investoren mit auf den Weg gegeben. Da warten wir jetzt mal ab, was da für Vorschläge kommen.

Zwei weitere Punkte, die Sie in Angriff nehmen wollten, waren die Linie 8 und die Sanierung der KGS-Sporthallen ...

Ich wollte einen Plan haben, wie wir die Linie 8 hier umsetzen, insbesondere auch: Was sind unsere Aufgaben als Gemeinde, und welche Aufgaben nehmen die anderen Partner wahr? Mittlerweile haben wir intern klare Vorstellungen, wie die Haltestellen konzipiert sind und welche Dienstleistungen da angeboten werden – es gibt ja zum Beispiel die Möglichkeit von Park and Ride, Ladestationen für E-Autos oder Bike and Ride. Bezüglich der Sanierung der KGS-Sporthallen ist die Auftragsvergabe erledigt. Die eigentliche Sanierung kann dann spätestens zum Jahresende beginnen.

Ihr erster Arbeitstag im Rathaus war der 14. Februar. Wenige Wochen später hat Corona alles auf den Kopf gestellt. Ihre Anfangszeit hatten Sie sich wahrscheinlich anders vorgestellt, oder?

Meinen Start hatte ich mir in der Tat ganz anders vorgestellt, wahrlich. Ich habe am Anfang, wie man das so tut, versucht, möglichst alle Menschen im Rathaus und darüber hinaus kennenzulernen. Nach einem ersten Besuch beim Baubetriebshof habe ich in den ersten Wochen die Leiter der Fachbereiche und Fachdienste zu Gesprächen eingeladen, um mich über die Aufgaben dort zu informieren. Ich halte zudem regelmäßige Besprechungen auf der Leitungsebene ab, um aktuelle Themen zu erörtern. Dann hatte ich natürlich auch vor, mal die Kollegen in der benachbarten Polizeistation, in der Sozialstation oder in den Kitas zu besuchen. Das ist dann alles schnell zunichtegemacht worden aufgrund der Kontaktbeschränkungen.

Wie hat die Krise Ihre Arbeit beeinflusst?

Mein Schwerpunkt lag drauf, Bürgerinnen und Bürger, insbesondere auch Gewerbetreibende, zu informieren und beraten. Die Menschen in der Gemeinde nehmen den Bürgermeister und das Rathaus als Krisenmanager vor Ort wahr. Die Verordnungen kommen zwar vom Land und werden im Wesentlichen von den Landkreisen umgesetzt, aber viele der notwendigen Maßnahmen sind von der Gemeinde zu treffen, und bei Fragen wenden sich die Bürgerinnen und Bürger in erster Linie an die Gemeinde. Stuhr hatte den ersten positiv getesteten Fall im Landkreis Diepholz. Wir waren auch die Ersten, denen eine Schule und eine Kita geschlossen wurde. Wenig später wurden sämtliche Kitas und Schulen geschlossen. Wir konnten aber innerhalb einer Woche eine Notbetreuung auf die Beine stellen. In der Folgezeit mussten sämtliche Gremiensitzungen ausfallen. Den Rat informiere ich seitdem über einen Newsletter über die Aktualitäten. Darüber hinaus habe ich einen Austausch mit den Fraktionsvorsitzenden. Das hilft, Dinge trotzdem zu beraten. Bedauerlich war, dass wir den Frühlingsempfang absagen mussten. Und natürlich mussten viele Kulturveranstaltungen abgesagt werden. Da war das Autokino in Brinkum ein viel beachtetes Highlight.

Viele Außentermine falle aktuell weg. Wie nutzen Sie die dadurch gewonnene Zeit außerdem noch?

Momentan habe ich zwar wenig Außentermine aufgrund der Kontaktbeschränkungen, ich habe aber gleichwohl sehr viele Menschen kennenlernen können. Zudem kann ich die Zeit für viele rathausinterne Besprechungen nutzen, sodass auch unter den Bedingungen von Corona der Arbeitstag recht lang ist. Die Bürgermeisterkonferenz, die normalerweise monatlich stattfindet, haben wir zum Beispiel momentan im zweiwöchigen Turnus. Auch vom niedersächsischen Städtetag haben wir uns zusammengesetzt und uns über die Umsetzung der Allgemeinverfügungen und Vorgaben aus Hannover ausgetauscht. Die meisten Besprechungen finden als Videokonferenzen statt. In Fällen, in denen dies nicht möglich ist, nutzen wir den Ratssaal oder die großen Besprechungsräume.

Corona macht vielen Unternehmen zu schaffen. Stellt der Wegfall von Gewerbesteuern Stuhr vor Herausforderungen?

Stand heute rechnen wir, auf das Jahr hochgerechnet, mit einem Gewerbesteuer-Ausfall in Höhe von sechs Millionen Euro. Das muss nicht so bleiben, vermutlich erholt sich die Wirtschaft auch zwischenzeitlich. Aber es ist natürlich schon eine Hausnummer. Außerdem hat die Gemeinde Stuhr Gewerbetreibenden die Vorauszahlung von Gewerbesteuern im Umfang von einer Dreiviertelmillion gestundet, wobei diese Stundungsbeträge irgendwann nachgezahlt werden. Ja, es ist eine Herausforderung, aber diese werden wir meistern, da bin ich mir ganz sicher. Ich habe mir vorsorgehalber eine Übersicht geben lassen über die freiwilligen Aufgaben, die wir als Gemeinde wahrnehmen. Falls Kürzungen tatsächlich notwendig werden sollten, wäre das der Ausgangspunkt.

Zum Abschluss: Was sind Ihre Ziele für die Zukunft?

Die Straßenbahnlinien oder die Ortskernsanierung sind große Projekte, die in ihrer Komplexität und den zeitlichen Vorläufen, die sie benötigen, nicht zu unterschätzen sind. Außerdem befassen wir uns momentan damit, das Geschehen im Rathaus wieder Richtung Normalität zu führen. Woran wir noch arbeiten, ist die Umsetzung eines Gesundheitszentrums in Stuhr. Momentan häufen sich zudem Beschwerden über Vermüllung der Steller Heide und der Nichtbeachtung der Leinenpflicht während der Brut- und Setzzeit.

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