In Heiligenrode entstehen Kiesbänke als Laichhabitate für Meeresforellen und Lachse

Ohne Sorgen vom Ei zum Fisch

An dieser Stelle gibt es die erste Kiesbank, weitere folgen. Fischer Cord Hildebrand (r.) und Mattias Stöver vom Ochtumverband werden im Frühjahr zu tun haben. Foto: Ehlers

Heiligenrode - Von Andreas Hapke. Cord Hildebrand wohnt in unmittelbarer Nähe zum Klosterbach in Heiligenrode. Das ist praktisch. Denn als Vorsitzender des örtlichen Fischereivereins kümmert er sich seit 25 Jahren gemeinsam mit seinen Kollegen um das Gewässer und die Tiere, die darin leben. Sie engagieren sich in der Hege und Pflege von Fischpopulationen.

Ein besonderes Augenmerk legen Hildebrand & Co. auf die Meerforellen und die Lachse, die im Klosterbach laichen sollen. „Wir sind ja dazu angehalten, etwas für den Besatz zu tun“, sagt Hildebrand. Seiner Auskunft nach bringen die Fischer jährlich rund 5 000 Brütlinge in den Klosterbach ein, die sie aus der Aufzuchtstation in Sittensen beziehen. Im Frühjahr ist es wieder soweit. Überwiegend sind es winzige Meerforellen, aber auch zehn Prozent Lachse sowie einige wenige Rotfedern und Weißfische. Vorgeschrieben ist der Umfang des Fischbesatzes nicht, wie Matthias Stöver, Geschäftsführer des Ochtumverbands, erklärt.

Die Fische werden in den hiesigen Gewässern groß und verschwinden nach knapp zwei Jahren mit der Strömung in Richtung Nordsee. Im Idealfall kommen die ausgewachsenen Fische „nach frühestens einem Jahr“ zum Laichen zurück, sagt Jens Salva, Biologe beim Landesfischereiverband Weser-Ems. Erfahrungsgemäß würden das aber nur die wenigsten schaffen.

Beim Lachs etwa liege die Quote im Promillebereich. „95 Prozent der Fische sterben schon im ersten Jahr“, so Salva. Die Gründe seien vielfältig, unter anderem spiele Wasserverschmutzung eine Rolle.

Für die Rückkehrer wollen die Akteure vor Ort wenigstens optimale Bedingungen schaffen, etwa durch das Anlegen von Kiesbänken als Laichhabitate. In Heiligenrode ist das eine Gemeinschaftsaufgabe der Fischer, des Landesfischereiverbands und des Ochtumverbands. Während der Ochtumverband technische Unterstützung gibt und den Kies einbringt, ist der Landesfischereiverband in Person von Salva wegen seines fachlichen Know Hows unverzichtbar. „Der weiß, wie die Fische ticken“, sagt Stöver. Laut Salva unterstützt sein Verband die Fischer auch beim Austausch mit den Behörden.

Der Landkreis sitzt als Genehmigungsbehörde und Geldgeber mit im Boot. Er übernimmt mit 8 500 Euro den Großteil der Kosten für die Kiesbänke. Die restlichen 1 500 Euro teilen sich die Heiligenroder Fischer mit den Kollegen aus Harpstedt und Stuhr. Genau genommen hat auch die Europäische Union ihre Finger im Spiel, denn gemäß ihrer Wasserrahmenrichtlinie sind die Fließgewässer in einen ökologisch guten Zustand zu versetzen. Das passiert in Heiligenrode.

Stöver spricht von einem 200 Meter langen „Suchraum“, in dem die fünf bis sechs Meter langen Kiesbänke entstehen sollen. Das passiert voraussichtlich im Frühjahr. Eine Bank ist bereits angelegt und befindet sich nahe des Mühlenstaus. Helle, nicht mit Algen und Schlamm überzogene Kieselsteine sind ein Beleg dafür, dass die Fische diese Stelle schon angenommen haben. Sie haben die Steine umgedreht, als sie eine Kuhle für den Laich gegraben haben. Die Kuhlen werden durch die flutenden Wellen durchströmt, wodurch der Laich mit Sauerstoff versorgt wird. Acht bis zehn weitere Bänke sollen noch hinzukommen, kündigt Salva an.

Als „Flaschenhals in der Entwicklung“ der Fische bezeichnet er die Zeit der Eiablage. 80 Tage dauere es vom Ei zum Fisch. Da in hiesigen Gewässern grundsätzlich viel Sand unterwegs sei, könne der die Kiesbänke zusetzen. „Die Eier sind dann vom Sauerstoff abgeschnitten.“

Umso wichtiger ist die Pflege der Kiesbänke, die auch zu den Aufgaben von Hildebrand und seiner Truppe zählt. „Die Bänke ändern sich durch die Strömungen, deshalb modellieren die Fischer sie hin und wieder neu“, sagt Stöver. Hildebrand geht davon aus, dass dies ein Mal pro Jahr notwendig ist. Gleichwohl läuft er nach eigener Auskunft jeden Tag den Klosterbach ab, zum Beispiel um das Gewässer von Unrat und Gestrüpp zu befreien. Im 14-tägigen Rhythmus ist das auch an der Fischtreppe an der Mühle notwendig. Im Sommer will sich Hildebrand die Holzbohlen der Fischtreppe vornehmen. „Die sind insgesamt zu durchlässig.“ Bäume müsse der Ochtumverband aus dem Bach holen, sagt Stöver.

Für Salva dienen die Kiesbänke „ein Stück weit auch de Bevölkerung“, denn Otto Normalverbraucher können die Fische beim Laichen beobachten. Ohnehin sei das deutlich zu vernehmen. „Wenn 60 bis 80 Zentimeter lange Fische laichen, dann hört man das.“ Salva kann sich einen Wanderweg entlang der Kiesbänke vorstellen: „Die Bindung des Menschen zur Natur soll zunehmen.“

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