Stadtradelstar hat Autoverbot

Stadtradeln: Ohne Umwege ans Ziel

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Die „Klimaflitzer“ waren von Anfang an beim Stadtradeln dabei.

Stuhr - Von Katharina Schmidt. Auf den Sattel, fertig, los: Gestern fiel in Stuhr und Weyhe der Startschuss für das Stadtradeln. Drei Wochen lang wollen die Teilnehmer möglichst viele Kilometer per Pedal zurücklegen. Verschärfte Bedingungen gelten dabei für Christian Strauß. Der Fachdienstleiter Stadtplanung ist in diesem Jahr der Stadtradelstar von Stuhr.

Christian Strauß darf während der Kampagne kein Auto von innen sehen. Eine Aufgabe, die ihm nicht schwerfallen dürfte – er besitzt seit rund zehn Jahren keinen eigenen Wagen mehr. „Ich fahre normalerweise mit Bus und Bahn zur Arbeit“, erzählt er. Bis zum 18. Juni will er die 7,5 Kilometer von seinem Zuhause in Bremen bis zum Rathaus so oft wie möglich mit dem Rad bewältigen.

Stadtradelstar Christian Strauß verzichtet gerne aufs Auto – damit kommt er ohne Stau und Umwege ans Ziel.

„Ich wünsche mir, dass mehr Menschen das Auto stehen lassen“, sagt er. Warum das die meisten Leute nicht schon längst getan haben, sei ihm ein Rätsel. „Das Autofahren ist in Bremen eine nervige Sache“, findet er. „Sie fahren nicht, Sie stehen.“ Durch Einbahnstraßen entferne man sich mancherorts eher vom Ziel, als dass man sich ihm nähere. Endlich angekommen, schließe sich die Parkplatzsuche an.

Einen nahen Stellplatz zu finden, ist für Radfahrer selten schwierig. Einen sicheren zu finden, dagegen schon. In den zurückliegenden Jahren hätten Diebe ihm und seiner Familie schon um die 15 Räder geklaut, bedauert Strauß. Meistens hätten sie in Bremen zugegriffen. Er habe teilweise Schlösser gehabt, die mehr als das Fahrrad gekostet haben – „auch das hat nichts geholfen.“ Ihm ist es daher ein Anliegen, dass mehr Möglichkeiten geschaffen werden, um Fahrräder sicher unterbringen zu können. Am Rathaus steht für diesen Zweck ein abschließbarer Unterstand bereit.

„Klimaflitzer“ im Schuppen

In dem Schuppen stehen auch viele Fahrräder der „Klimaflitzer“ – einem von neun Teams aus Stuhr, die sich bisher beim Stadtradeln angemeldet haben. Die Gruppe zählt derzeit um die 20 Mitglieder. Die meisten sind Rathausmitarbeiter.

Die „Klimaflitzer“ sind zum dritten Mal am Start, waren also vom Anfang an beim Stadtradeln dabei. Im vergangenen Jahr haben sie mit 15 Teilnehmern fast 4300 Kilometer zurückgelegt und dabei rund 600 Kilogramm CO2 vermieden.

Ines Kastens aus Brinkum organisiert die Gruppe. Sie ist nicht nur zur Kampagnen-Zeit passionierte Radfahrerin. Täglich radelt sie 4,5 Kilometer von Brinkum zur Arbeit. „Mir macht das einfach Spaß“, erzählt die Rathausmitarbeiterin, die schon als Kind gerne auf zwei Reifen unterwegs war. Die Bewegung an der frischen Luft tue ihr gut. Nicht zuletzt der Umwelt zuliebe tritt sie gerne in die Pedale.

Einziges Ärgernis: Viele Autofahrer würden kaum Rücksicht auf Fahrradfahrer nehmen. Sie hielten vor dem Abbiegen auf eine Straße zum Beispiel nach anderen Autos Ausschau, aber nicht nach Radfahrern. „Wenn ich selbst nicht darauf achten würde, hätte es schon Unfälle gegeben“, kritisiert Kastens.

Meldesystem für gefährliche Ecken

Wo störende oder gefährliche Stellen sind, können Teilnehmer innerhalb des Aktionszeitraums über GPS per Smartphone oder per Internet der Verwaltung melden. Darauf macht der Klimaschutzmanager der Gemeinden Stuhr und Weyhe, Colja Beyer, aufmerksam. In Stuhr markierten Radfahrer 2016 nur eine Stelle.

Neun Teams haben sich bisher für das Stadtradeln in Stuhr angemeldet. Auf diese teilen sich 51 Radler auf – mehr als doppelt so viele wie in Weyhe (24 Radler in zehn Teams). Die Mannschaften, die die meisten Kilometer sammeln, bekommen eine Auszeichnung und Preise. Zudem prämiert das Klimabündnis als Veranstalter der Kampagne die fahrradaktivste Kommune.

Fahrradfahrer können sich auch nach dem Start der Kampagne noch anmelden und ihre im Aktionszeitraum gefahrenen Kilometer nachtragen. Sie können einem Team beitreten oder ein neues gründen.

www.klimaschutz-stuhr-und-weyhe.de

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