Große Schnittmenge von Ideen

Entwicklung des Stuhrer Ortskerns: Planungsbüro stellt Missstände und Potenziale vor

Das Gerätehaus der Ortsfeuerwehr Stuhr spielt in den Planungen für den Stuhrer Ortskern eine Rolle.
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Ein Umzug der Feuerwehr könnte die Bahn für eine Umgestaltung der Rathausumgebung freimachen.

Die Entwicklung des Ortskerns beschäftigt Verwaltung und Politik der Gemeinde Stuhr. Jetzt hat ein Planungsbüro die Missstände und Potenziale des Areals rund um das Rathaus herausgearbeitet und vorgestellt.

Stuhr – Das integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) für den Stuhrer Ortskern hat am Donnerstagabend eine weitere Hürde genommen. In einer Online-Bürgerinformation hat das Bremer Planungsbüro BPW die Ergebnisse der sogenannten vorbereitenden Untersuchung präsentiert. Sie ist die Beurteilungsgrundlage über die Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit der Sanierung. Wo sind die städtebaulichen Missstände? Wie kann man sie beheben? Unter anderem darauf hat BPW sein Augenmerk gelegt. Mit einem Förderbescheid rechnet das Büro für Frühjahr 2022, mit der Umsetzung von Maßnahmen ab dem ersten Halbjahr 2023.

Neben eigenen Beobachtungen hat BPW Fachgespräche mit Akteuren vor Ort in die Untersuchung einfließen lassen, auch Stellungnahmen von rund 160 Bewohnern. 125 von ihnen hatten sogar einen Fragebogen ausgefüllt. In Richtung Teilnehmer sagte Stadtplanerin Maja Fischer-Benzenberg: „Es gibt eine große Schnittmenge von Ideen, die Sie und wir haben.“

Schwächen des Stuhrer Ortskerns

Als Schwächen des Ortskerns nannte BPW-Mitarbeiter Niklas Fluß unter anderem dessen hohe Verkehrsbelastung. „Das beeinflusst den Ortskern wegen des Lärms und hat eine trennende Wirkung. Zudem hätten 85 Prozent der Gebäude einen Modernisierungs- und/oder Instandsetzungsbedarf. Fenster, Fassaden und Dächer seien betroffen. Der Bereich rund um das Rathaus sei unübersichtlich, nicht zuletzt wegen der mehr als 600 ebenerdigen Parkplätze. Insbesondere eine Verlagerung des Feuerwehrgebäudes biete ein großes Potenzial, die gesamte Fläche anderweitig zu nutzen. Außerdem stellte Fluß einen Erneuerungsbedarf für Straßen und Gehwege fest.

Zur Funktion des Ortskerns sagte Fluß, dass er seinem Anspruch als zentralem Versorgungsbereich nicht gerecht werde. Dies liege zwar auch an der Nähe zu Delmenhorst, Bremen und Brinkum-Nord. Doch auch die fehlende Verbindung zwischen Aldi und dem Rest wirke sich aus. Verknüpfende Wege seien mitunter mangelhaft oder fehlten gänzlich. Der Planer kritisierte zudem die defizitäre Gestaltung des Freiraums. Es mangele an Aufenthaltsqualität, insbesondere an Flächen für Kinder und Jugendliche. Um die Sicherheit der schwächeren Verkehrsteilnehmer und um die Barrierefreiheit ist es laut Fluß ebenfalls schlecht bestellt. Die Haltestelle an der Moselstraße etwa sei nur einseitig barrierefrei. Sitzgelegenheiten wären auch nicht schlecht. Aber: „Missstände umgedreht sind auch Potenziale“, sagte der Mann von BPW.

Stärken des Stuhrer Ortskerns

Zu den Stärken zählte Fluß das Engagement und das Miteinander der Menschen. Viele würden sich aktiv einbringen, etwa beim Weinfest oder beim Weihnachtsmarkt. Der Ort selbst habe ebenfalls Stärken: seine historische Bausubstanz, die Natur in unmittelbarer Nähe, die künftige Erreichbarkeit durch die Linie 8 sowie das Rathaus, die Banken und die Gastronomie als Frequenzbringer. „Teilweise stehen die für sich“, sagte Fluß. „Da müsste eine Verknüpfung her.“

Von den aus der Untersuchung abgeleiteten Entwicklungszielen war Planern und Bürgern am wichtigsten, dass „vielfältige Anlaufpunkte einladen“. Es gelte, abwechslungsreiche Freiräume zu verbinden, Treffpunkte für Jung und Alt zu schaffen, den Ortskern sicherer und besser zu erreichen sowie ihn klimafreundlicher zu gestalten. Letzteres sei durch eine entsprechende Mobilität und bessere Standards der Gebäude zu erreichen.

Fischer-Benzenberg wies auf die Bedeutung einer „zentralen Verbindung zwischen Kirche und Rathaus“ hin, um den Ortskern in eine „gefühlte Mitte“ zu überführen. Sie schlug vor, den Grünbereich am Sigulda-Platz „als Platz mit Angeboten für Familien“ einzubinden. Ein Multifunktionsplatz zum Verweilen, für Stellplätze sowie für Bewegung und Sport könnte hinter dem Rathaus entstehen. Der Ortskern müsse eine hohe Durchlässigkeit zu Fuß und mit dem Rad haben.

Ortskern Stuhr: Verlagerung der Feuerwehr eine mögliche Option

Da der Bereich rund um das Rathaus eine hohe Priorität habe, sei die Verlagerung der Feuerwehr zu prüfen. Ohne sie könne der komplette Bereich neu geordnet werden. Das „Wie?“ wäre in einem städtebaulichen und freiraumplanerischen Ideenwettbewerb zu klären. „Das ist ein großer Baustein“, sagte die Planerin.

Von einer Neuordnung würden auch andere Bereiche des Ortskerns profitieren, etwa die Umgebung der Kirche. Der Kirchplatz etwa werde zurzeit nur als Parkplatz wahrgenommen. Mitunter seien Rad- und Fußwege neu zu gestalten oder überhaupt erst zu schaffen. Fischer-Benzenberg nannte eine durchgängige, barrierefreie Verbindung zwischen Rathaus und östlichem Ortskerneingang als Beispiel.

Bei den Fragen der Bürger spielte die Verkehrsbelastung eine große Rolle. Sabine Ernst etwa sprach von der Stuhrer Landstraße als „Rennstrecke“. CDU-Ratsherr Uwe Schweers sagte, die Sanierung „bringt nichts, wenn sich verkehrsmäßig nichts ändert“. Die Planerin brachte eine Tempo-Reduzierung ins Spiel und schlug Verhandlungen mit dem Landkreis vor. Anke Böttner fürchtet Vandalismus auf den neu angelegten Plätzen. Landschaftsarchitekten, sagte Fischer-Benzenberg, könnten Orte so gestalten, dass sie angenommen werden. Stuhr dürfe sich nicht endlos Zeit nehmen zu sanieren. „So 10, 15 Jahre, bis alles abgerechnet ist.“ Schweers will in jedem Fall Enteignungen ausschließen.

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