Erstmals seit September 2018

Nach Dornröschenschlaf: Ortskern Brinkum endlich wieder in der Diskussion

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Blick auf den Brinkumer Zob: Für die Flächen östlich der Bremer Straße wünscht sich „Besser“ einen städtebaulichen Wettbewerb.

Stuhr - Wenn sich am Donnerstag, 24. Oktober, der Ausschuss für Gemeindeentwicklung und Umwelt trifft, dann wird er sich auch mit der Brinkumer Ortskernentwicklung auseinandersetzen. Na und?, mag der eine oder andere jetzt denken.

So neu ist das Thema schließlich nicht. Doch genau das ist der springende Punkt. Die Tagesordnung ist insofern bemerkenswert, als sich seit September 2018 kein öffentliches Gremium mehr damit beschäftigt hat. Damals hatte das Kölner Büro für Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen in einer Bürgerversammlung überarbeitete Varianten für den Ortskern vorgestellt.

Die Unterbrechung des Dornröschenschlafs geht auf einen Antrag der Fraktion „Besser“ zurück, den Chef Gerd-W. Bode erst in der Sitzung erläutern möchte. Für die Gestaltung der Fläche östlich der Bremer Straße, also für den künftigen Marktplatz mit den ihn umgebenden Gebäuden, möchte „Besser“ einen städtebaulichen Wettbewerb. Das war schon vor Jahren die Absicht der Fraktion. Der neuerliche Vorstoß ist vor dem Hintergrund der zwischenzeitlichen Entwicklung zu sehen.

Stuhrer Ortskern: Investoren bleiben aus

Das vom Rat beschlossene Entwicklungskonzept für den Stuhrer Ortskern sah zunächst einen Investorenwettbewerb vor, dessen Sieger sich um einen Architekturwettbewerb und somit um die Gestaltung der Fläche nach den Vorgaben der Gemeinde kümmern sollte. 

Mit der Verfahrensbegleitung hatte die Gemeinde das darauf spezialisierte Hamburger Büro Drost Consult beauftragt. Auf dessen Ausschreibung im Sommer 2017 allerdings meldete sich drei Monate lang niemand. Inzwischen hat die Gemeinde die Zusammenarbeit aufgekündigt. Zu den Gründen hält sich Stadtplaner Christian Strauß bedeckt. Zufriedenheit drückt sich anders aus.

„Wir hatten dem Konzept damals zugestimmt, weil sich unsere Idee wenigstens in dem Architektenwettbewerb widergespiegelt hat“, erzählt Bode auf Nachfrage der Kreiszeitung. „Wobei unser Schwerpunkt auf der Stadtplanung lag, weniger auf der Architektur der Häuser.“ Durch das Scheitern des Investorenwettbewerbs („den wollten wir von Anfang an nicht“) sahen sich er und seine Mitstreiter bestätigt.

Brinkum: Städtebaulicher Wettbewerb üblicher Weg

„Ein städtebaulicher Wettbewerb ist heutzutage der übliche Weg“, begründet Bode den Antrag. Der von einer Jury zu kürende Sieger bekomme ein Preisgeld und den Auftrag, seine Idee umzusetzen. „Letzteres müsste aber nicht zwingend so sein. Man hätte aber auf jeden Fall eine Richtung, in die es gestalterisch gehen soll.“ Der westliche Teil könnte laut Bode separat vermarktet werden. Er habe die Befürchtung, dass die Gemeinde die Flächen am Ende einfach verkauft, „ohne dass wir auf die eigentliche Marktplatzplanung noch einen Einfluss haben“.

Zum weiteren Vorgehen wollte Strauß nichts sagen. Wenn er betont, dass zuletzt „in öffentlichen Sitzungen nicht viel passiert ist“, dann deutet das auf eine Entscheidungsfindung hinter verschlossenen Türen hin. Nach der Trennung von Drost Consult befindet sich die Gemeinde offiziell noch auf der Suche nach einem neuen Dienstleister – und damit auch nach einem neuen Vermarkter für die Flächen, denn die Vermarktung ist Bestandteil des Verfahrens.

Unternehmer Rolf Specht: Zu viele Vorgaben

Nach wie vor würden die Grundzüge des Entwicklungskonzepts für die städtebauliche Planung gelten, sagt Strauß. Der Rat habe seinerzeit (März 2017, die Red.) ein dezidiertes Konzept beschlossen. Genau diese Detailverliebtheit hatte zum Beispiel Unternehmer Rolf Specht abgeschreckt: „Zu umfangreich, zu viele Vorgaben“, lautete sein Urteil.

Einen flexibleren Rahmen mit mehr Spielraum für den Verfahrensträger schließt Strauß nicht aus. Wie die Lockerung aussehen könnte? Damit will der Stadtplaner nicht herausrücken. „Ich möchte potenzielle Verfahrensträger damit weder animieren noch abschrecken“, sagt er. Auf jeden Fall bringe die Verwaltung das Thema in diesem Jahr noch einmal in die Öffentlichkeit. „Dann vielleicht mit der Vorstellung eines neuen Dienstleisters.“

Kritik von „Brinkum in Fahrt“

Unterdessen stellt die Initiative „Brinkum in Fahrt“ in einer Pressemitteilung fest, dass alternative Vorschläge und Denkanstöße von Bürgern nicht willkommen seien. „Wir bekräftigen noch einmal unsere Einstellung, dass das Areal um das Bremer Tor einschließlich des mexikanischen Restaurants nicht aus der Ortskernplanung ausgeschlossen werden darf. Ein ganzheitlicher Masterplan ist hier erforderlich.“ Der geplante Zob auf dem Grundstück des Bremer Tors sei „so unnötig wie ein Kropf“.

Die Initiative verweist auf ihren Vorschlag aus 2016, der in den Obergeschossen der Gebäude auf der Ostseite Platz für Praxen, Büros und sonstige Dienstleister vorsieht. In den Erdgeschossen sollen unter anderem Gastronomiebetriebe mit Außengastronomie für „lebhaftes Treiben auch in den Abendstunden sorgen“. Im westlichen Teil würde „Brinkum in Fahrt“ weitere Dienstleister, zum Beispiel einen Friseur, ansiedeln. Auch Wohnen taucht in dem Konzept „nur im westlichen Teil“ auf.

Es sei zu erkennen, dass diese Ideen „nicht weit von den jetzt genannten Gedanken“ (der Lockerung von Vorgaben des Entwicklungskonzepts, die Red.) abweichen würden. Die Initiative würde es begrüßen, wenn sie von der Gemeinde die Möglichkeit erhielte, dem künftigen Vermarkter ihre Ideen vorzustellen – und wie es dazu gekommen ist.

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